+
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon

Ban Ki Moon mahnt zur Eile

Syrien: Wurden Giftgas-Beweise bereits vernichtet?

Damaskus - Können die UN-Inspekteure die Vorwürfe eines angeblichen Gifteinsatzes des syrischen Regimes aufklären? Es besteht die Befürchtung, dass die Beweise bereits vernichtet wurden.

Vor dem Beginn der geplanten Untersuchung zum angeblichen Giftgasangriff im Bürgerkrieg in Syrien hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schnelles Handeln angemahnt. "Jede Stunde zählt", sagte der Südkoreaner am Montag vor Journalisten in Seoul. "Wir können uns keine Verzögerungen mehr leisten." Die ganze Welt sollte wegen der Bedrohung oder des Einsatzes mit Chemiewaffen besorgt sein. "Deshalb schaut die Welt auf Syrien."

Der britische Außenminister William Hague

Der britische Außenminister William Hague hatte am Sonntag die Befürchtung geäußert, dass Beweise für einen Giftgasangriff bereits zerstört sein könnten. "Wir müssen realistisch sein, was das Ergebnis der Untersuchungen der UN-Inspekteure betrifft", sagte er dem Sender Sky News. "Natürlich können Beweise zerstört worden sein", betonte er mit Blick auf anhaltende Artillerie-Angriffe auf die betroffene Gegend östlich der Hauptstadt.

Lage in Syrien: Cameron und Merkel sind sich einig

Alle bisherigen Erkenntnisse deuteten in nur eine Richtung, sagte Hague weiter. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad besitze chemische Waffen und habe sie bereits in der Vergangenheit in geringerem Umfang genutzt.

Dieser Ansicht ist auch Kanzlerin Angela Merkel. Sie und die Regierung in Großbritannien bewerten die Lage in Syrien ähnlich. Merkel und Premierminister David Cameron hätten "wenig Zweifel", dass der mutmaßliche Giftgaseinsatz am Mittwoch "vom Regime ausgeführt" worden sei, erklärte Camerons Büro am späten Sonntag nach einem Telefonat der Politiker. Merkel und Cameron seien sich einig, dass einem solchen Angriff "eine entschlossene Reaktion der internationalen Gemeinschaft" folgen müsse.

Assad: Chemiewaffenvorwurf ist "Unsinn"

UN-Generalsekretär Ban rief erneut alle Parteien auf, den UN-Experten uneingeschränkten Zugang in das Gebiet östlich von Damaskus zu verschaffen, in dem Giftgas eingesetzt worden sein soll.

Der syrische Staatschef Baschar al-Assad hat unterdessen die Vermutung, seine Armee habe chemische Waffen eingesetzt, scharf zurückgewiesen. Entsprechende Äußerungen von westlichen Politikern seien "eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes" und "Unsinn", sagte der Präsident der Montagausgabe der russischen Zeitung "Iswestija". Zugleich warnte Assad die USA vor einem militärischen Eingreifen in Syrien. Die USA würden einen "Fehlschlag" erleiden, "genau wie in allen früheren Kriegen, die sie angefangen haben, vom Vietnamkrieg bis in die heutige Zeit", sagte er.

Niebel schließt Kampfeinsatz von Bundeswehr in Syrien aus

Die Chemiewaffeninspekteure der Vereinten Nationen sollten am Montag mit ihren Untersuchungen beginnen. Am Sonntag hatte das syrische Regime überraschend der Untersuchung zugestimmt. Bei dem Angriff am Mittwoch sollen nach Behauptung der Rebellen mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen sein. Eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht. Die syrische Regierung weist den Einsatz chemischer Kampfstoffe zurück und beschuldigt stattdessen die Rebellen, Giftgas eingesetzt zu haben.

Bewahrheiten sich die Befürchtungen wird es voraussichtlich zu einem Eingreifen durch den Westen kommen. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hat in diesem Zusammenhang einen Kampfeinsatz der Bundeswehr allerdings schon vorab ausgeschlossen: "Klar ist, die Bundeswehr wird sich in dieser Region nicht an Kampfhandlungen beteiligen", sagte Niebel der "Bild"-Zeitung vom Montag. Vielmehr müsse der Zivilbevölkerung geholfen werden. "Es gibt mehr als 100.000 Tote, zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht, denen müssen wir helfen, auch hier in Deutschland", sagte Niebel.

dpa/AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentar zu Seehofer: Vielleicht kriegt’s ja keiner mit!
Horst Seehofer hat die Kehrtwende vollzogen. Plötzlich rückt der CSU-Chef im Wahlkampf von seiner erst propagierten Obergrenze für Flüchtlinge ab. Doch was steckt …
Kommentar zu Seehofer: Vielleicht kriegt’s ja keiner mit!
Ministerin Zypries fordert Abschaffung der Luftverkehrssteuer
Als Reaktion auf die Pleite von Air Berlin hat Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) eine Abschaffung der Luftverkehrssteuer gefordert, um den …
Ministerin Zypries fordert Abschaffung der Luftverkehrssteuer
Ermittler auf der Spur eines Terrorverdächtigen
Während Barcelona um die Anschlagsopfer trauert, sucht die Polizei noch immer nach den Schlüsselfiguren des Terrors. Sind sie möglicherweise schon tot? Es soll eine neue …
Ermittler auf der Spur eines Terrorverdächtigen
Seehofer und das O-Wort - Wahlkampfversprechen oder Luftnummer?
2016 hatte sich Horst Seehofer festgelegt. Es werde keinen Koalitionsvertrag ohne Obergrenze für Flüchtlinge geben. Doch je näher die Bundestagswahl rückt, desto …
Seehofer und das O-Wort - Wahlkampfversprechen oder Luftnummer?

Kommentare