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Russland hat die Evakuierung für beendet erklärt, obwohl noch immer zahlreiche Menschen in der Stadt festsitzen. 

Putin will neue Syrien-Gespräche

Russische Armee erklärt Evakuierung in Aleppo für beendet

Aleppo - Die Evakuierungen aus der syrischen Metropole Aleppo sind nach Angaben der Sicherheitskräfte vorübergehend ausgesetzt worden. Währenddessen wollen Putin und Erdogan neue Gespräche.

Update vom 16. Dezember 2016, 12:50 Uhr: Die russische Armee hat die Evakuierung von Rebellen und ihren Angehörigen in der syrischen Metropole Aleppo für beendet erklärt - doch dauern die Kämpfe mit dort verbliebenen Aufständischen noch an.

Mehr als 4500 Kämpfer und 337 Verwundete seien aus der Stadt gebracht worden, sagte ein Behördensprecher am Freitag in Moskau. Insgesamt seien bei dem Einsatz mehr als 9500 Zivilisten abtransportiert worden.

Wie das russische Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte, setzen Einheiten der syrischen Regierungstruppen die Kämpfe zur Rückeroberung der Stadt weiter fort. In einigen Stadtvierteln hielten sich noch "radikale" Kämpfer der Rebellen verschanzt.

Am Freitagmorgen wurden die Evakuierung unterbrochen

Ein Vertreter der syrischen Sicherheitskräfte sagte der Nachrichtenagentur AFP am Freitagmorgen zur Begründung, die bewaffneten Aufständischen hielten "die Bedingungen der Vereinbarung nicht ein". Der Einsatz sei daher abgebrochen worden.

Auch die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus Kreisen von Hilfsorganisationen, dass die Evakuierungen abgebrochen worden sei. Ebenso die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, sie berichtete am Freitag, der Transport von Kämpfern und Zivilisten aus Ost-Aleppo sei gestoppt worden. In der Region seien mehrere Explosionen zu hören gewesen. Die Ursache dafür war zunächst unklar. Der regimenahe Sender Al-Mayadeen berichtete, Rebellen hätten das Feuer eröffnet.

Aktivisten hatten zuvor berichtet, dass die Evakuierung nur schleppend vorankommt. Augenzeugen erklärten, Tausende warteten bei winterlichen Temperaturen auf Busse, die sie aus der Stadt bringen sollen. „Das Problem ist, dass nicht viele Busse kommen“, sagte Ibrahim al-Hadsch von der Rettungsorganisation Weißhelme.

Syriens Regierung und Regimegegner geben sich gegenseitig die Schuld für den Stopp der Evakuierung von Ost-Aleppo. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Freitag, „bewaffnete terroristische Gruppen“ hätten auf Busse und Autos geschossen. Das oppositionelle Lokale Koordinierungskomitee erklärte hingegen, regimetreue Milizen hätten das Feuer eröffnet.

„Die Menschen sind alle erschöpft“

Die Evakuierung hatte am Donnerstag begonnen. Ein Abkommen zwischen Regierung und Rebellen sieht vor, dass Kämpfer und Zivilisten die Stadt verlassen und in andere Gebiete unter Kontrolle der Opposition gebracht werden. Ein erster Anlauf zur Umsetzung war am Mittwoch gescheitert, weil neue Kämpfe ausgebrochen waren.

In Ost-Aleppo warten noch Zehntausende auf den Transport. Frankreichs Präsident François Hollande erklärte, es seien noch 50.000 Menschen eingeschlossen. Hilfsorganisationen rechnen sogar mit rund 70.000 Menschen, die aus der Stadt gebracht werden müssen. Wegen einer monatelangen Blockade durch das Regime ist die humanitäre Lage dort katastrophal.

Bilder aus Ost-Aleppo zeigten volle Straßen, in denen Einwohner neben Trümmern mit Koffern auf den Transport warteten. „Die Menschen sind alle erschöpft“, berichtete ein Aktivist mit dem Namen Abdulkafi. „Und sie haben Angst, dass die Waffenruhe wieder scheitern könnte.“

In den vergangenen Tagen hatte die syrische Armee mit Hilfe von Verbündeten fast ganz Ost-Aleppo zurückerobert. Der syrische Staatschef Baschar al-Assad verkündete am Donnerstag die "Befreiung" von Aleppo.

Russland und Türkei wollen neue Syrien-Gespräche

Währenddessen setzt der russische Präsident Wladimir Putin auf ein neues Format von Syrien-Gesprächen mit der Türkei als Schutzmacht der Opposition. Russland versuche, die syrische Regierung dafür zu gewinnen, die Türkei wiederum spreche mit den Gegnern von Präsident Baschar al-Assad. Das habe er mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan vereinbart, sagte Putin am Freitag bei einem Besuch in Tokio.

Die Treffen könnten in Kasachstan stattfinden. „Diese Plattform soll nicht mit der in Genf konkurrieren, sondern die Genfer Gespräche ergänzen“, sagte Putin russischen Agenturen zufolge. Die Friedensverhandlungen in der Schweiz unter Ägide der UN stecken seit Monaten fest.

Die friedlichen Bürger sollen bald wieder ein normales Leben führen können

„Ich gehe davon aus, dass die syrische Armee sich nach den zweifellos erfolgreichen Kämpfen in Aleppo festsetzen kann und die friedlichen Bürger wieder ein normales Leben führen können“, sagte der Kremlchef.

Die Rückeroberung der Oasenstadt Palmyra durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) führte er auf mangelnde Koordination zwischen der US-geführten Koalition, den Syrern und Russland zurück. Der Verlust von Palmyra sei aber eher symbolisch, sagte Putin: „Was die militärisch-politische Bedeutung angeht, ist Aleppo, scheint mir, ein viel größeres Thema.“

Fünf Fragen und Antworten: Der Syrien-Krieg verständlich erklärt. Wenn Sie den Menschen in Syrien helfen wollen, dann gibt es fünf Dinge, die jeder tun kann.

AFP/dpa

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