Tareq Alaows
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Tareq Alaows zieht seine Bundestagskandidatur wegen Morddrohungen zurück (Archivbild)

Tareq Alaows erhielt Morddrohungen

Seine Familie wurde mit dem Tod bedroht: Grünen-Politiker aus Syrien zieht Bundestagskandidatur zurück

  • Josef Forster
    vonJosef Forster
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Vor fünf Jahren kam Tareq Alaows aus Syrien nach Deutschland. Für die Grünen wollte er in den Bundestag einziehen, doch nach Morddrohungen gegen seine Familie zieht er seine Kandidatur zurück.

Oberhausen - Tareq Alaows kandidierte im Kreisverband Oberhausen um ein Bundestagsmandat. Der Grünen-Politiker wollte „als erste aus Syrien geflüchtete Person im Bundestag den hunderttausenden Menschen, die auf der Flucht sind und hier mit uns leben, eine politische Stimme geben“, wie er bei der Bewerbung erklärt hatte.

Alaows flüchtete vor fünf Jahren aus dem Bürgerkriegsland Syrien nach Deutschland und engagiert sich seitdem politisch. Nur wenige Monate nach seiner Ankunft machte er mit der selbstorganisierten Gruppe „Refugee Strike Bochum“ Schlagzeilen. Nun zieht er seine Kandidatur für den Bundestag wegen Morddrohungen zurück.

Grünen-Politiker Alaows zieht sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurück

Wie die dpa berichtet, habe es anonyme Morddrohungen gegen die Familie des Grünen-Politikers Alaows in Syrien gegeben. „Die hohe Bedrohungslage für mich und vor allem für mir nahe stehende Menschen ist der wichtigste Grund für die Rücknahme meiner Kandidatur“, heißt es in der Mitteilung, die der Nachrichtenagentur vorliegt. Seine Parteikollegen unterstützen seine Entscheidung und bedauern den Rückzug des 31-Jährigen. „Wir hätten uns gewünscht, weiterhin mit Herrn Alaows als unseren Bundestagskandidaten für eine humane Asyl- und Migrationspolitik streiten zu können“, heißt es in der Mitteilung.

Rassistische Erfahrungen während der Kandidatur waren „erschreckend“

Die Morddrohungen gegen die Familie des Grünen-Politikers sorgen auch auf Bundesebene für Entsetzen. „Dass es Tareq Alaows nicht möglich ist, für den Bundestag zu kandidieren, ohne seine und Sicherheit seiner Familie aufs Spiel zusetzen ist hochgradig beschämend für unsere demokratische Gesellschaft“, schrieb die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, auf Twitter. „Wir müssen uns solchen rassistischen Anfeindungen noch wirksamer entgegenstellen!“

Die rassistischen Erfahrungen, die Alaows während seiner Kandidatur erlebte, bezeichnet er als „erschreckend“. Er macht darauf aufmerksam, dass es in der Gesellschaft an diskrimierungsfreien Räumen in allen Bereichen des Lebens mangele.  „Meine Kandidatur hat gezeigt, dass wir in allen Parteien, der Politik und der Gesellschaft starke Strukturen brauchen, die strukturellem Rassismus entgegentreten und Betroffenen helfen”, so Alaows in dem Schreiben des Grünen-Ortsverbandes Oberhausen weiter. Alaows werde sich nach den Morddrohungen vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen. (jjf/dpa)

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