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Frauen mit der syrischen Flagge.

Handel vorgeschlagen

Syrien will Unterstützung im Kampf gegen IS

Damaskus - Der syrische Außenminister Walid al-Muallem hat mittlerweile eine Zusammenarbeit mit dem Westen im Kampf gegen die Terrorgruppe IS nicht mehr ausgeschlossen. Ein Kuhhandel?

Nach ihrem Vormarsch in Syrien und im Irak bekommt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) immer stärkeren Zulauf. Allein am Wochenende schlossen sich in Syrien mehr als 300 Männer anderer oppositioneller Gruppen den Extremisten an, wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag meldete. Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay warf dem IS vor, nach der Eroberung der irakischen Stadt Mossul dort rund 670 Häftlinge wegen ihres Glaubens ermordet zu haben.

Die Extremisten hatten am Sonntag einen strategisch wichtigen Militärflughafen im Nordosten Syriens eingenommen. Angesichts der IS-Erfolge reichte das Regime in Damaskus dem Westen die Hand, warnte ihn aber zugleich vor eigenmächtigen Luftschlägen.

Bereits in der vergangenen Woche hatten die Menschenrechtsbeobachter von einem enormen Zulauf für die Extremisten berichtet. Seit Juli hätten sich etwa 6300 Kämpfer den Extremisten angeschlossen, hieß es. Der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Terrormiliz habe in Syrien inzwischen rund 50 000 Kämpfer. Etwa 20 000 von ihnen kämen aus dem Ausland - vor allem aus dem arabischen Raum und aus Europa.

Syriens Außenminister Walid al-Muallem erklärte in Damaskus, seine Regierung sei im Kampf gegen den Terrorismus zur Zusammenarbeit auch mit westlichen Ländern wie den USA bereit. Angriffe in Syrien ohne Absprache mit der Regierung würden jedoch als Aggression angesehen, sagte er bei einer Pressekonferenz. Durch die militärischen Erfolge der IS-Extremisten ist der Druck auf das Regime gestiegen.

Laut Al-Muallem ist Syrien allerdings nur dann zur Zusammenarbeit mit dem Westen bereit, wenn die internationale Gemeinschaft „die Führung und Unabhängigkeit“ Syriens respektiere. Bei einer Pressekonferenz in Damaskus bejahte er ausdrücklich die Frage eines Journalisten, ob das Angebot auch für die USA und Großbritannien gelte.

Der Westen ist bisher ein scharfer Gegner von Präsident Baschar al-Assad und unterstützt gemäßigte Regimegegner. Angesichts der militärischen Erfolge der sunnitischen IS-Miliz im Irak und in Syrien hatten die USA in den vergangenen Woche Luftschläge gegen die Extremisten auch in Syrien nicht ausgeschlossen - mit diesen würde Washington allerdings das Assad-Regime unterstützen. Bislang bombardiert die US-Luftwaffen nur IS-Stellungen im Nordirak.

Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten Syriens rund ein Drittel der Fläche des Landes. Auch im Nachbarland Irak kontrolliert sie im Norden und Westen riesige Gebiete. Kämpfer und militärische Ausrüstung der Terrorgruppe können die Grenze ungehindert passieren.

Am Sonntag hatten die IS-Extremisten nach tagelangen blutigen Kämpfen den strategisch wichtigen Militärflughafen Al-Tabka im Nordosten Syriens eingenommen. Er war die letzte Bastion des Assad-Regimes in der Provinz Al-Rakka. Bei den Gefechten waren mehr als 500 Menschen umgekommen, darunter mindestens 346 Islamisten. Hunderte weitere seien verletzt worden, meldete die syrische Beobachtungsstelle. Zudem seien mehr als 170 Soldaten der Armee getötet worden.

UN-Menschenrechtskommissarin Pillay prangerte in Genf Grausamkeiten der IS-Miliz an Tausenden Andersgläubigen an und forderte eine Bestrafung der Täter. Neben Massenmorden begingen die sunnitischen Extremisten im Irak systematisch Vergewaltigungen, erklärte Pillay. Sie zwängen Menschen in die Sklaverei und zerstörten Wohngebiete.

So seien am 10. Juni rund 670 Häftlinge aus dem Badusch-Gefängnis in Mossul von der IS-Miliz ermordet worden, nur weil sie nicht der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams angehörten. „Solche kaltblütigen, systematischen und gezielten Tötungen von Zivilisten wegen ihrer Religionszugehörigkeit dürften Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen“, sagte sie. „Ich fordere die internationale Gemeinschaft auf, die Schuldigen an diesen teuflischen Verbrechen nicht straflos davonkommen zu lassen.“

Im Irak schlugen kurdische Einheiten und schiitische Milizen einen IS-Angriff auf die Stadt Tus Churmatu rund 180 Kilometer nördlich von Bagdad zurück. Dabei wurden zehn IS-Kämpfer und fünf ihrer Gegner getötet oder verletzt, wie die Nachrichtenseite Al-Mada meldete. Die irakische Armee hatte am Wochenende einen Großangriff der Extremisten auf die große Ölraffinerie Baidschi abgewehrt.

dpa

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