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Bei einem Luftangriff getötet: Der Chef der einflussreichen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam, Sahran Allusch.

Sahran Allusch

Syrischer Rebellenchef bei Luftangriff getötet

Damaskus - Der Chef der einflussreichen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam, Sahran Allusch, ist übereinstimmenden Berichten zufolge am Freitag bei einem Luftangriff getötet worden.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, der 44-Jährige sei gemeinsam mit fünf weiteren Kommandeuren bei einem Luftangriff in Ost-Ghuta nahe Damaskus getötet worden. Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad versuchen derzeit mit einer massiven Offensive, die Region wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Auch die Syrische Nationale Koalition, die führende Anti-Assadgruppe im Exil, bestätigte den Tod Alluschs. Das staatliche syrische Fernsehen meldete ebenfalls seinen Tod. Ein syrischer Sicherheitsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, die syrische Luftwaffe habe die Rebellen mit russischen Raketen angegriffen. "Dutzende Kämpfer" seien dabei getötet worden.

Allusch war Sohn eines salafistischen Predigers. Er verbrachte mindestens zwei Jahre in syrischen Gefängnissen, bevor er im Juni 2011 im Rahmen einer Generalamnestie freikam. Er schloss sich dem bewaffneten Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad an und vereinte 2013 mehrere Rebellengruppen unter dem Banner von Dschaisch al-Islam (Armee des Islam). Er soll die Gruppierung mit eiserner Faust zusammengehalten haben.

Wenige Stunden nach Alluschs Tod wurde Abu Himam al-Buwaidani laut syrischer Beobachtungsstelle zu seinem Nachfolger ernannt. Die Familie des 40-Jährigen unterhält enge Verbindungen zu den Muslimbrüdern.

Die von Saudi-Arabien unterstützte Gruppierung bekämpft sowohl das syrische Regime wie auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Sie ist hauptsächlich im Gebiet um die syrische Hauptstadt Damaskus aktiv. Dschaisch al-Islam soll sich zunächst für Syrien als islamischen Staat eingesetzt haben, dieses Ziel inzwischen aber nicht mehr verfolgen. Immer wieder werden ihr schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Die Gruppierung gehörte zu den Oppositionsgruppen, die kürzlich in Riad an einer Konferenz teilnahmen, um neue Friedensgespräche vorzubereiten. Im Januar sollen unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen Gespräche zwischen Regierung und Opposition über einen politischen Übergang beginnen.

Der Experte Aron Lund glaubt jedoch, Alluschs Tod könnte nicht nur seine Bewegung schwächen, sondern sich auch negativ auf die Friedensgespräche auswirken: "Extremisten wie Allusch müssen an den Verhandlungen beteiligt werden, nur so sind sie glaubwürdig", sagte Lund.

Der Schlag gegen die Rebellengruppe erfolgte nur einen Tag vor der Umsetzung eines bislang einzigartigen Abkommens zwischen Regierung und den Vertretern von drei belagerten Vierteln in Damaskus. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen dürfen rund 4000 Menschen am Samstag das Palästinenserlager Jarmuk und die benachbarten Viertel Kadam und Hadschar al-Aswad verlassen. Unter ihnen sind neben Zivilisten auch 2000 Islamisten, die meisten davon IS-Kämpfer, aber auch Mitglieder des Al-Kaida-Ablegers Al-Nusra-Front.

Vier ähnliche Anläufe zur Evakuierung der belagerten Viertel sind den Angaben zufolge bereits gescheitert. Vor allem in Jarmuk ist die Versorgungslage katastrophal. Das Palästinenserlager wird seit Mitte 2013 von der syrischen Armee belagert. Anfang April übernahmen IS- und Al-Nusra-Kämpfer große Teile des Viertels und lieferten sich heftige Kämpfe mit palästinensischen Milizen, die den Rest kontrollieren. Von den einst 160.000 Einwohnern Jarmuks sollen inzwischen nur noch knapp 7000 palästinensische und syrische Zivilisten dort leben.

AFP

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