Umstrittene Maßnahme

Tafel-Aufnahmestopp für Migranten - Bundesregierung meldet sich zu Wort

Eine Essener Tafel nimmt nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu auf. Nun meldet sich die Bundesregierung zu Wort und plädiert an die Tafel.

Berlin - Nach dem umstrittenen Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel hat die Bundesregierung Mitmenschlichkeit angemahnt. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer wollte am Freitag nicht auf den konkreten Fall eingehen. Allgemein erinnerte sie aber daran, "dass Deutschland ein Land der Mitmenschlichkeit ist und in diesem Land jedem, der bedürftig ist, geholfen werden sollte".

Ein Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales machte deutlich, dass die Bekämpfung von Armut und die Sicherung des Existenzminimums grundsätzlich die Aufgabe des Staates sei. "Die Tafeln stellen lediglich ein ergänzendes Angebot dar", sagte er.

Essener Tafel nimmt nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu auf

Die Praxis der Essener Tafel, nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu aufzunehmen, sorgt derzeit für Kritik. Aufgrund des Flüchtlingszuzugs sei der "Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen", begründete die Tafel ihre bereits im Dezember getroffene Entscheidung. Der Vorsitzende der Tafel in Essen, Jörg Sartor, beklagte, dass Zuwanderer zunehmend ältere Frauen und alleinstehende Mütter verdrängt hätten.

Deutschlandweit gibt es rund 930 Tafeln. Sie verteilen Lebensmittel, die beispielsweise Supermärkte gespendet haben. Wer Kunde bei einer Tafel werden will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, etwa über einen Hartz-IV-Bescheid.

afp

Rubriklistenbild: © dpa/Roland Weihrauch

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