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Versuch einer Annäherung: Ursula von der Leyen in der Kaserne in Augustdorf.

„Tag der Bundeswehr“

„Tag der Bundeswehr“: Heikler Termin in Rommel-Kaserne

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Es ist der Tag der warmen Worte. Für einen Tag öffnet die Bundeswehr ihre Pforten, die Politik nutzt die Auftritte in den Kasernen, um die Truppe zu loben. Im Mittelpunkt steht Verteidigungsministerin von der Leyen – in der Rommel-Kaserne.

Berlin/München – Der Blick in ihre Pressemappe war für die Verteidigungsministerin wohl noch nie so unerfreulich wie in diesen Tagen. Vom „Zerstörer Ursula“ berichten die Schlagzeilen, vom „Leyen-Spiel“, der „Skandal-Woche der Ministerin“. In der Tat: Ursula von der Leyen (CDU) ist nach dem Ärger um angeblich aufgebauschte Missbrauchsfälle, um reale Extremismus-Vorgänge, nach ihrer Pauschalkritik an Führungsversagen und nach der unerquicklichen Debatte um das Traditionsverständnis in der Defensive. Das überschattet auch den „Tag der Bundeswehr“, sonst ein Wohlfühl-Auftritt für Ressortchefs.

In der Kaserne in Augustdorf in Nordrhein-Westfalen bemüht sich die Ministerin, die Querelen weitgehend auszublenden. Sie weicht auf ein einfacheres Feld aus: mehr Geld für die Ausrüstung zu verlangen. „Warme Worte reichen nicht“, sagt sie. Die Soldaten brauchten „auch in den nächsten Jahren mehr und nachhaltige Finanzierung und die Unterstützung der Gesellschaft“. Die Truppe wachse nach 25 Jahren der Kürzungen seit zwei Jahren endlich wieder. Für Auslandseinsätze etwa im Kampf gegen den Terrorismus werde dringend mehr und modernes Material gebraucht. In den Beständen seien noch Funkgeräte und Fregatten aus den 80er-Jahren oder Fahrzeuge aus 70ern.

Es hakt beim Personal

Was sie nicht sagt: Es hakt auch beim Personal. Nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“ droht zum Beispiel ein Mangel an Piloten, die den Kampfhubschrauber Tiger bei Auslandseinsätzen fliegen können. Derzeit hätten nur 18 Piloten die Voraussetzungen.

Die Polit-Debatte um die Ministerin geht ohnehin in aller Schärfe weiter. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann nennt sie in der „Bild“-Zeitung die „schlechteste Verteidigungsministerin seit der deutschen Einheit“. CSU-Bundestagsabgeordnete bezeichnen die Unionspolitikerin zumindest als „arg dünnhäutig“. Hintergrund ist das juristische Vorgehen gegen Kritiker aus der Bundeswehr. Und die Kanzlerin sieht sich zu einer verhaltenen Solidaritätsadresse veranlasst. „Natürlich gab es in letzter Zeit Vorfälle, die auch kritikwürdig waren“, sagt Angela Merkel in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Von der Leyen habe darauf aufmerksam gemacht, dass die Dinge geklärt werden müssten und das Prinzip der Inneren Führung überall durchzusetzen sei. Merkel unterstreicht zugleich: „Die übergroße Mehrzahl der Soldatinnen und Soldaten leistet einen unschätzbaren Dienst für unser Land.“

„Rommel-Kaserne ist so bewusst benannt worden“

Auch die Wehrmachtsdebatte um das Traditionsverständnis der Bundeswehr begleitet den Auftritt der Ministerin. Das liegt nicht zuletzt am Ort: Die Kaserne ist nach Generalfeldmarschall Rommel benannt. Das will von der Leyen allerdings nicht ändern. „Die Rommel-Kaserne ist so bewusst benannt worden an einem Jahrestag des Widerstands. Das zeigt, dass Rommel seine Rolle im Widerstand auch gehabt hat“, sagt sie. Die Soldaten und die Gemeinde hätten angesichts der Geschichte beschlossen, die Kaserne weiter Rommel-Kaserne zu nennen.

Generalfeldmarschall Erwin Rommel (1891-1944) hat sich im Zweiten Weltkrieg mit seinem Einsatz in Afrika einen Namen als „Wüstenfuchs“ gemacht. Er wurde damit zu einem wichtigen Bestandteil der NS-Kriegspropaganda. Seine Rolle im militärischen Widerstand ist umstritten: Er war nicht am Attentatsversuch auf Hitler beteiligt, sympathisierte aber mit der Bewegung und wurde von den Nazis in den Suizid getrieben. Von der Leyen hatte sich dafür ausgesprochen, Kasernen mit Namen von Wehrmachtsoffizieren gegebenenfalls umzubenennen.

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