+
„Tagesthemen“ zu Özil: Kabarettist bringt Zamperoni mit Gegenfrage ins Stolpern.

„Sie sind doch Italiener, oder?“

„Tagesthemen“ zu Özil: Kabarettist bringt Zamperoni mit Gegenfrage ins Stolpern

  • schließen

Mesut Özils Rücktritt beschäftigte am Montag auch die „Tagesthemen“. Ingo Zamperoni sprach mit dem türkischstämmigen Kabarettisten Serdar Somuncu. Dabei gab es einen bizarren Moment.

Update vom 16. Oktober 2018: Das Landtagswahl-Ergebnis in Bayern beeinflusst auch die Bundespolitik. Ein Tagesschau-Kommentator fordert Konsequenzen und zieht einen drastischen Vergleich.

Update vom 29.08.2018: Nach den Ausschreitungen von Chemnitz steht die Polizei in der Kritik. Trotz Informationen des Verfassungsschutzes hatte sie das Gefahrenpotential der Großdemonstration laut eigener Aussage total unterschätzt. Nun haben sich die Tagesthemen mit einem eindringlichen Appell zu Wort gemeldet.

Zamperoni und Somuncu sprechen über Özil

Mesut Özil hat mit seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft eine hitzige Diskussion entfacht. Es geht um Rassismus, Integration und Identifikation. Auch die „Tagesthemen“ befassten sich am Montagabend damit, dass ein deutscher Nationalspieler zurücktritt, weil er sich diskriminiert fühlt. Moderator Ingo Zamperoni führte unter anderem ein Interview mit dem deutsch-türkischen Kabarettisten und Autor Serdar Somuncu, bekannt unter anderem aus der „heute show“. Somuncu ist in Istanbul geboren und im Rheinland aufgewachsen. 

Lesen Sie auch:  „Inbegriff der Migranten, der nicht reinpasst“: Internationale Pressestimmen zu Özil

Zamperoni wollte von Somuncu unter anderem wissen, ob er rassistische Erfahrungen erlebe, wie Mesut Özil sie beklagt. „Ich habe die Erfahrungen, die jetzt geschildert werden, lange Jahre nicht gemacht und mache sie jetzt in den letzten Jahren häufiger“, entgegnete der Deutschtürke. Das habe mit dem Internet zu tun, das die „Meinungsvielfalt“ fördere. Einerseits sei das gut, andererseits werde es auch immer „extremer und unmittelbarer“. 

„Gerade innerhalb der AfD freuen sich gerade viele“

Dennoch sollte man mit Rassismus-Vorwürfen vorsichtig sein, findet Somuncu, „weil man damit den Ball oft den Falschen zuspielt.“ Innerhalb der AfD, aber auch innerhalb der türkischen AKP, freuen sich gerade viele, glaubt Somuncu. Nämlich darüber, „dass diese Debatte jetzt wieder auf einem oberflächlichem Niveau geführt wird.“ 

Lesen Sie auch: Nach Rücktritt: Özil zeigt sein neues Hobby, das viele teilen - und wirkt dabei immer wieder gereizt

Mesut Özils Rundumschlag auf Twitter verstehe er deshalb „bedingt“, sagte Somuncu. Der Fußballer vermische Sportliches, Politisches und Persönliches zu sehr, auch mehr Selbstkritik hätte ihm gut gestanden. Gleichzeitig sei Özils Kritik am DFB und dessen Vorsitzenden Reinhard Grindel berechtigt: „Sie haben sich sehr illoyal verhalten.“ Er könne auch nachvollziehen, dass „jemand, der mit dieser binationalen Existenz umgehen muss, Entscheidungsschwierigkeiten hat und sich mal hierhin, mal dorthin hingezogen fühlt.“ Doch gerade wenn man als Teil der Nationalmannschaft ein Repräsentant des Landes sei, müsse man sich bewusst sein, dass es zu Missverständnissen führen könne, „wenn man sich nicht entscheidet.“

Auch interessant: Nach Özil-Rücktritt: Zentralrat der Muslime fordert Grindels Aus

Ingo Zamperoni steht plötzlich selbst im Fokus

Zamperoni hakte nach: Oft sei es ja gerade das Problem, dass „die Anderen“ das nicht so sehen, fragte der Moderator etwas unkonkret. Somuncu wollte wissen: „Wer sind die denn die Anderen?“ Zamperoni: „Naja, Deutsche, die beispielsweise nicht sagen, dass so jemand wie Mesut Özil dazugehört.“

Somuncu konterte mit einer Gegenfrage, die den Moderator kurz aus dem Konzept brachte: „Herr Zamperoni, Sie sind doch Italiener, oder?“ fragte er lachend. „Wie ist das denn bei Ihnen?“ Nun lag es an Zamperoni, sich zu seinen Erfahrungen mit Rassismus zu äußern. Er antwortete ausweichend: „Die Frage ist, ob das nicht nochmal ein Unterschied ist zwischen italienischer Herkunft und türkischer Herkunft in dem Sinne“, so Zamperoni holpernd. „Und dann eben.... ich glaube, der Islam ist da auch ein entscheidender Faktor.“ Somuncu ließ das nicht so einfach gelten: „Gut, aber die Türkei ist ja ein laizistischer Staat und kein islamischer Staat.“ Da werde in Deutschland „vieles sehr oberflächlich besprochen.“

Ingo Zamperoni berichtete von rassistischer E-Mail

Dass Ingo Zamperoni auch als Italienischstämmiger nicht vor rassistischen Kommentaren gefeit ist, hatte er zu Beginn der Sendung gesagt, als er die Berichterstattung zu Özil einleitete. Vor ein paar Wochen habe er eine E-Mail von einem Zuschauer erhalten, der geschrieben habe: „Wann wirft die ARD endlich den Eindringling/Gastarbeiter Zamperoni raus? Er sollte dorthin gehen, wo er herkommt.“ Zamperoni ist in Wiesbaden geboren und aufgewachsen, ein Teil seiner Familie stammt aus Norditalien.

Das könnte Sie auch interessieren: Freundin von Mesut Özil: Das ist Amine Gülse

Lesen Sie auch: Der Asylticker

„Tagesthemen“-Kommentator warnt: Millionen Menschen werden nach Norden drängen

Ministerin Klöckner spricht im „heute journal“ drastische Wetter-Warnung aus

Lesen Sie auch:  Heikle Panne im “heute journal“: Bei dieser Münchnerin hat das ZDF etwas Wichtiges verschwiegen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

AfD-Politikerin Weidel wegen Parteispenden in Bedrängnis
Rund 130.000 Euro in kleinen Teilen, bestimmt für Alice Weidel, kurz vor der Bundestagswahl 2017: Die AfD gerät wegen einer Großspende aus der Schweiz heftig unter …
AfD-Politikerin Weidel wegen Parteispenden in Bedrängnis
„Das kann nicht gut gehen“ - Seehofers Kampf ums letzte Amt 
Horst Seehofer wollte seinen Abgang selbst bestimmen. Das misslingt – erst beim Parteivorsitz, jetzt auch als Innenminister. Dem politischen Alphatier kommt auf den …
„Das kann nicht gut gehen“ - Seehofers Kampf ums letzte Amt 
Raketenangriffe auf Israel, Luftschläge gegen Hamas-Ziele
An der Grenze zum Gazastreifen kommt es seit März zu gewaltsamen Protesten. Zuletzt hatte sich die Lage dank Vermittlung Ägyptens stabilisiert. Doch ein Zwischenfall …
Raketenangriffe auf Israel, Luftschläge gegen Hamas-Ziele
Bericht über riesige illegale Summe an AfD: War der Spender doch ein anderer?
2017 zog die AfD mit satten 12,6 Prozent in den Bundestag ein und wurde drittstärkste Kraft. Doch auf den Erfolg könnte sich nun ein Schatten legen. Eine Großspende aus …
Bericht über riesige illegale Summe an AfD: War der Spender doch ein anderer?

Kommentare