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Taliban: Wer sind die Anführer der radikal-islamischen Miliz?

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Taliban-Kämpfer sitzen in einem Raum des Präsidentenpalastes.
Die Taliban haben in Afghanistan die Macht übernommen. Doch wer sind die Machthaber der Taliban? © Zabi Karimi/ dpa

Innerhalb weniger Wochen haben die Taliban ganz Afghanistan erobert. Vier Männer beherrschen nun nicht mehr nur die Taliban, sondern auch das Land.

Kabul - Seit Sonntag haben die radikal-islamischen Taliban die Macht in Afghanistan übernommen. In öffentlichen Auftritten sind sie häufig als Gruppe zu sehen. Nach Berichten der Nachrichtenagentur AFP geht der UN-Sicherheit von insgesamt 55.000 bis 85.000 Islamisten aus. Sie werden von vier Männern geführt, denen nun auch Afghanistan unterliegt. (Alle aktuellen Nachrichten rund um die Entwicklungen in Afghanistan gibt es in unserem brandneuen, täglichen Afghanistan-Newsletter.)

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, war der Bauernsohn Mullah Omar lange Zeit der erste geistliche, politische und militärische Führer der Taliban. Omar war seit 1996 der Anführer der Islamisten und soll alles Westliche verachtet haben. 2013 soll er an einer Krankheit gestorben sein. Mit seinem Tod wurden auch die Führungspositionen der Taliban unübersichtlicher.

Anführer der Taliban: Vier Männer beherrschen Afghanistan

Hibatullah Achundsada war ein enger Vertrauter Omars und ist der oberste Kopf der Gruppierung. Zuvor war er Scharia Richter und Prediger der Taliban. Achundsada wird von Experten die Aufgabe zugeschrieben, die zersplitterte Miliz nach dem Tod Omars wieder zu vereinen. Seine Ernennung zum obersten Taliban-Führer sei nach Berichten der AFP vor allem als Zeichen einer ideologischen Führungskraft und weniger als militärischer Kommandeur zu sehen. Wie sein Vorgänger pflegt auch Achundsada ein enges Verhältnis zur Al Qaida.

Der Fürher der islamistischen Taliban, Haibatullah Achundsada, posiert für ein Porträt.
Haibatullah Achundsada ist einer der Anführer der islamistischen Taliban. (Archivbild) © Afghan Islamic Press/dpa

Achundsada teilt sich seine Macht mir drei Stellvertretern. Taliban-Gründer Mullah Omars Sohn Mullah Jakub ist seit 2020 Chef der einflussreichen Militärkommission der Taliban. Er steuert das Netzwerk an Milizen-Kommandeuren und ist zusammen mit Siradschuddin Haqqani für das Militärische verantwortlich. Haqqani ist ein afghanischer Warlord und Anführer des Hakkani-Netzwerks innerhalb der Miliz, das für den Einsatz von Selbstmordattentätern bekannt ist. Das Hakkani-Netzwerk wird von den USA als Terrororganisation eingestuft und für einige der größten Anschläge in Kabul verantwortlich gemacht.

Der vierte im Bunde ist Mullah Abdul Ghani Baradar. Er stellt das politische Gesicht der Taliban dar und zeigt sich als einziger der Anführer in der Öffentlichkeit. Wie die AFP berichtet, soll er bereits Ende der 1970er Jahre gemeinsam mit Mullah Omar gekämpft haben. In Katar übernimmt er das politische Büro der Taliban, für das er 2020 mit Ex-Präsident Donald Trump das Abkommen von Doha unterzeichnete.

Taliban-Anführer Mullah Abdul Ghani Baradar spricht bei der Unterzeichnung des Doha-Abkommens.
Mullah Abdul Ghani Baradar ist Co-Gründer und das politische Gesicht der Taliban. (Archivbild) © Karim Jaafar/ AFP

Taliban-Miliz entwickelt moderne Strukturen

Unter dem Führungsquartett stehen mehrere Gremien, darunter die sogenannte „Quetta Schura“, die in der westpakistanischen Großstadt Quetta als Exilregierung der Taliban auftritt. Außerdem besitzen die Taliban einen Militärrat, in dem mächtige Feldkommandeure sitzen, und ein politisches Zentrum. Diese „Politiker“ waren 2020 auch an den Verhandlungen mit Donald Trump beteiligt.

In den vergangenen dreißig Jahren haben die Taliban nach Informationen der Süddeutschen Zeitung auch politische Strukturen eingeführt. Parallel zum militärisch-politischen Machtblock gibt es ein Schattenkabinett, in dem Bereiche wie Wirtschaft, Justiz, Gesundheit oder religiöse Angelegenheiten in Vorformen von Ministerien behandelt werden.

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