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Zwangsheirat und Schulverbot: Taliban nehmen Frauen in Afghanistan offenbar bereits Rechte

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Die Lage in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban ist angespannt. Vor allem Frauen und Mädchen fürchten um ihr Leben und ihre Rechte.

Kabul - Die Taliban haben die Macht in der afghanischen Hauptstadt Kabul übernommen. Aus Angst um ihr Leben fliehen viele Menschen aus dem Land. Besonders Frauen und Mädchen müssen um ihre Rechte fürchten - und manche sogar um ihr Leben. Ein islamischer Staat nach den Vorstellungen der Taliban würde für die Frauen im Land einen enormen Rückschritt bedeuten.

In den vergangenen zwanzig Jahren hatten sich die Rechte der Frauen in Afghanistan stark verbessert. Wie die Deutsche Welle berichtet, durften Frauen unter der Herrschaft der Taliban in den 1990er Jahren das Haus nicht ohne Burka und männliche Begleitung verlassen. Mädchen durften nicht zur Schule gehen, Frauen war es nicht erlaubt zu arbeiten. Frauenrechtler befürchten, dass das Land nun wieder zu diesen Regeln zurückkehren könnte.

Taliban in Afghanistan: Wie ist die Lage der Frauen in Kabul?

Erste Anzeichen dafür gibt es bereits jetzt. Wie CNN-Reporterin Clarissa Ward aus Kabul berichtet, löste ihre Anwesenheit bei einigen Taliban-Anhängern Spannungen aus - ihr wurde nahegelegt, zur Seite zu treten, weil sie eine Frau sei. Nach Angaben der Journalistin hielten sich wesentlich weniger Frauen auf den Straßen Kabuls auf als üblich. Die wenigen Frauen, sie sich aus dem Haus trauten, seien außerdem konservativer angezogen als noch vor einigen Tagen.

Gleichzeitig versicherte ein Kommandant der Taliban der Journalistin, dass Frauen und Mädchen ihr Leben wie bisher weiterleben könnten. „Frauen können weiterhin zur Schule gehen und ihre Ausbildung abschließen, aber in islamischer Burka“, sagt der Kommandant.

Nach Berichten der Associated Press hat Enamullah Samangani, Mitglied der Kulturkommission der Taliban, die afghanischen Frauen dazu aufgerufen, die Regierung der Taliban zu unterstützen. „Das islamische Emirat will Frauen nicht als seine Opfer“, erklärte er. „Sie sollten nach dem Gesetz der Scharia Teil der Regierung sein.“ Zu den Details dieser Regelung blieb Samangani vage.

Arbeiter in einem Schönheitssalon entfernen  in Kabul große Fotos von Frauen von der Wand, nachdem die Taliban in die afghanische Hauptstadt eingedrungen sind.
Nachdem die Taliban in Kabul eingedrungen sind, entfernen Arbeiter Bilder von Frauen in der Stadt. © dpa

Frauen in Afghanistan berichten von Heiratszwang und Arbeitsverbot

Mehrere afghanische Frauen berichteten der Deutschen Welle in Kabul, dass sie aus ihren Provinzen vor den Taliban geflohen sind. „Ich will studieren, aber die Taliban haben uns nicht erlaubt zur Schule zu gehen“, sagte eine Jugendliche der DW. Eine weitere Frau erzählte davon, wie die Taliban in die Moscheen kamen und verkündeten, dass ihre Kämpfer Witwen und junge Frauen heiraten würden. Viele Frauen mussten auch ihren Arbeitsplatz an männliche Verwandte abtreten.

Beobachter warnen, dass die Taliban ihre radikal-islamistischen Vorstellungen spätestens dann durchsetzen , wenn sich die internationale Aufmerksamkeit für Afghanistan abschwächt. Besonders Frauenrechtsaktivistinnen seien gefährdet, sagt die deutsche Frauenrechtlerin Monika Hauser im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Momentan sei es aber noch schwierig, die Frauen aus dem Land zu retten, weil viele ohne militärischen Schutz das Haus nicht verlassen könnten.

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