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Taliban-Mord an Volleyball-Spielerin ist offenbar Falschmeldung – und bringt ihre Familie in Gefahr

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Von: Lara Listl

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Taliban-Kämpfer halten Wache vor einer Polizeistation in Kabul.
In Afghanistan nimmt der Terror kein Ende. Hier halten Taliban-Kämpfer Wache vor einer Polizeistation in Kabul. © Oliver Weiken/dpa/Archiv

Die Meldung verbreitete sich rasant: Taliban-Kämpfer sollen eine Frau aus der Juniorinnen-Volleyballnationalmannschaft enthauptet haben. Eine Falschmeldung.

Update vom 5. November, 10.30 Uhr: Bei der Nachricht über eine von den Taliban ermordete Jugend-Nationalspielerin soll es sich offenbar um eine Falschmeldung handeln. Wie Medienplattformen, unter anderem auch Merkur.de, berichteten, wurde den Taliban vorgeworfen, die junge Frau enthauptet zu haben. Deren Trainer soll die Meldung unter anderem gegenüber der Tribune India bestätigt haben (siehe Erstmeldung). Doch daran gibt es nun berechtigte Zweifel.

Die afghanische Frauenmedienorganisation Rukhshana Media begann zu recherchieren. Deren veröffentlichte Recherchen werfen ein völlig neues Licht auf den Fall. Demnach soll Mahjabin Hakimi bereits vor der Machtübernahme der Taliban zu Tode gekommen sein. „Laut lokalen Nachrichten unter Berufung auf den Trainer des Volleyballteams der Stadt Kabul haben die Taliban die junge Frau enthauptet – obwohl Mahjabin am 6. August starb, neun Tage vor der Übernahme Kabuls durch die Taliban“, heißt es in dem Artikel. „Ein Verwandter von Mahjabins Verlobter sagte, sie habe sich erhängt. Aber die Hakimis vermuten, dass sie lügen: Ihre Verlobte Majeed wurde sofort von der Polizei festgenommen, als ihre Leiche entdeckt, aber später freigelassen wurde“, ist dort weiter zu lesen. Aufgrund der Machtübernahme der Taliban seien die Ermittlungen zu einem abrupten Ende gekommen.

Die Journalistin hat eigenen Angaben zufolge mit den Eltern der Toten gesprochen. „Ich möchte wissen, was mit meiner Tochter passiert ist. Selbst wenn es Selbstmord war, möchte ich den Grund wissen“, zitiert Rukhshana Sarwar Hakimi, den Vater. Für die Familie selbst sei die falsche Berichterstattung über die Tochter zu einer Bedrohung geworden. „Für Mahjabins Eltern bedeutet der Tod ihrer Tochter und das anschließende Mysterium, dass sie nun um ihr Leben fürchten. ‚Wir fühlten uns bereits wegen Mahjabins Arbeit mit den afghanischen Spezialeinheiten von den Taliban bedroht‘, sagte Sarwar. ‚Aber die Lüge, über die in den Medien berichtet wurde, dass die Taliban sie enthauptet haben, bringt uns noch mehr in Gefahr.‘“, steht in dem Artikel.

Erstmeldung vom 21. Oktober, 14.15 Uhr:

Kabul - Mahjabin Hakimi ist eine Sportlerin, die in der afghanischen Juniorinnen-Volleyballnationalmannschaft von Afghanistan spielte. Jetzt soll sie von Taliban-Kämpfern ermordet worden sein. Wie The Tribune India am heutigen Donnerstag, 21. Oktober, berichtet, habe der Trainer der Volleyballmannschaft in einem Bericht behauptet, Mahjabin Hakimi sei Anfang des Monats von den Taliban enthauptet worden.

Taliban-Kämpfer sollen die Volleyballspielerin geköpft haben - blutige Bilder in sozialen Medien

Bevor die Regierung unter Ashraf Ghani in Afghanistan zusammenbrach und die Taliban an die Macht zurückkehrten, sei Mahjabin Hakimi eine der besten Spielerinnen des Kabul Municipality Volleyball Clubs gewesen sein. Doch dann seien vor ein paar Tagen im Oktober blutige Bilder von ihrem abgetrennten Kopf in den sozialen Medien aufgetaucht.

Video: Taliban geht gegen Journalisten vor

Afghanistan: Der Trainer der Mannschaft bestätigt den Mord

Jetzt sagte der Trainer der Volleyballmannschaft in dem Interview, dass die Starspielerin Anfang Oktober von den Taliban geköpft wurde. Darüber hinaus hätten die Aufständischen auch ihre Familie bedroht und damit zum Schweigen gebracht. Deshalb habe vorerst niemand von dem Mord erfahren. Bis kürzlich die Bilder mit dem abgetrennten Kopf der Frau im Internet auftauchten.

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