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Talkgast Manuela Schwesig (r.) packte bei Anne Will harsche Vorwürfe aus.

Wilde Schuldzuweisungen

Talk bei Anne Will: Schwesig vergleicht CDU-Wahlkampf mit AfD

München - Nach einem ereignisreichen Abend wurde bei Anne Will über die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen diskutiert. Das stand zumindest auf dem Programm. Doch es kam anders. 

Eigentlich sollte es an diesem Abend bei Anne Will um die Landtagswahl in NRW gehen. Über den Rücktritt von Hannelore Kraft und den Wahlsieg von Armin Laschet wurde allerdings wenig geredet. Vielmehr standen bundespolitische Themen klar im Vordergrund. Die Vertreter der Parteien kamen dabei vom Hundertsten ins Tausendste - und lieferten sich mitunter wilde Schuldzuweisungen.. 

Die Gäste: 

  • Manuela Schwesig (SPD), Familienministerin 
  • Volker Bouffier (CDU) Ministerpräsident von Hessen
  • Wolfgang Kubicki (FDP), stellvertretender Bundesvorsitzender
  • Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen), MdB
  • Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur "Die Zeit"

Der Polizeietat in Berlin, fossile Brennstoffe, Glasfaserkabel und Bildungspolitik - alle diese Themen scheinen einigermaßen weit weg zu sein von der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Sind sie auch. Das war allerdings kein Grund für die Gäste von Anne Wills Talkrunde nicht darüber zu reden. Obwohl der Bundestagswahlkampf offiziell noch nicht gestartet ist, wollten sich die Talk-Gäste nicht mit der NRW-Wahl aufhalten. 

Manuela Schwesig versuchte ihrer angeschlagenen Partei - nach der dritten Landtagswahl-Niederlage - ein wenig Mut zu machen: „Ich glaube nicht, dass die Entscheidung heute eine Entscheidung für die Bundestagswahl ist. Bis zum 24.9. ist noch viel Zeit. Das Rennen ist völlig offen.“ 

Angriffsmodus und Scharmützel

Volker Bouffier, Wolfgang Kubicki und Jürgen Trittin waren offenbar voll im Angriffsmodus. Immer wieder verstrickten sich die beiden in themenfremde Scharmützel und versuchten sich dabei gegenseitig zu übertrumpfen. Kubicki zu Trittin: „Sie wollen mir eine Brücke bauen? Ich will ihre Brücke nicht.“ Worum ging es dabei? Trittin rechtfertigte sich für die Haltung der schleswig-holsteinischen Grünen im Rahmen der dortigen Koalitionsverhandlungen. Wieder ein Thema, das nicht zwingend mit der Wahl in Nordrhein-Westfalen zu tun hatte. Kubicki warf Schwesig vor, dass ihr Partei ein Glaubwürdigkeitsproblem habe. 

Zum Durchklicken: Die besten Bilder zur NRW-Wahl

Auch die SPD-Politikerin teilte kräftig in Richtung Union aus. Angesprochen auf die vermeintliche inhaltslosen Wahlkampf von Martin Schulz, konterte sie: „Schulz war in den vergangenen Monaten konkreter, als Angela Merkel in den letzten 12 Jahren.“ Schwesig machte der CDU schwere Vorwürfe: „Die Union hat einen Wutbürger-Wahlkampf gemacht.“ Den habe sie „abgeguckt von der AfD“. Außerdem nannte sie Kubicki, ob seines Wahlsieges, „selbstzufrieden“.

Einzig Giovanni di Lorenzo brachte ein wenig Mäßigung in die Runde. Mehrfach versuchte der Zeit-Journalist die hitzige Diskussion einzuordnen: „Du gibst den Leuten ständig die Botschaft: „Ich nehme dich nicht richtig ernst, eigentlich bist du ein Hysteriker“, sagte di Lorenzo. Das würden der Wähler abstrafen. Gemeint war in diesem Fall die geschasste rot-grüne Landesregierung in NRW. Aber: Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Glaubwürdigkeitsdebatte hätte jeder Politiker angesprochen sein können. 

Anne Will bemühte sich um Mäßigung - ohne Erfolg

Teilweise dominierten in Anne Wills Talkrunde absurde Diskussionen. Mehrfach musste die Moderatorin eingreifen und hatte vor allem Probleme, den sich in Rage redenden Trittin zu unterbrechen. Aber sie nahm es aber mit Humor: „Ich kriege morgen wieder Ärger von meiner Mutter, sie habe nichts verstanden. Und das am Muttertag,“ sagte sie.

Was bleibt von der Runde? Der Bundestagswahlkampf ist längst in vollem Gange. Nach der zerfahrenen Diskussion sieht es nicht so aus, als könnte eine der Parteien im September mit einer andere gemeinsam Politik machen. Eines steht anscheinend aber jetzt schon fest: „Wir schließen keine Zusammenarbeit, außer mit der AfD, aus. Wir führen aber auch keinen Koalitionswahlkampf“, sagte Schwesig.

Alle Infos zur Wahl in NRW finden Sie in unserem Live-Ticker.

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