Im ZDF-Talk

Virologe Streeck überrascht mit Corona-Hypothese - Lanz baff: „So noch nicht gehört“

In der Corona-Pandemie gilt Rostock als Vorzeigestadt. In einer Talksendung äußert der Oberbürgermeister jedoch Unmut. Virologe Streeck überrascht mit einer steilen Corona-Hypothese.

Hamburg - In Deutschland zeigen die Lockdown-Maßnahmen so langsam Wirkung, die Inzidenzwerte sinken. Doch nicht alle Städte, Gemeinden oder auch Bundesländer erzielen dabei die gleichen Ergebnisse.

Das war auch Thema im ZDF-Talk „Markus Lanz“ am Mittwochabend (3. Februar). Eingeladen waren unter anderen der Virologe Hendrik Streeck und Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen. Rostock gilt derzeit als Vorbild in der Pandemie, da der Inzidenzwert der Stadt dauerhaft unter 50 liegt. Auf 210.000 Einwohner:innen kommen bisher nur 16 Corona-Todesfälle. Madsen wird daher öffentlich als erfolgreicher Krisenmanager wahrgenommen.

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Hendrik Streeck bei „Markus Lanz“: Corona-Hypothese für die Zukunft

Virologe Streeck erklärt allerdings: „Wir müssen mit dem Virus lernen umzugehen.“ Diese These stützt er auf mehrere Annahmen. Er geht davon aus, dass das Coronavirus* in Deutschland heimisch werde, genauso wie auch schon vier andere Corona-Varianten seit vielen Jahren. Dann stellt er eine interessante Corona-Hypothese auf: „Wir nehmen an, dass einige Teile der Bevölkerung eine Immunität durch gegebenenfalls andere Coronavirus-Infektionen schon hatten.“

Eine Immunantwort ist eine Reaktion des Immunsystems auf Organismen oder Substanzen, die es als fremd erkannt hat. Diese Reaktion kann angeboren sein oder erworben, wie in diesem Fall. Kommt ein Erreger in das Immunsystem, erkennt der Körper den Erreger aus einer vergangenen Krankheit und reagiert mit einem passenden Antikörper, wie Schlüssel zu Schloss. Eine Erkrankung wird dadurch verhindert. Im Falle von Sars-Cov2 würde es sich dann um eine sogenannte „Kreuzreaktivität“ handeln. Dabei können an einem Antikörper zwei unterschiedliche Antigene andocken, die über eine identische oder sehr ähnliche Bindungsstelle verfügen.

ZDF: Streeck erzählt noch unbestätigte Corona-Hypothese - Lanz überrascht

Markus Lanz zeigt sich überrascht und fragt in Bezug auf die Bevölkerungs-Immunität nach: „Ist das so? Das ist ja gerade ein extrem interessanter Punkt. Das haben wir so noch nicht gehört.“ Eine unbelegte Hypothese, wie Streeck daraufhin noch einmal betont. Man wüsste es nicht genau. Er beruft sich auf Studien der Charité in Berlin. Hendrik Streeck führt weiter aus, es könnte auf diese Weise eine Grundimmunität bei Menschen geben, die bereits mit anderen, heimischen Coronaviren infiziert gewesen wären - etwa auch schon mit Coronaviren, die hierzulande bereits vor der Pandemie im Umlauf waren. Diese Immunität gegen heimische Viren könnte uns eventuell auch bei Sars-Cov2 helfen, so die unbestätigte Überlegung Streecks. Es wäre beobachtet worden, dass es eine Immunantwort in einer Gedächtniszelle gäbe, die wieder aufgerufen werden könne.

Anhand einer folgenden Grafik erklärt der Virologe dann, dass er davon ausgehe, dass sich Sars-Cov2 in die Reihe der bereits vorhandenen Viren einreihen könnte und die Infektionszahlen mit dieser Variante stets ab Oktober-November in die Höhe schießen würden. So kenne man es bereits von den anderen Varianten. Derzeit könne man annehmen, dass sich das aktuelle Coronavirus langfristig genauso verhalten wird. Man könne daher auch nicht von verschiedenen Wellen sprechen. Allerdings dauerten die Untersuchungen für valide Ergebnisse noch nicht lange genug an.

Streeck erklärt den Virusverlauf anhand zweier Grafiken.

Bestätigen kann der 43-jährige Virologe Hendrik Streeck diese Annahme aber auch deswegen nicht, weil man seit Beginn der Infektion eigentlich keine großen neuen Erkenntnisse darüber gewonnen hätte, in welchen Situationen und wo sich das Virus besonders günstig ausbreite und gehäuft auftrete. Über weitere Standpunkte von Streeck berichten auch wa.de* und fuldaerzeitung.de*.

Claus Ruhe Madsen kritisiert die Unehrlichkeit der Politik in der Corona-Pandemie

Rostocks Oberbürgermeister Madsen kritisiert in der Sendung auch Inkonsequenz und Unehrlichkeit. Generelle Ladenschließungen hält er für nicht richtig, nachdem Gewerbe Hygienekonzepte ausgearbeitet hatten. Madsen ist der Meinung: „Wir sind nicht konsequent.“ Und geht sogar noch weiter: „Wir sind super unehrlich. Wir ergreifen Maßnahmen, um zu sagen: Schaut her, wir haben was getan. Im Grunde genommen war uns schon lange klar, dass es im Bereich von privaten Feiern ein großes Problem gab. Wir haben aber nicht den Mut gehabt, den Menschen zu sagen, das müssen wir sofort unterbinden. Stattdessen haben wir ein Restaurant geschlossen.“ Und: „Wir lernen individuell, aber wir lernen nicht in der Gruppe. Das finde ich eine Katastrophe“, so Madsen. Auch eine mangelnde Digitalisierung prangert der OB der Hansestadt an, durch die Schnelligkeit verloren geht.

Dass Rostock 90 Prozent weniger Corona-Fälle habe als der Bundesdurchschnitt, erklärt sich Hansen daran, dass man schnell viel getestet und konsequent gehandelt habe. Klare Ansagen würden helfen, ist sich der Rostocker sicher. (jh) *Merkur.de, wa.de und fuldaerzeitung.de sind Teil des bundesweiten Ippen Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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