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Im Herz der Stadt: Thomas Hacker (l.) und Christian Lindner am Viktualienmarkt.

Mit Lindner und Hacker durch München

Ein gelbes Tandem mit Potenzial

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München - Sie sind die Zukunft der FDP. Christian Lindner gilt als Hoffnung der Liberalen im Bund, in Bayern wird Thomas Hacker als der kommende starke Mann gehandelt. Doch ihre Situation könnte kaum unterschiedlicher sein. Ein politischer Spaziergang durch München.

Auf der Maximiliansbrücke wird der Spitzenpolitiker zum Touristen. Christian Lindner zückt sein Handy und schießt ein paar Bilder vom Maximilianeum. Würdig thront der Landtag über München. Für Lindners Besuch birgt das eine gewisse Symbolik. „Wir schauen inzwischen bei vielen Fragen nach Bayern“, sagt der Fraktionsvorsitzende der nordrhein-westfälischen FDP. „Es macht uns Spaß, die rot-grüne Regierung von Hannelore Kraft mit schwarz-gelben Erfolgen in Bayern zu jagen. Das tut denen auch richtig weh.“

Christian Lindner in München. Es ist ein wenig ruhiger geworden um den FDP-Shootingstar. Nachdem sich die Liberalen dazu durchgerungen haben, ihren Parteichef Philipp Rösler doch nicht zu meucheln, darf sich Lindner endlich seiner Aufgabe in Düsseldorf widmen. Doch als stellvertretender Bundesvorsitzender ist er trotzdem viel unterwegs. 85 Veranstaltungen stehen in den nächsten 100 Tagen an, die Hälfte davon außerhalb seines Bundeslandes – und nicht wenige in Bayern, wo im September eine Woche vor der Bundestagswahl ein neuer Landtag gewählt wird. Für die Liberalen geht es ums nackte Überleben. Mal wieder.

Frühstück am Viktualienmarkt. München sieht heute aus wie in einem dieser Touristenkataloge. Der Himmel ist blau, die Standlfrauen bauen die Stände auf. Lindner kennt sich aus. Zur Weißwurst bestellt er Weißbier (alkoholfrei), dann spricht er erstaunlich kenntnisreich über den Fall Theresa Z., die von Polizisten misshandelt worden sein soll. Er weiß sogar schon, dass der Münchner Polizeipräsident trotzdem befördert wird. Hier sitzt einer, der über die Grenzen seines Bundeslandes hinausschaut.

Kann denn Bayern etwas von NRW lernen? Lindner blickt länger auf die Brezen und den süßen Senf. Dann schüttelt er vorsichtig den Kopf. „Von der NRW-FDP kann man einiges lernen“, sagt der Herr neben ihm. Es ist Thomas Hacker. Der 45-Jährige ist so etwas wie der bayerische Gegenpart zum elf Jahre jüngeren Lindner. Na gut, vielleicht nicht so schillernd wie der Smarte aus dem Bergischen Land. Und die Lage der FDP war in Bayern auch nie so verzweifelt wie im Bund. Aber im Landesverband gilt der Oberfranke als der kommende starke Mann, der einmal die Zeils und Leutheusser-Schnarrenbergers beerben könnte. Fraktionschef ist er ja schon. 2008 landete er gleich in seinen ersten Parlamentswochen in der ersten Reihe.

Damals, so erzählt Hacker, habe sich die überwiegend mit Parlamentsneulingen besetzte Landtagsfraktion bewusst bei anderen Landesverbänden Inspiration geholt. In Düsseldorf stieß man auf die Hochschulpolitik des damaligen Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart, der den Universitäten mehr Gestaltungsspielraum gab. Hacker gerät heute noch ins Schwärmen. Manches davon hat inzwischen auch die bayerischen Universitäten erreicht.

Hacker und Lindner. Die beiden verbindet keine Freundschaft, die Jahrzehnte zurückreicht. Inzwischen aber haben sie ein enges Verhältnis. Man trifft sich im Bundesvorstand, in dem Hacker nur Beisitzer ist, oder bei den Konferenzen der Fraktionsvorsitzenden. „Da bin ich ja sein Chef“, sagt Thomas Hacker mit breitem Grinsen. Als sie später über den Viktualienmarkt schlendern, wird aber nur Lindner von einem Passanten erkannt, der ihn mit Thomas Lindner anspricht. Ein schöner Kompromiss.

Ihre Situation könnte kaum unterschiedlicher sein: Hacker sitzt in München in der Schaltzentrale der Macht. Lindner muss in Düsseldorf zusehen, wie Rot-Grün die – seiner Meinung nach – völlig falschen Signale setzt. Während er die Isar Richtung Landtag entlangschlendert, summt sein Handy. Daheim hat die Landesregierung gerade die Eckdaten für den neuen Haushalt vorgelegt. 2,4 Milliarden Euro Neuverschuldung, nach 3,4 Milliarden in diesem Jahr. Dabei seien die Steuereinnahmen um sechs Milliarden besser ausgefallen als ursprünglich erwartet. „Der Staat kann gar nicht genug Geld haben, als dass Rot-Grün damit auskommt“, sagt er. In Bayern habe man 2,5 Milliarden getilgt. Lindner kennt sich aus.

Lindner und Hacker. Beide kann man dem Lager von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zuordnen, beide lieben sie klare Ansagen. Und als Tandem hätten sie durchaus Gewicht: Hier das größte Flächenland, dort das mit den meisten Einwohnern. Macht 22,5 der 61,8 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland. 36 Prozent. Und vorerst will Lindner auch in NRW bleiben. „Einen Wechsel nach Berlin nach der Bundestagswahl schließe ich aus“, sagt er bestimmt und spricht von einer spannenden Aufgabe. „Ich stehe bei unseren Wählern im Wort.“ Hacker hegt ohnehin keine bundespolitischen Ambitionen. Wahrscheinlicher ist, dass er nach der Wahl weiter die Fraktion leitet.

Vorausgesetzt: Die FDP sitzt überhaupt im neuen Landtag. In den Umfragen dümpelt die Partei bei 4 Prozent. In diesem Fall ist Lindner das Vorbild: Noch wenige Wochen vor der Landtagswahl kam die NRW-FDP auf magere zwei Prozent. Am Wahlabend waren es 8,6. Nicht zum ersten Mal lagen die Demoskopen bei den Liberalen daneben. Bayern wird der nächste Fall, da ist Hacker sicher: „Unser Ergebnis wird sich sehen lassen können.“

Mike Schier

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