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Tankrabatt zeigt Wirkung: Preissturz an der Zapfsäule

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Von: Martina Williams, Dominik Göttler

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Der Tankrabatt zeigt Wirkung: Am ersten Tag mit niedrigeren Steuern sinken die Spritpreise vielerorts spürbar. Allerdings sind die Benzinpreise im Vorfeld kräftig angestiegen.

München – Mittwochvormittag an der Tankstelle von Uwe Möderl in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck: Lange Autoschlagen an der Zapfsäule? Fehlanzeige. „Es ist ein bisschen mehr los als sonst“, sagt Möderl. Aber der Ansturm ist ausgeblieben. Der Liter Super kostet bei ihm am Mittwochvormittag 1,94 Euro – und damit 23 Cent weniger als am Vortag. Obwohl der Andrang überschaubar war, ist an Möderls Tankstelle am Mittwoch kurzzeitig der Diesel ausgegangen. Die Muttergesellschaft habe wohl auf den billigeren Sprit am Mittwoch gewartet. „Und die Tankwagen stehen jetzt an der Raffinerie Schlange.“

Angesichts der zuletzt wieder deutlich angestiegenen Spritpreise – laut ADAC kletterte der Benzinpreis allein in der Woche vor Inkrafttreten des Tankrabatts durchschnittlich um 6,1 Cent – blickten am Mittwoch viele Autofahrer gespannt auf die Preisanzeigen ihrer Tankstelle. Schlägt der Tankrabatt wirklich durch? Oder geben die Mineralölkonzerne die Steuererleichterung vorerst nicht an die Kunden weiter? Erste Stichproben zeigen: Die Preise an vielen Tankstellen sind gestern deutlich gesunken.

Tankrabatt: Wenige Stunden nach der Steuersenkung ein klarer Unterschied

Der Blick in die Region: An der OMV-Tankstelle in Schongau kostete der Liter Super am Dienstagmittag um 12 Uhr noch 2,09 Euro. Am Mittwoch Mittag: 1,88 Euro. An der Aral Holzkirchen sank der Preis von 2,14 auf 2,02 Euro. Esso Freising: 1,89 Euro statt 1,99 am Vortag. Agip in Gauting: Preissturz um 29 Cent auf 1,93 Euro. An der Raiffeisen-Tankstelle in Aßling sank der Super-Preis hingegen nur um 5 Cent auf 2,03 Euro. Beim Diesel fiel der Preisunterschied an den meisten Tankstellen geringer aus als beim Benzin.

Der ADAC bestätigt den ersten Eindruck aus der Region. Eine Blitzanalyse an rund 400 Tankstellen in München, Berlin und Hamburg am Mittwochmorgen ergab: Zwar haben nicht alle Tankstellen ihre Preise stark gesenkt, bei der überwiegenden Mehrheit ergab sich aber bereits wenige Stunden nach der Steuersenkung ein klarer Unterschied.

Beim Benzin sinken die Steuersätze mit dem Entlastungspaket der Bundesregierung um 29,55 Cent je Liter, bei Diesel um 14,04 Cent. In welchem Umfang die Steuersenkung beim Verbraucher landet, ist aber unklar. Während die Grünen schon den von ihnen selbst mitbeschlossenen Rabatt kritisieren (siehe Kasten), geht der Bundesverband freier Tankstellen davon aus, dass die Steuersenkung bei den Kunden ankommt. „Die Maßnahme scheint auf den ersten Blick weitestgehend weitergegeben worden zu sein“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Stephan Zieger. Herbert W. Rabl von der Interessenvertretung der Tankstellenpächter und -eigentümer hingegen glaubt, der Tankrabatt werde weitgehend verpuffen, weil die Mineralölkonzerne die Preise im Vorfeld künstlich nach oben getrieben hätten.

Tankrabatt: „Jetzt wird der Geldbeutel nicht mehr ganz so belastet“

Ein Grund, warum die Steuersenkung nicht sofort bei allen Kunden ankommt, ist, dass die gesenkte Steuer nicht beim Verkauf an der Zapfsäule, sondern ab Tanklager beziehungsweise Raffinerie anfällt. Das bedeutet, dass alle vor Mitternacht gelieferten Vorräte der Tankstellen noch mit dem höheren Steuersatz belastet sind. Dass die Mehrheit der Tankstellen dennoch bereits jetzt die Preise kräftig senkte, könnte eine Folge der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit und des damit einhergehenden Wettbewerbsdrucks sein.

Grüne kritisieren den Tankrabatt

Zum Start der Energiesteuersenkung auf Kraftstoffe haben die Grünen ein neues Instrument gegen „exzessive Gewinne“ der Ölkonzerne gefordert. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sei gewarnt worden, „dass eine Preissubvention für Benzin zu einem relevanten Anteil bei den Mineralölkonzernen landen kann“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Wenn dem Finanzminister daran gelegen ist, exzessive Gewinne abzuschöpfen, kann die Einführung einer Übergewinnsteuer sinnvoll sein“, sagte Dröge. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hingegen betonte, sowohl die Spritsteuersenkung wie das 9-Euro-Ticket kämen direkt bei den Bürgern an. „Wir entlasten damit diejenigen, die nicht aufs Auto verzichten können, und all diejenigen, die täglich Bus und Bahn nutzen“, sagte er gestern im Bundestag.

Politische und marktwirtschaftliche Debatten hin oder her: Antonio Fedenk freute sich am Mittwoch über einen Spritpreis von knapp 1,97 in Garching. Der 20-jährige Azubi gibt im Monat zwischen 250 und 300 Euro für Benzin aus. „Jetzt wird der Geldbeutel nicht mehr ganz so belastet“, sagt er. Auch Melanie Lanzl aus Geretsried machte am Mittwoch ihren Tank in Königsdorf voll – obwohl sie sonst eigentlich erst zur Tankstelle kommt, wenn sie schon auf Reserve fährt. Der Preis von 1,90 Euro pro Liter war zu verlockend. dg/kr/tog/mw/tal/dpa

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