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Markus Ferber stimmte letztlich für die eigene Ablösung.

Abgang von Markus Ferber

CSU-Europagruppe: Teamorientierter Umsturz

München - Der Abgang von Markus Ferber als Chef der CSU-Europagruppe wurde lange geplant - ohne ihn.

Markus Ferber ahnte Schlimmes. Wer ihm am Sonntagnachmittag noch höflich einen schönen Abend wünschte, erhielt als Antwort ein „Sie sind ja lustig“. Zurecht – sein Abend wurde sogar sehr unschön. In einer Sitzung schickten ihn die vier verbliebenen Kollegen der künftigen CSU-Europagruppe erst wie einen Schulbuben vor die Türe, stürzten ihn dann und holten ihn wieder rein, um – bitteschön einstimmig – seine Nachfolgerin mitzuwählen.

Ferber, der CSU-Spitzenkandidat für die Europawahl, ist somit das personelle Opfer der Partei nach dem 40-Prozent-Desaster von vor einer Woche. Ihn als Chef der Europagruppe abzulösen, hat aber nur vordergründig mit dem Ergebnis zu tun. Laut Darstellung mehrerer Beteiligter arbeiteten die Kollegen in Brüssel seit mindestens einem, eher zwei Jahren an Ferbers Sturz. Er rede zu wenig in der Gruppe, sei zu sehr Einzelgänger, wird ihm vorgeworfen. „Der Sturz war nicht fest verabredet, aber es hat sich abgezeichnet“, heißt es aus der Runde, zu deren engstem Kreis die Abgeordneten Angelika Niebler, Manfred Weber und Monika Hohlmeier gezählt werden.

Nur Ferber erfuhr davon offenbar erst nach dem Wahltag. Er bat um Bedenkzeit, dreimal tagten die Abgeordneten in der vergangenen Woche. Ein von Parteichef Horst Seehofer unterstützter Vorschlag, Ferbers Chefposten zweieinhalb Jahre zu verlängern, fand keine Mehrheit. Niebler ist nun Chefin der Europagruppe, Hohlmeier ihre Geschäftsführerin.

Niebler bestreitet zwar eine vorherige Absprache, verweist jedoch auf die britischen Abgeordneten, die alle zweieinhalb Jahre einen neuen Chef wählen. „Da war es fast zwingend, dass man diese Diskussion auch mal führt.“ Sie will das Grüppchen nicht inhaltlich neu orientieren. „Aber ich habe eine andere Art zu führen“, sagt die 51-Jährige. „Als Frau bin ich teamorientierter unterwegs.“ Auch in diesen Satz kann man einiges über den Führungsstil von Markus Ferber hineininterpretieren.

Doch Chefin von fünf Abgeordneten in einem Parlament von 750? Was nach einem kläglichen Ämtlein klingt, hat Bedeutung. Niebler repräsentiert nun die CSU unter allen deutschen Unions-Abgeordneten in Brüssel, wird wohl auch deren Co-Chefin. Zudem braucht man sie als Korrektiv zur traditionell Brüssel-skeptischen Landesleitung: Der Ton in der CSU soll künftig insgesamt deutlich Europa-freundlicher gestaltet werden.

Gleichzeitig setzt ein anderer aus dem CSU-Häuflein zum nächsten Karrieresprung an. Manfred Weber kandidiert am Mittwoch als Vorsitzender der EVP-Fraktion. Bis gestern war kein Gegenkandidat gegen den 41-Jährigen bekannt – die Bewerbungsfrist endet heute Vormittag. Wird Weber gewählt, kommt einer der wichtigsten Akteure auf europäischer Ebene aus Niederbayern: Denn die EVP stellt die größte Fraktion im Parlament.

Seit Wochen betreibt Weber viel Wahlkampf unter den Kollegen aus ganz Europa – künftig muss er die Probleme (noch) mehr durch die gesamt-europäische Brille sehen. Niebler soll dagegen speziell die CSU-Interessen hochhalten.

cd/mik/cal

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