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Polizisten warten am Samstag in Oberhausen auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Centro, wo es eine Terror-Warnung gab.

Plante ein deutscher Salafist den Anschlag?

Terror-Alarm in Essen: Geschlossenes Einkaufszentrum öffnet wieder

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Essen - Nach der Terror-Drohung gegen ein Essener Einkaufszentrum am Samstag befragt die Polizei einen Verdächtigen und sucht unter IS-Kämpfern den Drahtzieher. Am Montag öffnet das Zentrum wieder.

  • Es gab eine Terror-Drohung gegen das Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen (mehr als 200 Geschäfte, 70.000 Quadratmeter Verkaufsfläche).
  • Offenbar hat die Anschlagsdrohung einen islamistischen Hintergrund. Ein deutscher IS-Kämpfer soll dahinterstecken.
  • Laut einem Zeitungsbericht soll es Warnungen vor Selbstmordattentätern gegeben haben.
  • Die Polizei setzte zwei Männer in Oberhausen fest, von denen einer am Samstagabend wieder freigelassen wurde. 
  • Am Montag öffnet das Essener Einkaufszentrum wieder.
  • Update vom 23. Mai 2017: Bei einem Konzert von Ariana Grande in Manchester hat sich mindestens eine Explosion ereignet. Die Polizei hat über 20 Tote bestätigt, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Die Polizei behandelt den Vorfall wie einen Terroranschlag.

Nach dem Terroralarm und der Schließung eines Einkaufszentrums am Samstag in Essen arbeiten die Behörden mit Hochdruck an der Aufklärung der Hintergründe. Die Geschäfte in dem Komplex können am Montag aber wieder öffnen. Es gebe keine Hinweise mehr auf eine Gefahrensituation, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Einer von zwei zunächst Festgenommenen wurde auch am Tag danach weiter vernommen, ein Zweiter war bereits am Samstag wieder freigelassen worden. Die Polizei teilte nicht mit, in welcher Beziehung die beiden zu den Anschlagsplänen gestanden haben sollen. Das Großaufgebot von Polizisten aus ganz Nordrhein-Westfalen, das in Essen zusammengezogen worden war, ist unterdessen wieder abgerückt.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) von einem möglichen Anschlag im Einkaufszentrum „Limbecker Platz“ erfahren und die Polizei informiert. Die ordnete am frühen Samstagmorgen an, das mehrgeschossige Shoppingcenter in der Innenstadt den ganzen Tag geschlossen zu lassen. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten riegelten den Gebäudekomplex ab. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ging es um einen konkret für Samstag terminierten Anschlag einer ganzen Tätergruppe.

Über den mutmaßlichen Drahtzieher sagte de Maizière im ARD-„Bericht aus Berlin“: „Die Verbindung zum sogenannten Islamischen Staat, dieser Terrororganisation, ist vorhanden. In der Tat gab es Hinweise oder Aufträge aus der Region von jemandem, der aus Deutschland dorthin gereist ist.“

Polizei sucht nach Kontaktmännern des IS

Nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen soll der aus Oberhausen kommende Kämpfer von Syrien aus per Internet-Messenger mehrere Personen direkt kontaktiert und versucht haben, sie für einen Angriff auf das Einkaufszentrum zu motivieren. Ein Teil der mutmaßlichen Tätergruppe soll sich in Deutschland befunden haben, ein anderer Teil sollte aus dem Ausland anreisen.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger betonte, die bisherigen Ermittlungen hätten keine Anzeichen dafür gebracht, „dass mit Umsetzung oder Vorbereitungen konkret begonnen wurde“. Von den beiden Männern, die die Polizei am Samstag festgenommen hatte, wurde einer am Sonntag noch vernommen. Die in ihren Wohnungen beschlagnahmten Gegenstände wurden weiter untersucht. Der andere Mann hatte bereits am späten Samstagabend wieder heimkehren können.

Nach dpa-Informationen handelt es sich bei ihnen nicht um direkt Tatverdächtige, sondern um Kontaktpersonen des mutmaßlichen Drahtziehers. Er soll Mitglied der salafistischen Szene in Oberhausen und bereits länger im Visier der Behörden gewesen sein.

Polizei hatte konkrete Hinweise auf Anschlag

Zunächst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet, dass ein deutscher IS-Kämpfer in Syrien mehrere Personen im Ruhrgebiet mit dem Anschlag beauftragt haben soll. In Sicherheitskreisen wurde am Samstagabend betont, es sei sehr ungewöhnlich, dass in einem Dschihadisten-Chat über Anschlagspläne derart konkret wie in dem Essener Fall Ort und Zeitfenster der Tat benannt würden. Dies sei in der Kommunikation von Dschihadisten sonst sehr selten der Fall. Die „Bild“-Zeitung berichtete, der Anschlagsplaner habe den möglichen Komplizen auch Anleitungen zum Bau von Bomben übermittelt.

Die Polizei hat nach eigener Einschätzung den Terroranschlag in Essen am Samstag mit ihrem massiven Einsatz verhindert. Das sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Es habe ganz konkrete Hinweise gegeben, dass der Anschlag auf das Einkaufszentrum an diesem Tag habe stattfinden sollen.

Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass der möglicherweise geplante islamistische Anschlag auf das Essener Einkaufszentrum von einem mehrköpfigen Team von Terroristen ausgeführt werden sollte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen soll der mutmaßliche Drahtzieher aus dem Dschihadisten-Gebiet in Syrien heraus per Internet-Messenger versucht haben, mehrere Personen für ein Attentat auf das Einkaufszentrum in der Essener Innenstadt zu motivieren.

Nach diesen Informationen vom Samstag sah die Anschlagsplanung vermutlich ein Attentat mit einem sogenannten „Hit-Team“ vor. Ein Teil der möglichen Attentäter soll sich demnach in Deutschland befunden haben, ein anderer Teil sollte aus dem Ausland anreisen. Unklarheit bestand am Samstagabend noch über die Personalien der möglichen Attentäter. Unklar war auch, wie viele Terroristen sich an einem möglichen Anschlag hätten beteiligen sollen.

Medien: IS steht in Verbindung mit den Plänen

Inzwischen berichten mehrere Medien, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit dem möglichweise geplanten Anschlag in Verbindung stehen soll. Nach „Bild“-Informationen soll ein deutscher IS-Kämpfer, der aus Oberhausen stammt, über einen besonderen Chat aus Syrien gleich mehreren Personen im Ruhrgebiet den Auftrag für den Anschlag erteilt haben. Dabei habe er die Bauanleitung für eine Bombe gleich mitgeschickt. Der Mann habe im Auftrag der IS-Führung gehandelt. Die Zeitung berief sich auf Informationen von Verfassungsschutzbehörden. Auch der WDR berichtete über einen Auftraggeber mit IS-Bezug.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen gewann das Bundesamt für Verfassungsschutz den ersten Hinweis auf das Bedrohungsszenario aus eigenen Quellen. Dabei soll es um abgehörte elektronische Kommunikation gehen.

Nach Hinweisen auf Anschlag in Essen: Zwei Männer in Oberhausen festgesetzt

Nach den Hinweisen auf einen möglichen Terroranschlag in Essen hat die Polizei am Samstag zwei Männer in Oberhausen festgesetzt. Beide sollten vernommen und ihre Wohnungen durchsucht werden. Die Sicherheitskräfte verstärkten daraufhin auch ihre Präsenz am Oberhausener Einkaufszentrum Centro. Es deute aber nichts auf einen dort geplanten Anschlag hin, hieß es.

Um 13.30 Uhr startete der erste Polizeieinsatz in einer Wohnung in Oberhausen. Der Wohnungsinhaber wurde zur Vernehmung mitgenommen. Um 14.10 Uhr setzten die Einsatzkräfte einen weiteren Mann in einem Oberhausener Internetcafé fest. "Auch ihn werden Beamte heute vernehmen und seine Wohnung durchsuchen", teilte die Polizei mit. Der Schwerpunkt der polizeilichen Ermittlungen befinde sich damit in Oberhausen. Die Polizei sprach bei den beiden Vernommenen nicht von Tatverdächtigen.

Da auch das dortige Einkaufszentrum Centro "generell ein mögliches Ziel" darstelle, werde die Polizei dort "ab sofort deutlich präsent sein". Die Polizei stellte aber auch klar: "Momentan gibt es KEINE konkreten Hinweise auf einen geplanten Anschlag am Centro."

Wenige Tage nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Dezember waren wegen angeblicher Attentatspläne auf das Centro zwei Brüder in Duisburg festgenommen worden. Die Polizei hatte zuvor einen "ernstzunehmenden Hinweis aus Sicherheitskreisen" erhalten. Die Männer wurden jedoch wieder freigelassen, da sich der Verdacht gegen sie nicht erhärten ließ.

Das Einkaufszentrum am Limbecker Platz in Essen wurde nach Hinweisen auf einen Anschlag geschlossen.

Anschlags-Drohung: Einkaufszentrum in Essen geschlossen

Die Information über die Terrordrohung gegen ein Einkaufszentrum in Essen hat die Polizei nach eigenen Angaben von „anderen Behörden“ bekommen. Die Drohung werde sehr ernst genommen, sagte Polizeisprecher Christoph Wickhorst am Samstag. „Wir als Polizei sind die Sicherheitsbehörde und wir haben uns dazu entschieden, wir machen das Einkaufszentrum zu.“

Wie das Nachrichtenportal Der Westen berichtet, seien vor der Räumung nur wenige Mitarbeiter des Einkaufszentrums vor Ort gewesen. Die Entscheidung, das Gebäude nicht zu öffnen, sei bereits in der Nacht gefallen, bestätigt Christoph Wickhorst von der Essener Polizei dem Portal.

Mit einem Großaufgebot bezog die Polizei an dem Shopping Center Stellung, riegelte die zahlreichen Eingänge sowie die zugehörige Parkgarage und einen U-Bahnzugang zum Einkaufszentrum ab. Das Gebäude wurde mit Hunden durchsucht.

Reporterin Linda Schreiber, die für Der Westen in Essen vor Ort ist, schilderte die Situation am Samstag vor dem Einkaufszentrum Limbecker Platz so: „Die Menschen hier sind ruhig. Viele haben es auch noch gar nicht mitbekommen. Panik herrscht keine. Wenn überhaupt sind die Menschen sehr schaulustig.“

Laut der WAZ behandeln die Ermittler am Einkaufszentrum die Anschlagsdrohung mit aller gebotenen Vorsicht. „Die Polizei-Pressesprecher geben sich einsilbig. Nein, es handele sich wohl nicht um eine jener Bombendrohungen, die sich meist als schlechter Scherz erweisen. Dieser Fall, so scheint es, ist ernster. Um welche Art von Anschlag es sich handelt, sagt die Polizei aber nicht. Spürhunde werden jedoch eingesetzt, um das Einkaufszentrum zu durchsuchen.“

An anderen Stellen der Stadt war die Essener Polizei nicht verstärkt im Einsatz. "Die Hinweise, die wir erhalten haben, bezogen sich so konkret auf das Einkaufszentrum, dass wir den Kreis nicht weiter gezogen haben", sagte ein Polizeisprecher. Die Bundespolizei teilte jedoch mit, ihre Präsenz am Essener Hauptbahnhof verstärkt zu haben.  

Sicherheitsbehörden des Bundes mit Anschlagsdrohung in Essen befasst

Wegen des Hinweises auf einen drohenden Terroranschlag auf das Essener Einkaufszentrum stehen die Einsatzkräfte vor Ort in Kontakt mit den Sicherheitsbehörden des Bundes. "Die Bundessicherheitsbehörden sind bei dem Sachverhalt eng eingebunden und leisten jede Unterstützung", teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Samstag der Nachrichtenagentur AFP mit. Es finde ein "ständiger Austausch" im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum (GTAZ) von Bund und Ländern statt.

In anderen Einkaufszentren im Ruhrgebiet können die Bürger am Samstag nach Informationen von Der Westen aber normal shoppen gehen. „Der Hinweis bezieht sich ausschließlich auf den Limbecker Platz“, bestätigt Polizeisprecher Christoph Wickhorst.

Das Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen wurde geschlossen.

In dem Einkaufszentrum Limbecker Platz befinden sich mehr als 200 Geschäfte. Mit 70.000 Quadratmetern Verkaufsfläche sei es eines der größten innerstädtischen Einkaufszentren Deutschlands, heißt es auf der Internetseite des Zentrums.

Über seine Facebook-Seite informierte das Einkaufszentrum seine Kunden über die Schließung aufgrund der Anschlagshinweise. "Um eine mögliche Gefährdung der Besucher auszuschließen, wurde die Schließung verfügt", hieß es dort. "Wir bitten um Euer Verständnis." Nach Polizeiangaben soll das Zentrum den gesamten Samstag geschlossen bleiben.

Die Essener Polizei richtete ein Bürgertelefon unter der Nummer 0201/8291055 ein. "Bei dem Bürgertelefon haben sich viele Menschen gemeldet, wir hatten mehrere hundert Anrufe", sagte der Polizeisprecher. "Darunter waren Anwohner, Besitzer von Geschäften in der Nähe sowie Besucher."

Essen: Im vergangenen April Bombenanschlag auf Gebetshaus

Erst im vergangenen  Jahr gab es in Essen einen dschihadistischen Anschlag. Im April zündeten zwei Jugendliche eine Bombe vor einem Sikh-Tempel . Damals wurden drei Menschen verletzt. Anfang Dezember begann der Prozess gegen die damals 16 Jahre alten Täter und einen Komplizen. Laut Anklageschrift hatten sie die Sikhs als Ungläubige betrachtet.

Einkaufszentrum in Essen evakuiert

Einkaufszentrum in Essen evakuiert

fro/bew/dpa/afp

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