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Am 17. November 2015 wurde das Spiel Deutschland - Niederlande abgesagt.

„Teile der Antwort würden Bevölkerung beunruhigen“

Ein Jahr nach Terroralarm: Darum wurde das Länderspiel abgesagt

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Hannover - Vor genau einem Jahr wurde das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover wegen eines Terror-Alarms abgesagt. Einige Hintergründe sind bekannt, andere nicht.

Ein Jahr nach der Absage des Fußball-Länderspiels Deutschland gegen Niederlande wegen einer Terrorwarnung gibt es laut Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) keine Klarheit über die Hintergründe. „Ich habe keine neuen Erkenntnisse“, sagte Pistorius. Die Generalbundesanwaltschaft ermittele weiter.

Vieles bleibt also ein Jahr nach dem Vorfall nebulös, in einigen Aspekten gibt es aber Hinweise.

Am 17. November 2015 war die Freundschaftspartie zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover kurz nach Einlassbeginn abgesagt worden. Wie sich später herausstellte, hatte es zuvor die entscheidende Warnung vor einem Terroranschlag durch einen israelischen Geheimdienst gegeben. Nach dem Vorbild der Pariser Terrorakte wenige Tage zuvor habe auch in Hannover eine Serie von Anschlägen gedroht, berichteten damals mehrere Medien.

Bei Durchsuchungen im Stadion und andernorts in Hannover wurden weder Waffen noch Sprengstoff gefunden, auch Festnahmen gab es nach Darstellung der Polizei nicht.

Das Zitat von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zur Spielabsage ging um die Welt. Er zeigte sich zu den Hintergründen zurückhaltend, mit der Begründung: „Teile meiner Antwort würden die Bevölkerung beunruhigen.“

Es soll ein Droh-Video aus dem Stadion existieren

Eine Spur führt zu dem 20-jährigen Mohamad Hasan K. Der Deutsch-Syrer steht seit Oktober in Celle als Mitangeklagter der IS-Sympathisantin Safia S. vor Gericht. Er soll von den Plänen des Mädchens gewusst haben, das einen Polizisten im Februar mit einer Messerattacke schwer verletzte.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Mohamad Hasan K., weil er mit den angeblichen Terrorplänen zu tun haben könnte, die zur Absage des Länderspiels führten. Als Ordner im Stadion filmte er sich bei der Räumung und stellte die Sequenz ins Netz mit dem Kommentar: „Betet für Raqqa“ - die syrische Stadt Al-Rakka ist eine Hochburg des IS.

Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) unlängst berichtete, dauere das Droh-Video nur zehn Sekunden und zeige den heute 20-jährigen Hasan K. als Ordner (!) im Niedersachen-Stadion.

Wie die SZ weiter berichtete, gab es im Vorfeld des Prozesses eine peinliche Panne der Ermittlungsbehörden. Denn Hasan K., der Mann mit dem Drohvideo aus dem Stadion, verließ Mitte September – also einen Monat vor Prozessbeginn – völlig problemlos Hannover. Seine Flucht organisierte er ganz simpel über eine Mitfahrzentrale (wie sich später herausstellte, war der Fahrer auch noch Polizist). Sein Ziel war offensichtlich Syrien, doch er kam nur bis Griechenland. Dort wurde er auf Bitten der deutschen Behörden festgenommen und ausgeliefert. Genau rechtzeitig – einen Tag vor dem Prozessbeginn in Celle.

dpa/tz/lin

Länderspiel wegen Terroralarms in Hannover abgesagt

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