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Nach dem Anschlag in Istanbul hat die Polizei über 100 prokurdische Politiker festgenommen.

Merkel sagt Erdogan enge Kooperation zu

Türkei bombardiert PKK-Stellungen - Zahl der Toten steigt

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Istanbul - In der Innenstadt von Istanbul hat es kurz nach dem Ende eines Fußballspiels zwei Explosionen gegeben. Kanzlerin Angela Merkel hat Erdogan Unterstützung und eine engere Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus angeboten.

  • Zwei Explosionen in der Nähe des Fußballstadions Besiktas haben am Samstagabend Istanbul erschüttert.
  • Der türkische Verkehrsminister sprach von einem Terror-Anschlag.
  • Ziel war nach Angaben des türkischen Innenministers die Sondereinsatzpolizei.
  • Mindestens 38 Menschen wurden getötet, 30 von ihnen sind Polizisten. Zudem gebe es 166 Verletzte.

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+++ Traurige Statistik: Die Zahl der Toten auf 44 gestiegen. Darunter seien 36 Polizisten und 8 Zivilisten, teilte Gesundheitsminister Recep Akdag am Montag mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Ob die Zahl den Selbstmordattentäter beinhaltet, ließ der Minister offen.

+++ Nach den schweren Anschlägen auf die Polizei in Istanbul hat die türkische Luftwaffe Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak bombardiert. Kampfflugzeuge hätten am Sonntagabend das Hauptquartier der kurdischen Rebellen in der nordirakischen Region Sap sowie nahegelegene Bunker und Geschützstellungen zerstört, teilten die türkischen Streitkräfte laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Montag mit.

+++ Die Zahl der Toten ist auf 39 gestiegen. Eine 28-jährige Frau sei im Krankenhaus an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Montag. Sie sei im Moment des Anschlages in einem Minibus unterwegs gewesen.

+++ Nach dem Doppelanschlag in Istanbul sind mehr als hundert Vertreter der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) festgenommen worden. Bei den landesweiten Einsätzen seien unter anderem die HDP-Chefs in Istanbul und Ankara in Gewahrsam genommen worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Den insgesamt 118 Verdächtigen werden demnach Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zur Last gelegt. Bei den Anschlägen auf die Polizei in Istanbul waren am Samstagabend 38 Menschen getötet worden, größtenteils Polizisten. Zu den Taten bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), eine kurdische Extremistengruppe, die der PKK nahe stehen soll. Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte nach dem Doppelanschlag Vergeltung an. Die Attentäter würden "einen hohen Preis zahlen", sagte er.

Terror in Istanbul: Merkel bietet enge Kooperation an

+++ Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach den Anschlägen von Istanbul deutsche Unterstützung und eine engere Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus angeboten. In einem Telefonat mit Erdogan bot die Kanzlerin Hilfe an, "sollte diese für die Versorgung der Verletzten gebraucht werden", erklärte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Sonntag in Berlin. "Die Bundeskanzlerin und der Präsident vereinbarten, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus zu intensivieren." 

Recep Tayyip Erdogan (l.) und der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag (M.) besucht einen verletzten Polizisten im Bezmialem Hospital in Istanbul.

+++ Eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hat sich zum Doppelanschlag in der türkischen Metropole Istanbul bekannt. Die beiden Anschläge in der Nähe des Fußballstadions von Besiktas seien zur gleichen Zeit ausgeführt worden, teilte die Splittergruppe TAK (Freiheitsfalken Kurdistans) am Sonntag auf ihrer Website mit. Dabei seien zwei ihrer Anhänger getötet worden. Mit den Anschlägen hat die TAK nach eigenen Angaben auf die Gefangenschaft des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und die türkischen Militäroperationen vor allem im Südosten des Landes aufmerksam machen wollen. Solange diese anhielten, solle „niemand erwarten, ein geruhsames Leben in der Türkei führen zu können“.

+++ Nach dem tödlichen Doppelanschlag hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Vergeltung angekündigt. Das Wichtigste sei jetzt der Kampf gegen die „Pest des Terrors“, sagte Erdogan am Sonntag nach einem Besuch bei Verletzten vor Journalisten in Istanbul. Er machte keine Angaben zu mutmaßlichen Tätern, sagte jedoch, dass diese einen „noch höheren Preis“ bezahlen müssten. Ministerpräsident Binali Yildirim bekräftigte in Istanbul, dass die Regierung die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK als Täter vermute. Diese bekannte sich jedoch zunächst nicht.

Terror in Istanbul: Merkel nennt Attentate „menschenverachtender Terroranschlag“

+++ Eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse und Erkenntnisse können Sie in diesem Artikel lesen.

+++ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Attentate als "menschenverachtenden Terroranschlag" verurteilt. Die Kanzlerin drückte zudem Präsident Recep Tayyip Erdogan und der türkischen Bevölkerung ihr Mitgefühl aus, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Sonntag über den Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich "erschüttert" über den Doppelanschlag. "Wir verurteilen diese terroristischen Anschläge auf das Schärfste und trauern gemeinsam mit unseren türkischen Partnern", erklärte Steinmeier in Berlin. "Besonders perfide ist: Diese Taten sollten so viele Menschen wie möglich treffen."

+++ Fußball-Weltmeister Lukas Podolski von Galatasaray Istanbul hat sein Mitgefühl und Anteilnahme mit den Opfern der Anschläge von Istanbul am Samstag zum Ausdruck gebracht. "Mein Herz ist mit den Leuten, die von den Explosionen in meiner Stadt in Mitleidenschaft gezogen wurden", schrieb der Ex-Nationalspieler bei Twitter.

+++ Die pro-kurdische Partei HDP hat den Doppelanschlag in Istanbul scharf verurteilt. „Mit den zwei Bombenanschlägen in Istanbul herrscht in den Häusern vieler Familien wieder Trauer. Wir verurteilen diese Anschläge aufs Schärfste. Wir sind sehr traurig und teilen den Schmerz“, hieß es in einer Mitteilung der Parteizentrale am Sonntag. Zugleich rief die Partei zum „Ende der Polarisationspolitik“ in der Türkei und zur Wahrung von Frieden, Demokratie und Menschenrechten auf.

+++ Das Auswärtige Amt in Berlin empfahl allen Reisenden in Istanbul, vorerst in ihren Hotels und Unterkünften zu bleiben und sich über seine Reisehinweise oder die Medien über die weitere Lage zu informieren. 

+++ Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte die "furchtbaren Terrorakte" in Istanbul und versicherte der Türkei die "Solidarität" des Bündnisses. Die US-Botschaft in Ankara schrieb auf Twitter: "Unsere Herzen und Gebete sind bei den Menschen in Istanbul heute Nacht."

+++ Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "Terrorakt", der möglichst viele Opfer verursachen sollte. Die Menschen in Istanbul hätten wieder einmal "das hässliche Gesicht des Terrorismus" miterlebt, der "Werte und Moral mit Füßen tritt".

+++ Die Opferzahl der Anschläge in Istanbul ist auf 38 gestiegen.  30 Polizisten, sieben Zivilisten sowie ein Mensch, dessen Identität noch ungeklärt sei, seien getötet worden, teilte der türkische Innenminister Süleyman Soylu am Sonntagvormittag mit. Zudem habe es 166 Verletzte gegeben, von denen sich 14 auf der Intensivstation befänden.

+++ Die Türkei hat eine eintägige Staatstrauer ausgerufen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, ordnete Ministerpräsident Binali Yildirim an, dass die Flaggen am Sonntag auf halbmast gesetzt werden. 

Laut Innenminister Süleyman Soylu waren 27 der insgesamt 29 Toten Polizisten, bei den anderen beiden handelte es sich um Zivilisten. Demnach wurde zunächst eine Autobombe nahe einem Polizeibus am Stadion gezündet, bevor sich ein Selbstmordattentäter im angrenzenden Macka-Park inmitten von Polizisten in die Luft sprengte. 

+++ Laut Soylu wurden bereits zehn Verdächtige festgenommen.

Bisher bekannte sich niemand zu den Anschlägen, doch fällt der Verdacht auf die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihre radikale Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), die immer wieder Anschläge auf die Sicherheitskräfte verüben. Auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat im vergangenen Jahr wiederholt blutige Anschläge in der Türkei verübt.

+++ Bei den Anschlägen im Istanbuler Stadtteil Besiktas sind mindestens 29 Menschen getötet worden. Zudem gebe es 166 Verletzte, sagte Innenminister Süleyman Soylu am Sonntag. Es gebe bereits mehrere Festnahmen.

Die Ereignisse von Samstag

+++ Bei zwei Explosionen in der Nähe des Fußballstadions Besiktas in Istanbul sind rund 20 Menschen, vorrangig Polizisten, verletzt worden. Demnach galt der Anschlag offenbar einem Bus mit Polizisten, die zuvor vor dem Stadion das Spiel der Clubs Besiktas und Bursaspor sichern sollten, sagte der türkische Innenminister Süleyman Soylu nach Angaben des Senders CNN Türk am Samstagabend. 

Ein Reporter sagte dem Sender CNN Türk, an diesem Samstagabend seien besonders viele Polizisten zur Absicherung des Spiels im Einsatz gewesen, weil es in der Vergangenheit Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fangruppen gegeben hatte. Die Fans von Bursaspor seien wegen einer Strafe überhaupt das erste Mal seit Jahren wieder zu einem Besiktas-Spiel zugelassen worden.

+++ Die „Bild“ will aus Polizeikreisen von 13 Toten erfahren haben. Offiziell bestätigt ist das jedoch noch nicht.

+++ Woher die zweite Detonation kam, blieb zunächst unklar. Es gebe Hinweise auf einen Selbstmordattentäter, der sich in der Gegend des Parks Macka in die Luft gesprengt haben soll, erklärte der türkische Innenminister Süleyman Soylu am Samstagabend. Der Park liegt ebenfalls im Viertel Besiktas.

+++ Eine Nachrichtensperre wurde verhängt, die sich nicht auf öffentliche Verlautbarungen bezieht. 

+++ Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

+++ Der türkische Verkehrsminister Ahmet Arslan twitterte, es habe sich um einen Terror-Anschlag gehandelt.

+++ Etwa anderthalb Stunden vor der Explosion endete das Spiel zwischen den Erstligisten Besiktas und Bursaspor. Die Zuschauer hatten sich schon auf den Heimweg gemacht. Allerdings waren noch viele Polizisten in der Gegend, die das Station abgesichert hatten.

+++ Auf Fernsehbildern waren Rettungswagen zu sehen, die zur Unfallstelle rasten. Mehrere zerstörte Autos wurden gezeigt, darunter ein Minibus. Auf Bildern in den Sozialen Netzwerken ist unter anderem Rauch über dem Fußballstadion zu sehen.

+++ Die Explosionen waren mehrere Kilometer weit zu hören. Besiktas ist ein beliebtes Ausgehviertel und am Wochenende sehr belebt.

+++ Dem türkischen Nachrichtensender NTV zufolge sei bei einer Explosion eine Autobombe die Ursache gewesen. Offiziell bestätigt wurde das aber bisher noch nicht.

+++ Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK oder deren Splittergruppe TAK verüben immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte. Die türkische Regierung macht aber auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für zahlreiche Attentate im Land verantwortlich.

+++ Am heutigen Samstag war ein Antrag auf eine umstrittene Verfassungsänderung ins türkische Parlament eingebracht worden, mit der ein Präsidialsystem eingeführt werden soll. Staatschef Erdogan würde, falls der Antrag umgesetzt würde, seine Macht erheblich erweitern.

Terror in Istanbul - Bilder

dpa/hn

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