+
In London wurden bei einem mutmaßlichen Terrorakt vier Menschen getötet und rund 40 Menschen verletzt.

Täter, Opfer, Hintergrund

Terror in London: Was wir wissen - und was nicht

London - Auch am Tag danach wirft der Terroranschlag in London zahlreiche Fragen auf. Die Öffentlichkeit rätselt weiter über die Hintergründe der Tat und darüber, ob der Angreifer Komplizen hatte.

Update vom 23. Mai 2017: In Manchester sind bei einem Konzert von Ariana Grande mehrere Menschen bei einem Selbstmordanschlag ums Leben gekommen. Wir halten Sie in unserem News-Ticker auf dem Laufenden und haben für Sie zusammengefasst, was bislang bekannt ist und was nicht.

Beim Terroranschlag auf der Westminster-Brücke und am Parlament im Herzen Londons hat ein Angreifer mindestens 4 Menschen getötet und rund 40 weitere teils schwer verletzt. Der Täter wurde erschossen, nachdem er einen Polizisten niedergestochen hatte.

WAS WIR WISSEN

Der Täter: Scotland Yard geht von einem Einzeltäter aus, der „vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde“. Premierministerin Theresa May sagte, der Attentäter sei bereits einschlägig polizeibekannt. Der Mann sei in Großbritannien geboren und in der Vergangenheit wegen „gewalttätigen Extremismus“ unter Beobachtung der Behörden gewesen. Das liege aber bereits Jahre zurück. Es habe keine aktuellen Verdachtsmomente gegen den Mann gegeben.

Die Tat: Nach Angaben der Polizei raste der Täter mit einem Auto in Passanten auf der Westminster-Brücke. Er fuhr wenige hundert Meter weiter und krachte mit dem grauen Hyundai i40 in den Zaun des Parlamentsgebäudes. Danach sprang er aus dem Wagen und lief auf das Gelände des Parlaments. Dort stach er einen unbewaffneten Polizisten nieder. Anschließend wurde er von einem anderen Beamten erschossen.

Die Opfer: Es gab neben dem Angreifer mindestens drei Tote. Die Polizei korrigierte diesbezüglich ihre Angaben. Zuvor war von vier Todesopfern die Rede gewesen. Die Toten auf der Westminster-Brücke sind ein Mann, etwa 50 Jahre alt, und eine 43-jährige Frau mit spanischen Wurzeln. Auch der niedergestochene Polizist - ein 48-jähriger Beamter - starb. Laut Scotland Yard war er „Ehemann und Vater“.

Mindestens 40 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, einige trugen „katastrophale Verletzungen“ davon. Am Morgen befanden sich laut Scotland Yard sieben im kritischen Zustand. Die Verletzten, darunter auch Schüler, seien „verschiedener Nationalität“. Nach offiziellen Angaben ist auch eine Deutsche unter den Verletzten. Verletzt wurden daneben unter anderem mindestens drei französische Schüler, zwei rumänische, zwei griechische und vier südkoreanische Staatsbürger sowie ein Pole, ein Italiener, ein Amerikaner, ein Chinese und ein Ire. Unter den Schwerverletzten sind auch zwei Polizisten.

Die Ermittlungen: Die Polizei nahm Ermittlungen wegen Terrorverdachts auf. In Zusammenhang mit dem Anschlag sind nach Angaben von Scotland Yard acht Menschen festgenommen worden. Zuvor seien sechs Wohnungen in London, Birmingham und anderen Orten durchsucht worden.

WAS WIR NICHT WISSEN

Hintergrund der Tat: Nach Aussage des britischen Verteidigungsministers Michael Fallon gehen die Ermittler davon aus, dass der Anschlag „in Verbindung zum islamistischen Terrorismus“ steht. Bislang hat sich keine Terrororganisation zu der Attacke bekannt. Ob der Attentäter beispielsweise eine Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte, ist völlig offen. „War er nur inspiriert oder gab es eine engere Verbindung?“, fragt der Terrorismusexperte Peter Neumann. Hierüber könne nur ein „Statement“ des IS Auskunft geben oder ein Video - falls ein solches im Internet auftaucht.

Identität des Täters: Die Polizei hat bisher keinen Namen genannt, auch wenn sie nach Angaben eines Sprechers zu wissen meint, wer der Täter ist. Auch zur Nationalität des Attentäters machte sie bislang keine Angaben. Fraglich ist, ob der Mann den Behörden bereits einschlägig bekannt war. 

Mögliche Mittäter:Scotland Yard vermutet, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat, schließt aber Mitwisser oder Mittäter nicht aus. Im Fokus der Ermittlungen stehen laut dem Sprecher „Motivation, Vorbereitungen und seine Komplizen“. Unklar war zunächst, in welcher Beziehung die nach den Hausdurchsuchungen Festgenommenen zu dem Täter standen.

Verbindung: Ob der Attentäter eine Verbindung zu internationalen Terrororganisationen wie den Islamischer Staat (IS) hatte, ist völlig offen. „War er nur inspiriert oder gab es eine engere Verbindung?“, fragt der Terrorismusexperte Peter Neumann. Hierüber könne nur ein „Statement“ des IS Auskunft geben oder ein „Video“ - falls ein solches im Internet auftaucht. 

Herkunft der Opfer: Premierministerin Theresa May bestätigte bei einer Parlamentsversammlung am Donnerstag, dass sich unter den verletzten Opfern auch eine Deutsche befindet. Insgesamt seien Menschen aus mindestens elf Ländern betroffen, teilte die britische Premierministerin Theresa May am Donnerstag im Parlament mit. Unter den Verletzten seien neben der Deutschen unter anderem zwölf Briten, drei französische Schüler, zwei Rumänen, vier Südkoreaner, zwei Griechen und jeweils eine Person aus Polen, Irland, China, Italien und den Vereinigten Staaten.

Großeinsatz der Polizei nach Schüssen in London - Bilder

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schröder: Meine Rosneft-Ambitionen schaden der SPD nicht
Die Freundschaft von Altkanzler Schröder zu Kreml-Chef Putin und seine Tätigkeit für russische Unternehmen ist seit langem umstritten. Die SPD hat bisher darüber …
Schröder: Meine Rosneft-Ambitionen schaden der SPD nicht
Bundeswehr arbeitet am Umgang mit ihrer Tradition
Rechtsextreme Umtriebe in der Bundeswehr haben der Verteidigungsministerin zugesetzt. Von der Leyen lässt daraufhin den Traditionserlass überarbeiten. Nun beginnt dazu …
Bundeswehr arbeitet am Umgang mit ihrer Tradition
AfD spricht von "entstellter Kunst" bei Kasseler Documenta
„Entartete Kunst“ ist ein diffamierendes Schlagwort aus der NS-Zeit. Ausgerechnet von „entstellter Kunst“ spricht nun ein AfD-Politiker mit Blick auf die Kasseler …
AfD spricht von "entstellter Kunst" bei Kasseler Documenta
Frauke Petrys Immunität soll aufgehoben werden
Seit über einem Jahr laufen die Meineid-Ermittlungen gegen AfD-Chefin Petry. Nun soll ihre Immunität als Abgeordnete aufgehoben werden - was sie selbst begrüßt.
Frauke Petrys Immunität soll aufgehoben werden

Kommentare