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Schwerbewaffnete Polizisten stehen in der Nähe der Konzerthalle, in der sich die Explosion ereignete.

Explosion bei Popkonzert 

Terror in Manchester - IS reklamiert den Anschlag für sich

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat den Bombenanschlag beim Ariana-Grande-Konzert in Manchester mit mindestens 22 Todesopfern für sich reklamiert. 

Manchester - Bei der Detonation kurz nach dem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande sind im nordenglischen Manchester mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Darunter auch der Attentäter. 59 weitere wurden nach Angaben von Rettungskräften verletzt. Unter den Opfern sind auch viele Jugendliche und Kinder. 

Knapp 15 Stunden nach dem Terroranschlag nimmt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Tat für sich in Anspruch. Über den Nachrichtendienst Telegram vermeldete der IS, einer ihrer „Kämpfer“ hätte das Attentat in der Manchester Arena verübt. Der Angriff sei eine Rache und eine Antwort auf die Angriffe gegen Muslime. Zuvor hatte Großbritanniens Premierministerin Theresa May erklärt, es gebe keine Zweifel daran, dass der Anschlag ein Terrorangriff war.

Alle Neuigkeiten rund um den Anschlag in Manchester finden Sie im News-Blog auf merkur.de.

Massives Polizeiaufgebot um die Arena

Die Explosion hatte sich am späten Montagabend in der Manchester Arena ereignet, einer Konzerthalle, die bis zu 21.000 Besuchern Platz bietet. Zeugen berichteten von einem Knall nach dem letzten Lied Grandes gegen 22.30 Uhr Ortszeit (23.30 Uhr MESZ). Nach Angaben der Polizei, hat der Attentäter einen selbstgebauten Sprengsatz am Körper getragen und im Foyer der Konzerthalle zur Detonation gebracht. 

Rund um den Anschlagsort zogen dutzende bewaffnete Spezialkräfte der Polizei auf, während in der Halle große Panik ausbrach. Auch Sprengstoffspezialisten waren im Einsatz. Krankenwagen rasten zur Manchester Arena. Hubschrauber kreisten über dem Areal. Notfalldienste und Feuerwehr baten die Bevölkerung über Twitter, sie wegen des Einsatzes nur bei lebensbedrohlichen Angelegenheiten zu kontaktieren. 

Der unmittelbar neben der Halle liegende Bahnhof Manchester Victoria wurde gesperrt. Die Polizei forderte die Menschen via Twitter auf, sich aus der Gegend um die Halle fernzuhalten. Sie rief die Bürger zu Wachsamkeit auf.

Schwerster Anschlag seit 2005

Sollte sich der Anschlag in Manchester als Terrorakt bestätigen, wäre es der größte Terroranschlag in Großbritannien seit 2005 und der zweite in diesem Jahr. Im März ist ein Mann am Parlamentsgebäude in London in eine Menschengruppe gerast und hat anschließend einen Polizisten erstochen. Bei dem Anschlag starben fünf Menschen. 2005 ermordeten Islamisten bei Anschlägen auf die U-Bahn und einen Bus in London mehr als 50 Menschen. Mindestens 150 wurden teils schwer verletzt. 

Premierministerin Theresa May drückte den Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl aus. „All unsere Gedanken sind bei den Opfern und den Familien von allen, die betroffen sind“, erklärte sie. „Wir sind daran, alle Einzelheiten dessen, was von der Polizei als entsetzlicher Terroranschlag behandelt wird, herauszuarbeiten“, erklärte sie.“ Nach einer Meldung der britischen Nachrichtenagentur Press Association (PA) soll ihr Wahlkampf ausgesetzt werden. In Großbritannien wird am 8. Juni gewählt.

Schreckensnacht in Manchester: Tote bei Ariana-Grande-Konzert

Dramatische Szenen in der Halle

In der Konzerthalle spielten sich nach der Explosion Augenzeugenberichten zufolge dramatische Szenen ab. „Der Knall hallte durch das Foyer der Arena und die Leute fingen an zu laufen“, berichtete ein 17-Jähriger, der mit seiner zwei Jahre älteren Schwester das Popkonzert besucht hatte. „Ich sah, wie die Leute schreiend in eine Richtung rannten und sich plötzlich viele umdrehten und wieder in die andere Richtung liefen“, sagte der Jugendliche dem Nachrichtensender Sky News. Das Konzert der angesagten Sängerin hatten besonders viele Kinder und Jugendliche besucht.

Grande war angesichts der Ereignisse „am Boden zerstört“. „Aus tiefstem Herzen: Es tut mir so leid. Mir fehlen die Worte“, schrieb die 23-Jährige auf Twitter. Kollegen wie Justin Timberlake und Christina Aguilera zeigten sich entsetzt. Mehr Reaktionen auf die schrecklichen Ereignisse finden Sie hier. Einem Sprecher der Sängerin zufolge war die 23-Jährige wohlauf.

Erschreckende Augenzeugenberichte

Augenzeugen berichteten von Menschen, die blutüberströmt auf dem Boden lagen. Auf Bildern waren Konzertbesucher mit Beinverletzungen zu sehen. Menschen flohen in Panik und mit Tränen in den Augen aus der Halle, wie Augenzeugen in britischen Medien berichteten. Anwohner boten den Betroffenen Unterschlupf an.

„Zuerst dachten wir, dass einer der riesigen Gasballons auf dem Konzert geplatzt sei. Aber als wir draußen waren, sahen wir, dass es etwas Ernsteres gewesen sein muss“, zitierte der britische Nachrichtensender Sky News eine Besucherin. Eine Konzertbesucherin berichtete der BBC, sie sei von Polizisten aufgefordert worden wegzurennen, nachdem sie die Halle verlassen habe. Per Alarmaufruf sei das Publikum aufgefordert worden, Ruhe zu bewahren.

Alle Neuigkeiten rund um den mutmaßlichen Terroranschlag in Manchester finden Sie im News-Ticker.

dpa/Marko Orlovic

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