Eine Gruppe von französischen Polizisten bei dem Anti-Terror-Einsatz nördlich von Paris. Foto: Ian Langsdon
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Eine Gruppe von französischen Polizisten bei dem Anti-Terror-Einsatz nördlich von Paris.
Französische Soldaten stehen bei dem Anti-Terror-Einsatz nördlich von Paris Wache. Foto: Yoan Valat
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Französische Soldaten stehen bei dem Anti-Terror-Einsatz nördlich von Paris Wache.
Französische Soldaten und Polizisten bei dem Anti-Terror-Einsatz im Zentrum von Saint-Denis. Foto: Yoan Valat
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Französische Soldaten und Polizisten bei dem Anti-Terror-Einsatz im Zentrum von Saint-Denis.
Französische Polizisten bei dem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis. Foto: Ian Langsdon
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Französische Polizisten bei dem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis.
Französische Soldaten stehen bei dem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis Wache. Foto: Ian Langsdon
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Französische Soldaten stehen bei dem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis Wache.
Französische Polizisten bei dem Anti-Terror-Einsatz im Zentrum von Saint-Denis. Foto: Etienne Laurent
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Französische Polizisten bei dem Anti-Terror-Einsatz im Zentrum von Saint-Denis.
Rettungskräfte während des Einsatzes in Saint-Denis. Foto: Etienne Laurent
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Rettungskräfte während des Einsatzes in Saint-Denis.
Eine Anwohnerin beobachtet von ihrem Balkon aus die Geschehnisse. Foto: Yoan Valat
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Eine Anwohnerin beobachtet von ihrem Balkon aus die Geschehnisse. 

Frau sprengt sich in die Luft

Kriegsszenen in den Straßen von Saint-Denis: Zwei Tote

Saint-Denis - Fünf Tage nach den Anschlägen von Paris hat die Suche nach den Verantwortlichen einen dramatischen Höhepunkt erreicht. Die französische Polizei stürmte ein Haus im Pariser Vorort Saint-Denis.

Schüsse und Explosionen reißen die Bewohner von Saint-Denis am frühen Mittwochmorgen aus dem Schlaf, es spielen sich Szenen ab wie in einem Bürgerkrieg: Schwerbewaffnete und maskierte Polizisten stürmen in ein Haus, Soldaten mit Sturmgewehr im Anschlag patrouillieren auf der Straße, ein Hubschrauber mit Suchscheinwerfer überfliegt das Gebiet. "Das wirkt wie im Krieg", sagt die 26-Jährige Hayat schockiert. "Ich hätte eine Kugel abbekommen können."

Fünf Tage nach den Anschlägen von Paris erreicht die Suche nach den Verantwortlichen einen dramatischen Höhepunkt: Bei einem Einsatz im Morgengrauen versuchen Elite-Einheiten in der Vorstadt Saint-Denis den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschlagsserie zu fassen, den berüchtigten belgischen Islamisten Abdelhamid Abaaoud. Sie stürmen eine Wohnung in der Rue du Corbillon Nummer 8. Es kommt zu heftigen Schießereien, eine Frau sprengt sich in die Luft.

"Man würde sagen, dass wir in einem Kriegsgebiet sind", sagt ein Anwohner. Eine Nachbarin denkt dagegen zuerst an einen neuen Anschlag, als sie durch die Schusssalven und Explosionen geweckt wird. "Mein Freund und ich haben uns gesagt: 'Es geht wieder los'", sagt die Soziologin Samira. Als der Hubschrauber mit einem Suchscheinwerfer die Dächer der umliegenden Häuser abtastet, fürchtet sie, dass die Verdächtigen entkommen konnten. Sie folgt dem Aufruf der Behörden, die eigene Wohnung nicht zu verlassen.

Die Bilanz des Einsatzes: Neben der Frau, die sich selbst in die Luft sprengt hat und eine Bekannte Abaaouds sein soll, wird in der Wohnung ein "Terrorist" getötet, wie der zum Einsatzort geeilte Pariser Staatsanwalt François Molins sagt. Sechs Polizisten werden leicht verletzt, sieben Verdächtige festgenommen. Ob sich unter ihnen der gesuchte Abaaoud befindet, eines der Gesichter der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), ist zunächst unklar.

Es habe Hinweise gegeben, dass sich der Dschihadist in der "konspirativen Wohnung" in Saint-Denis befunden habe, sagt Molins. Ermittlern zufolge überwachten die Behörden Angehörige des 28-Jährigen, die sie unwissentlich zu der Wohnung führten. Einer der Festgenommenen sagt bevor er von der Polizei abgeführt wird, er habe auf Bitte eines Freundes "zwei seiner Kumpel" aus Belgien in seiner Wohnung beherbergt. Experten der Spurensicherung untersuchen am Mittag die Wohnung, die von außen aussieht wie ausgebombt.

Alle Entwicklungen im Live-Ticker

War Abaaoud wirklich in Saint-Denis, einen Steinwurf von der Fußballarena Stade de France entfernt, einem der Anschlagsziele vom Freitagabend? Diese Wendung in den Ermittlungen ist eine Überraschung: Eigentlich war Abaaoud in Syrien vermutet worden. Konnte er nach Europa zurückkehren, ohne dass die Geheimdienste etwas mitbekamen?Es ist nicht die einzige offene Frage nach den tödlichsten Anschlägen in der Geschichte Frankreichs. Noch immer sind nicht alle sieben Selbstmordattentäter identifiziert, die bei der Anschlagsserie starben. Als achter Angreifer wird der 26-jährige Salah Abdeslam gesucht, der Bruder eines der Selbstmordattentäter. Und seit Dienstag ist bekannt, dass die Ermittler nach der Auswertung eines Videos von einem neunten Angreifer ausgehen. Er soll zusammen mit den Abdeslam-Brüdern in einem schwarzen Seat gesessen haben, der bei den Attacken auf eine Reihe von Bars und Restaurants in Paris verwendet wurde. Seine Identität ist unbekannt.Aber auch die Ergebnisse des Einsatzes vom Mittwoch werfen neue Fragen auf. Plante die junge Frau, die sich in die Luft jagte, einen Selbstmordanschlag? Eine Selbstmordattentäterin hat es in Frankreich noch nie gegeben.Der Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis zeigt, dass Frankreich nach den Anschlägen von einer Rückkehr zur Normalität weit entfernt ist. Oder wie es Staatschef François Hollande nach dem Zugriff sagte: "Diese Aktionen bestätigen ein weiteres Mal, dass wir uns im Krieg befinden. Einem Krieg gegen den Terrorismus."

Twitter-Account der Stadt

Tweet der Police nationale

afp/dpa

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