+
Die Gesuchten Männer.

Terror von Paris

Ermittler fahnden nach zwei neuen Verdächtigen

Brüssel - Waren sie Komplizen von Belgiens Staatsfeind Nummer Eins Salah Abdeslam? Der mutmaßliche Attentäter ist weiter auf der Flucht. Nun sucht die Polizei nach möglichen Verbündeten.

Im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris mit 130 Toten sucht die Polizei nach zwei neuen Verdächtigen, die mit dem mutmaßlichen Attentäter Salah Abdeslam unterwegs waren. "Sie sind gefährlich und wahrscheinlich bewaffnet", teilte die Polizei am Freitag in Belgien mit. Die beiden Männer waren mit falschen Pässen am 9. September zusammen mit dem derzeit flüchtigen Abdeslam an der ungarisch-österreichischen Grenze kontrolliert worden.

Nach ihnen suchen die Ermittler.

Am selben Tag war Abdeslam auch bei der Einreise aus Deutschland kommend in Österreich in Begleitung von zwei Männern kontrolliert worden, wie das österreichische Innenministerium Mitte November mitgeteilt hatte. Nun gaben die belgischen Strafverfolgungsbehörden bekannt, dass Abdeslam am 9. September in einem Mietwagen an der Grenze von Ungarn und Österreich kontrolliert worden sei. Die beiden Begleiter, deren Identität nicht geklärt ist, hätten gefälschte belgische Pässe vorgelegt auf die Namen Samir Bouzid und Soufiane Kayal.

Zu den beiden Verdächtigen, die nach den Angaben aus Brüssel von "der belgischen und französischen Polizei aktiv gesucht" werden, wurde ein Zeugenaufruf gestartet. Dazu veröffentlichten die Behörden auch mehrere Fotos und Bilder aus Überwachungskameras.

"Team" unter Flüchtlingen rekrutiert?

Die Ermittlungen zu der islamistischen Anschlagsserie von Paris haben ergeben, dass Abdeslam im September mindestens zwei Mal in Ungarn war. Die ungarischen Behörden hatten am Donnerstag mitgeteilt, einer der "Hauptorganisatoren" der Anschläge von Paris - gemeint war offenbar Abdeslam - habe ein "Team" unter den Flüchtlingen am Bahnhof von Budapest rekrutiert. Angaben zum Datum oder Namen nannten die ungarischen Behörden nicht.

Bis Ungarn seine Grenze zu Serbien am 15. September vollständig schloss, hatten am Budapester Bahnhof täglich tausende Flüchtlinge und Migranten auf ihre Weiterreise gewartet. Derzeit führt die rechtsgerichtete, ungarische Regierung eine Medienkampagne gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, in der sie auch vor erhöhter "Terrorgefahr" durch den Flüchtlingsandrang warnt.

Aus Ermittlerkreisen in Paris hieß es zu den Angaben aus Budapest, dass ein von Abdeslam gemietetes Auto am 17. September in Ungarn geortet worden sei. Bei der Kontrolle am 9. September in Österreich hatte Abdeslam laut österreichischem Innenministerium angegeben, er wolle eine Woche Urlaub in Österreich verbringen; er durfte daraufhin mit seinen Begleitern weiterfahren.

Einer der gefälschten Pässe der beiden neuen Verdächtigen, der von Samir Bouzid, war vier Tage nach den Anschlägen verwendet worden, um 750 Euro nach Paris an die Cousine von Abdelhamid Abaaoud zu überweisen. Abaaoud und seine Cousine Hasna waren einen Tag später bei einem Anti-Terror-Einsatz der französischen Polizei in Saint-Denis bei Paris zusammen mit einem bisher unbekannten Dritten getötet worden. Abaaoud gilt als möglicher Drahtzieher der Anschläge von Paris und soll weitere Attentate geplant haben.

Bei der Anschlagsserie auf den Konzertsaal Bataclan, auf das Fußballstadion Stade de France sowie auf mehrere Cafés und Restaurants waren am 13. November in Paris 130 Menschen getötet und etwa 350 weitere verletzt worden. Die meisten Attentäter sprengten sich nach ihren Attacken selbst in die Luft, darunter auch ein Bruder von Abdeslam. Dieser soll nach den Anschlägen von Freunden zurück nach Belgien gebracht worden sein, wo er zu einem Freund gesagt haben soll, er werde "sein Gesicht ändern". Abdeslam konnte trotz internationale Fahndung bisher nicht gefasst werden.

Alle Neuigkeiten rund im die Anschläge von Paris finden Sie hier.

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Donnerschlag in Italien: Populisten-Bündnis gescheitert - „Sind nicht Sklaven der Deutschen“
Erst verbreitet ein Populisten-Bündnis in Italien Unruhe in ganz Europa. Dann platzt es auf den letzten Metern. Kommen jetzt Neuwahlen?
Donnerschlag in Italien: Populisten-Bündnis gescheitert - „Sind nicht Sklaven der Deutschen“
Populisten-Bündnis in Italien gescheitert
Es ist ein Donnerschlag. Erst verbreitet ein Populisten-Bündnis in Italien Unruhe in ganz Europa. Dann platzt es auf den letzten Metern. Was nun?
Populisten-Bündnis in Italien gescheitert
Seehofer: Bamf-Skandal belegt Notwendigkeit von Ankerzentren
Berlin (dpa) - Bundesinnenminister Horst Seehofer begründet den Bedarf an den von ihm geplanten Ankerzentren auch mit dem Skandal im Bremer Flüchtlingsamt.
Seehofer: Bamf-Skandal belegt Notwendigkeit von Ankerzentren
Verwirrspiel um den Gipfel Trumps mit Kim in Singapur
Findet der Gipfel statt, oder doch nicht? Donald Trump und Kim Jong Un ziehen in ihren Verhandlungen alle Register. Zuletzt scheint ein Treffen wahrscheinlicher geworden …
Verwirrspiel um den Gipfel Trumps mit Kim in Singapur

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.