Auto rast in Newscastle in Menschengruppe - Fahrerin festgenommen

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Anschlag in Hamburg: Feuerwehrmänner am Sonntagmorgen vor der „Morgenpost“.

Nach den Anschlägen in Paris

Der Terror rückt auch in Deutschland näher

München - Noch sind die Deutschen recht gelassen – wohl weil das Land bisher nicht auf die Probe gestellt wurde. Jetzt wurde eine Redaktion attackiert. Und der Bundesinnenminister gesteht „große Sorge“ ein.

Helfen gegen Terroristen soll ein verstärkter Informationsaustausch. Zerborstene Scheiben, verbrannte Akten und alte Zeitungen. Der Geruch von Rauch in der Luft. Zeugnisse des Brandanschlags auf die „Hamburger Morgenpost“, der am Sonntag nicht nur Hamburg in Aufregung versetzt. Noch ist nicht bekannt, wer in der Nacht Steine und einen Brandsatz in das Archiv der traditionsreichen Boulevardzeitung geschleudert hat. Aber freilich wird schnell spekuliert, die Tat könnte etwas mit der Donnerstag-Ausgabe zu tun haben. Am Tag nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ hatte die „Mopo“ aus Solidarität islamkritische Karikaturen des Pariser Magazins nachgedruckt mit dem Zusatz: „So viel Freiheit muss sein!“

Der Terror rückt näher an Deutschland und auch an Bayern heran, so fühlt es sich zumindest an. Schon am Freitag hatte die bayerische Polizei Redaktionen in München Hilfe angeboten. Zwar liege im Moment keine Bedrohungslage vor, für die Polizei sei aber interessant, wenn es in der Vergangenheit „relevante Auffälligkeiten“ gegeben habe, hieß es in einer E-Mail an alle Münchner Medienhäuser. Und am Wochenende dann die Nachricht von der Festnahme eines mutmaßlichen IS-Terroristen in Dinslaken nördlich des Ruhrgebiets. Der 24-jährige Deutsche soll im Oktober 2013 nach Syrien gereist sein und sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben, so der Generalbundesanwalt. Nach gut einem Jahr sei er im November zurückgekehrt. Seiner Festnahme ging wohl ein Hinweis des US-Geheimdienstes voraus.

Nicht nur die US-Regierung, die ihre Bürger in aller Welt zu erhöhter Vorsicht aufgerufen hat, ist alarmiert. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gestand „große Sorge vor gut vorbereiteten Tätern wie in Paris, Brüssel, Australien oder Kanada“ ein. Er ruft die Deutschen zu besonderer Wachsamkeit auf. „Wir haben Radikalisierungsprozesse in Deutschland, bei denen sich Personen äußerlich und innerlich bis hin zu ihren Essgewohnheiten verändern“, sagte er der „BamS“. Da sei Wachsamkeit der Bürger, Familien, Nachbarn, Sportfreunde oder Mitgläubigen in Moscheegemeinden wichtig. Deutschland habe die Sicherheitsvorkehrungen erhöht – doch dabei bleibt es nicht. Vor dem Gedenkmarsch in Paris trafen sich die EU-Innenminister, um über zusätzliche Maßnahmen zu beraten.

Die Terrorwelle, die Frankreich in diesen Tagen erlebt habe, betreffe alle Demokratien, so Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve hinterher. Kanzlerin Merkel forderte, mehr Informationen austauschen. Das gelte insbesondere für die Geheimdienste. De Maizère forderte das Europaparlament auf, die Blockade des Fluggastdaten-Abkommens zu beenden. „Wer jetzt ein europäisches Fluggastdaten-Abkommen ablehnt, weiß nicht, was die Stunde geschlagen hat.“ Der Vorschlag sieht vor, Sicherheitsbehörden den Zugriff auf Daten von Fluggästen zu erlauben, die in die EU ein- oder ausreisen. Die deutsche Polizei sieht vor allem im Bereich der Luftsicherheit Defizite: Wie Gewerkschaftschef Rainer Wendt sagte, fehle Personal für Kontrollen an Flughäfen und auch, um gefährliche Syrien-Heimkehrer zu beobachten und zu überwachen.

Spanien tritt im Kampf gegen den Terror für eine Wiedereinführung bestimmter Grenzkontrollen in der EU ein. „Die Bedrohung durch die Dschihadisten wird nicht geringer, sondern größer“, so Innenminister Díaz. „Nach Schätzungen sind aus Europa 3000 Kämpfer in die Konfliktgebiete in Syrien und im Irak gezogen. Etwa 20 Prozent von ihnen sind nach Europa zurückgekehrt.“ Hunderte islamistische Terroristen könnten sich derzeit frei in der EU bewegen. Zu einer Wiedereinführung von Grenzkontrollen müssten eventuell Bestimmungen des Schengener Abkommens geändert werden.

Ein weiteres Treffen der EU-Minister ist für Freitag in Brüssel geplant. Zu besprechen gibt es viel: Am Sonntagabend musste die belgische Zeitung „Le Soir“ wegen einer Bombendrohung evakuiert werden. Auch sie hatte „Charlie Hebdo“-Karikaturen veröffentlicht.  cal/dpa

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