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Terror live: Für die Täter ist die mediale Übertragung ihrer Angriffe so wichtig wie die Attacke selbst.

Terrorismus und das Internetz

Das kalkulierte mediale Grauen

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München - Terroristen setzen bewusst auf brutale Bilder und Videos ihrer Taten, die sich über das Internet verbreiten.

Die 42 Sekunden sind unerträglich: Zwei maskierte Männer steigen aus ihrem Wagen aus, sie tragen Gewehre, laufen auf einen sich am Boden windenden Menschen zu, der noch abwehrend die Hände hebt, einer der Terroristen schießt ihm in den Kopf. Den ganzen Nachmittag lang steht das grauenvolle, von einem Amateurfilmer in Paris aufgenommene Video gestern auf der Video-Plattform Youtube im Netz. Im Gegensatz zu den Enthauptungsvideos des Islamischen Staats wird es nicht sofort gelöscht, sondern nur mit einer Warnung versehen, dass es nur Volljährige ansehen sollten.

Das mediale Grauen im Internet, aber auch in klassischen Medien kalkulieren die Terroristen genau mit ein. In Zeiten des Smartphones mit eingebauter Videokamera können sie sicher sein, dass die brutalen Taten dokumentiert und über die Sozialen Medien rasend schnell verbreitet werden. Auch die Terroristen wissen das und versuchen diese Tatsache für ihre Zwecke zu nutzen: Sie wollen ohnehin nicht nur töten und verletzen, sondern bei allen Menschen Angst erzeugen.

Schon die Anschläge des 11. September 2001 gelten als die ersten bewusst auch mit Blick auf die Massenmedien orchestrierten Attacken. Da das zweite Flugzeug einige Minuten nach dem ersten in die Türme des World Trade Center flog, waren Millionen Menschen vorm Fernseher live beim Grauen dabei. Eingebrannt haben sich auch die Bilder der blutverschmierten Angreifer in London, die einen Soldaten auf offener Straße ermordete und die Umstehenden sogar ermutigten, Bilder und Videos von der Tat zu machen.

Bei dem Angriff auf das Café im australischen Sydney kurz vor Weihnachten suchte sich der Täter bewusst ein Lokal aus, das gegenüber von den Studios eines Fernsehsenders liegt – mediale Übertragung des Anschlags garantiert. Fast live gingen die Bilder von Geiseln um die Welt, die eine Fahne mit dem islamischen Glaubensbekenntnis ans Fenster pressen mussten. Auch seine Forderungen wollte der Geiselnehmer über die Massenmedien verbreiten lassen, rief gezielt Journalisten an, doch die folgten der Bitte der Polizei und veröffentlichten die Forderungen nicht. Daraufhin zwang der Täter seine Geiseln Videos mit den Forderungen aufzunehmen, die sie dann bei Youtube hochladen mussten. Auch in diesem Fall reagierte das zum Suchmaschinenriesen Google gehörende Portal schnell und löschte die Videos umgehend. Warum das im Fall des Pariser Anschlags nicht geschah, ist unklar. Am Abend forderte sogar Innenminister Thomas de Maizière Youtube auf, das Video zu entfernen.

Die klassischen Medien haben sich darauf verständigt, maximal Standbilder von solchen Videos zu zeigen, um den Terroristen die angestrebte Bühne zu verweigern. Doch in Zeiten der Sozialen Netzwerke lässt sich die Verbreitung der brutalen Aufnahmen nicht verhindern. Selbst wenn Youtube das Pariser Video gelöscht hätte, wäre es längst an unzähligen anderen Orten im Netz wieder zu finden gewesen.

Doch das Internet zeigt auch, dass die große Mehrheit die Taten der Terroristen ablehnt. Gestern demonstrierten viele Nutzer bei Twitter ihre Solidarität mit den Opfern, indem sie die Hashtags #LibertéDeLaPresse (deutsch: „Pressefreiheit“) und #JeSuisCharlie („Ich bin Charlie“) verwendeten – letzteren in Anlehnung an den Namen der angegriffenen Zeitung „Charlie Hebdo“. Schnell gehörten beide Schlagworte zu den meistverwendeten bei Twitter – nicht nur in Frankreich, sondern auf der ganzen Welt. Insgesamt wurde #JeSuisCharlie rund 650.000 Mal getwittert.

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