+
Berlin Schöneberg: Hier nahmen Polizeibeamte einen Syrer fest, der im Verdacht steht, Mitglied einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu sein. Foto: Paul Zinken

Zweiter "Fall al-Bakr"?

Mutmaßliches IS-Mitglied in Berlin festgenommen

Wieder führen deutsche Polizisten einen Terrorverdächtigen ab. Ort des Geschehens ist diesmal die Hauptstadt. Ein zweiter "Fall Al-Bakr"?

Berlin (dpa) - Gut drei Wochen nach der Verhaftung des Syrers Dschaber al-Bakr in Leipzig haben Berliner Ermittler einen weiteren Terrorverdächtigen gefasst.

Beamte des Landeskriminalamtes nahmen den Mann - nach eigenen Angaben ein 27-jähriger Syrer - am Mittwochabend in einer Wohnung in Berlin-Schöneberg fest. Laut Bundesanwaltschaft wird er verdächtigt, Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen zu sein. Die Behörde will am Vormittag entscheiden, ob sie einen Haftbefehl beantragt.

Die Polizei teilte mit, der Mann stehe im Verdacht, Mitglied einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu sein. Das Portal "Focus Online" hatte am Abend geschrieben, der Festgenommene gelte als hochgefährlich. Es werde in Berliner Sicherheitskreisen von einem "zweiten Dschaber al-Bakr" gesprochen. Der Hinweis, der zur Festnahme des Syrers in Berlin geführt habe, sei von einem ausländischen Nachrichtendienst gekommen.

Das genaue Ausmaß der angenommenen Terrorbedrohung blieb zunächst unklar. Deutsche Sicherheitskreise äußerten sich am Donnerstag zurückhaltend: Die Hintergründe müssten erst ermittelt werden. Offen sei auch, ob es sich tatsächlich um einen zweiten Fall Al-Bakr handeln könnte, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus diesen Kreisen. Die Sicherheitsbehörden reagierten seit dem Fall Al-Bakr besonders sensibel und griffen deshalb bei Hinweisen schnell zu.

In jüngster Zeit hatte sich mehrfach gezeigt, dass islamistische Extremisten, etwa vom IS, auch Deutschland im Visier haben. Der mutmaßliche Terrorist Al-Bakr hatte sich schon Sprengstoff besorgt und wollte den Ermittlern zufolge einen Berliner Flughafen angreifen. Er erhängte sich kurz nach seiner Festnahme in seiner Gefängniszelle in Leipzig.

Im Berliner Fall wurde der Mann lediglich vorläufig festgenommen. Der nach eigenen Angaben 27 Jahre alte Syrer soll Sicherheitskreisen zufolge in Tunesien geboren sein. Die "Welt" gab seinen Namen mit Ashraf Al-T. an. Nach eigener Aussage hält er sich seit 2015 in Deutschland auf.

Der Verdächtige sei zusammen mit einem mutmaßlichen Komplizen deutscher Herkunft und gleichen Alters über einen längeren Zeitraum observiert worden, sagte ein Ermittler der "Welt". Informationen über mögliche Anschlagspläne erhofften sich die Ermittler durch Auswertung seiner Kommunikationsgeräte.

Artikel Welt online

Artikel Focus Online

Twitter-Account der Polizei Berlin

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schicksalstag für den Friedensprozess in Kolumbien
Erstmals seit langem steht Kolumbien vor einer echten Richtungsentscheidung: Die Kandidaten aus dem rechten und linken Lager haben grundverschiedene Zukunftsvisionen. …
Schicksalstag für den Friedensprozess in Kolumbien
Engste CDU-Spitze kommt zu Asyl-Krisentreffen nach Berlin
Erst Fußball gucken und dann der unangenehmere Teil: nämlich Beratungen über den Asylstreit mit der Schwesterpartei CSU. Angela Merkel hat die engste Führungsspitze der …
Engste CDU-Spitze kommt zu Asyl-Krisentreffen nach Berlin
Taliban zerschlagen Hoffnungen auf längere Waffenruhe in Afghanistan
Die historische Waffenruhe in Afghanistan ist voraussichtlich nicht von Dauer. Ein Taliban-Sprecher erteilte am Sonntag der von der Regierung angebotenen Verlängerung …
Taliban zerschlagen Hoffnungen auf längere Waffenruhe in Afghanistan
54 Tote bei IS-Anschlägen auf Friedenstreffen in Afghanistan
Nach Monaten blutiger Kämpfe halten Taliban und Regierung sich drei Tage lang an eine Feuerpause. Landesweit gibt es fast surreale Szenen der Verbrüderung. Eine …
54 Tote bei IS-Anschlägen auf Friedenstreffen in Afghanistan

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.