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Testlauf zur Gesichtserkennung durch Überwachungskameras

Mehr Sicherheit durch Kameras?

Testlauf zur Gesichtserkennung gestartet: Big Brother in Berlin

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Das Thema Gesichtserkennung nimmt Fahrt auf – seit Dienstag läuft ein Test in Berlin. Der Innenminister hofft, mithilfe der Technik Kriminelle zu finden. Doch es gibt viele Gegner.

München – Wenn Politiker und andere Menschen davon sprechen, dass etwas letztlich in Karlsruhe entschieden werde, dann ist die Sache ernst. So ist das auch beim Thema Gesichtserkennung. Der Anlass für die Aufregung befindet sich am Berliner Bahnhof Südkreuz. Dort analysieren seit diesem Dienstag drei verschiedene Software-Systeme die Gesichter der Menschen. Die Computer sollen erkennen, wann die rund 300 freiwilligen Teilnehmer des Testlaufs den Bahnhof betreten.

Pünktlich zum Start ließ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wissen, dass automatische Gesichtserkennung das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken könne. Am 24. August will sich de Maizière persönlich vor Ort informieren.

Kameras filmen die Gesichert, eine Software vermisst

Bei seinem Besuch dürften die involvierten Beamten der Bundespolizei ihrem Dienstherrn auch die Grundzüge der Technik erläutern. Die Kurzform: Hochauflösende Kameras filmen die Gesichter der Menschen. Eine Software vermisst die biometrischen Details ihres Gesichts und gleicht sie mit in der Datenbank hinterlegten Profilen ab. Bei entsprechender Übereinstimmung meldet das System: Person X befindet sich jetzt im Bahnhof.

Geht es nach den Sicherheitsbehörden, stärkt das ihre Arbeit. Die Hoffnung: Gesuchte Kriminelle könnten entdeckt, möglicherweise gar Attentäter vor einem Anschlag aufgehalten werden. Spätestens hier aber beginnt die Kritik, die sich durch fast alle politischen Lager zieht.

Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz, Fraktions-Vize im Bundestag, sieht den Testlauf in Berlin äußerst skeptisch. Gegenüber unserer Zeitung warnte er am Dienstag vor einem massiven Eingriff in die Freiheitsrechte und einem „latenten Gefühl des Überwachtwerdens“. Viele technische und politische Fragen seien ungeklärt. Seine Fraktion habe dazu auch eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt – bisher ohne Antwort.

„Mit unserer Vorstellung von Freiheit nichts mehr zu tun“

Die Zweifel finden sich nicht nur bei den Grünen. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer erklärte gegenüber unserer Zeitung, auch ihre Partei sei bei solchen Erprobungen skeptisch. „Die automatisierte staatliche Gesichtserkennung würde völlig neue Bewegungsprofile ermöglichen, die mit unserer Vorstellung von Freiheit nichts mehr zu tun haben.“

Berlin, Bahnhof Südkreuz: Hier wird die Gesichtserkennung ab sofort getestet.

Mahnende Worte kommen auch von der Linkspartei und dem SPD-Politiker Christoph Lauer. Und Ulrich Schellenberg, Chef des Deutschen Anwaltvereins, warnt am Dienstag vor einem „Überwachungsstaat, der uns immer weniger Luft gibt“. Es gebe zudem keine grundgesetzliche Basis.

Tatsächlich ist offen, inwieweit eine großflächige Einführung der Gesichtserkennung rechtlich möglich ist. Im September 2016 konstatierte ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag, dass der Einsatz eine „Ergänzung der Rechtsgrundlage“ erfordere. Die Rede ist von einem vertieften Eingriff in die Grundrechte – wenn Kameras bald an allen Flughäfen und Bahnhöfen die Gesichter analysieren sollten.

Der erste Versuch vor 10 Jahren endete ernüchternd

Der Test in Berlin ist der zweite Versuch, die Technik im Alltag zu prüfen. Der erste Anlauf liegt zehn Jahre zurück – und endete ernüchternd. Im Jahr 2007 lag die Trefferquote der Gesichtserkennung am Mainzer Hauptbahnhof selbst bei Tageslicht bei nur 60 Prozent.

Das ist zehn Jahre her, technisch gesehen eine Ewigkeit. Längst gibt es bessere Software und Kameras. Allerdings hängen an vielen Bahnhöfen bis heute ältere Modelle. Für einen weitläufigen Einsatz der Gesichtserkennung wäre eine entsprechend teure Aufrüstung nötig. Von einem dreistelligen Millionenbetrag ist zu hören.

Ist die Technik gegen Triks und Manipulationen gewappnet?

Zu klären ist auch, ob die Technik mittlerweile besser gegen Tricks und Manipulationen gewappnet ist. Datenschützern zufolge kann schon eine große Mütze oder ein über den Mund gezogener Schal die Software vor unlösbare Herausforderungen stellen. Kritiker verweisen auch auf London, wo es trotz der Technik viele Anschläge und andere Straftaten gebe.

Gegner und Befürworter der Technik eint allerdings eine Einschätzung. Am Ende, sagen die meisten Gesprächspartner, am Ende werde das Thema vom Bundesverfassungsgericht entschieden. In Karlsruhe also.

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