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Theo Waigel ist Ehrenvorsitzender der CSU und Ex-Finanzminister.

Waigel warnt vor Euro-Gegnern

„Das ist ein Strohfeuer – es wird verglühen“

München - Theo Waigel gilt als „Vater des Euro“: Der frühere Finanzminister will die Gemeinschaftswährung nicht leichtfertig preisgeben. Was tun, wenn Rufe nach der D-Mark laut werden? Ein Gespräch mit dem CSU-Ehrenvorsitzenden (73).

Kleiner Erinnerungstest: Welche Farbe hatte der Hundert-Mark-Schein?

(lange Pause) Fragen Sie mich nicht. Ich rechne seit zwölf Jahren in Euro. War er nicht – blau? Ein blauer Adler?

Richtig. Sollten wir uns wieder mal an die Mark gewöhnen?

Nein! Der Euro bleibt. In den letzten Tagen gab es wieder eine Umfrage: Fast 70 Prozent der Deutschen wollen ihn behalten. Das Nachdenken über die Vorteile des Euro ist heute viel tiefer, als die Mahner und Pessimisten vermitteln.

Nicht alle: In Berlin gründet sich jetzt eine Partei, die zurück zur D-Mark will. Alles Blödsinn?

Das ist ein Strohfeuer, es wird verglühen. Es ist ja nicht das erste Mal. Ich kann mich erinnern, wie in den 90ern Manfred Brunner den gleichen Versuch gemacht hat. Ich hatte ihn eigentlich ganz gern. Ich habe ihn damals lang angerufen: „Sie sind doch ein verantwortlicher Demokrat – lassen Sie’s! Es ist schade um Sie. Es geht schief.“ Und es ging schief. Auch diese neue Bewegung macht keinen Sinn, so wie die Anti-Europa-Haltung der Freien Wähler nicht erfolgreich war. Eine große Mehrheit in Deutschland, auch in Regierung und Opposition, denkt grenzüberschreitend europäisch. Das ist ein Glücksfall.

Warum? Können Sie einem einfachen Gemüt wie mir erklären: Was nutzt uns der Euro?

Das kann ich. Ohne den Euro hätten wir eine gewaltige Aufwertungstendenz der deutschen Währung, 20 bis 30 Prozent. Das hieße: Exporte brechen ein, die Arbeitslosigkeit steigt, die Staatsschulden explodieren, das Wirtschaftswachstum sinkt um zehn bis 15 Punkte. Dass wir in Europa am besten dastehen, wie eine Insel der Seligen, hat Gründe: Wir sind mit der Agenda 2010, vernünftigen Tarifparteien und mit Innovationen wettbewerbsfähiger geworden. Jetzt sind wir die großen Profiteure des Euro. Ich habe ausgerechnet: 20 Prozent Währungs-Aufwertung würde die bayerische Landwirtschaft 800 Millionen Euro kosten. Das kann ihnen kein Minister ersetzen.

Schmerzt Anti-Euro-Gerede den Vater des Euro?

Ja. Mit Emotionalität und Rationalität gemeinsam kann man die Menschen überzeugen.

Was raten Sie als Ehrenvorsitzender der CSU, um gegen die Neugründung gewappnet zu sein?

Die CSU muss ganz klar darstellen: Der Euro ist stabil. Das kann man nachweisen. Zweitens muss die CSU sagen, dass wir in Europa mitbestimmen. Unser Selbstverständnis heißt: Wir sind eine bayerische, eine deutsche und eine europäische Partei. Wir ziehen uns nicht nach Neuschwanstein zurück.

Politiker und ihre Affären

Politiker und ihre Affären

Ihre Prognose: In 20 Jahren zahlen wir mit...

...Euro, ganz sicher! Die Frage ist, wie die Eurozone dann aussieht. Großbritannien wird nicht dabei sein, vielleicht aber die Schweiz und sicher das eine oder andere Land aus Mittel- und Osteuropa. Die Eurozone muss dann aber ganz klar eine Rechts- und Stabilitätsgemeinschaft sein

Interview: Christian Deutschländer

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