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Thomas Goppel (67) war schon unter Strauß im Kabinett.

Konservatives Profil schärfen

Goppel: "Seehofer muss auch unbequeme Themen aufgreifen"

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München - Ex-Minister Thomas Goppel lobt Hans-Peter Friedrich für seinen Vorstoß. Der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister fordert eine Rückkehr zu konservativen Werten.

Thomas Goppel, ehemaliger bayerischer Wissenschaftsminister und Chef der Senioren-Union, ist in der CSU bekannt für seine konservative Haltung. Der Münchner Merkur sprach mit ihm über Friedrichs Vorstoß.

Friedrich weist Merkel die Schuld am Erstarken von Pegida und AfD zu. Geben Sie ihm Recht?

Er hat Recht, wenn er sagt, dass unser konservatives Profil nicht ausreichend gepflegt wird. Wir müssen nachbessern – und dabei bewahren. Unwiederbringliche Denkmäler schützen wir mit Gesetzen – in der Politik passiert das leider nicht. Das ist schade. Dass sich Friedrich zu Wort gemeldet hat, ist gut.

Was möchten Sie denn bewahren?

Die Familienpolitik zum Beispiel, so wie sie 1949 im Grundgesetz gedacht war. Heute reden wir über Sonderformen, zum Beispiel gleichgeschlechtliche Ehen, mit und ohne Kinder, aber nicht mehr über das Idealbild: Vater, Mutter, Kinder.

Die CSU könnte Merkel ja dreinreden. War man zu lange zu nett?

Es wäre falsch, nur Merkel die Schuld zu geben. Die Union, die CDU mehr als die CSU, läuft lange schon Kleingruppen nach, deren Einfluss wächst, weil die schweigende Mehrheit den Mund hielt. Wenn Regen ständig an ein Fenster prasselt und ich den Rahmen nicht regelmäßig lackiere, wird es undicht.

Hat es ein konservativer Politiker derzeit schwer?

Ich habe keine Schwierigkeiten. Wenn ich mich zu Wort melde, geben mir viele Recht.

Es gibt die Gruppe „Konservativer Aufbruch“ in der CSU, Sie waren Gastredner ausgerechnet in Rott am Inn – dort ist das Grab von Strauß. Ist das der richtige Weg?

Da sind gute Köpfe dabei, und die brauchen wir in der Union. Das ist wie bei einer beschädigten Holzpuppe, für die ein Teil nachgeschnitzt werden muss. Mit den Konservativen in unseren Reihen wurde lange nicht geredet, sondern nur über sie. Das isoliert. Und: Wo eine Partei zu einem Thema schweigt, verflacht das Profil.

Sie wollten die CSU mit einem Parteitags-Antrag auf konservativen Kurs bringen. Er wurde in die Grundsatzkommission verwiesen – das bedeutet St. Nimmerleinstag...

Das behaupten manche, aber genau in der Grundsatzkommission sollte er landen. Nur so gehen unsere bewährten Ziele nicht verloren.

Warum ging die Deutschpflicht-Debatte so in die Hose?

Das war unnötig. Warum die Kommunikation schief lief, kann ich nicht beurteilen. Wieder gilt: Ein lange verschwiegenes Thema wird unwichtig. Und die deutsche Sprache in Deutschland ist wichtig. Wenn einer von uns etwas in den Keller trägt, gibt er es auf.

Liegt da unten im Partei-Keller auch das alte Strauß-Dogma, dass es rechts neben der CSU keine Partei geben darf?

Die Frage ist, ob ich meine Ziele so weit aufgebe, dass neben mir Platz wird.

Wenn die CSU ihre Wähler bei der AfD oder bei Pegida sucht – wollen Sie die überhaupt haben? Darunter sind viele rechts.

Unter denen, die ich behalten oder wiedergewinnen will, nicht. Meine Aufgabe ist nicht zuerst, den Andersgläubigen zu gewinnen. Suchenden muss ich allerdings zeigen, welche Herberge die richtige ist.

Welche Fehler werfen Sie Horst Seehofer vor?

Niemand ist so nah am Volk dran wie er. Aber gerade dann ist man verpflichtet, die Themen aufzugreifen, die morgen wichtig sind – und unbequem. Darin war Franz Josef Strauß Meister.

Interview: Carina Lechner

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