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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Kommentar

Verzweifelt in Thüringen: AKK und Lindner sind massiv beschädigt

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Das Erdbeben von Erfurt lässt auch andere schwer beschädigt zurück - auch in Berlin. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. 

  • Thüringens 25-Stunden-Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP) ist bereits wieder zurückgetreten.
  • Das Wahl-Beben aus Erfurt hinterlässt einen Scherbenhaufen. 
  • Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Die Freude über ihr vermeintliches Husa renstück im Landtag ist den Thüringer Siegern schnell vergangen. Im selben affenartigen Tempo, in dem vorwitzige Parteifreunde ihre Gratulations-Tweets löschten, hat nun auch der 25-Stunden-Ministerpräsident Thomas Kemmerich seinen Rücktritt eingereicht. Zurück bleibt ein riesiger Scherbenhaufen: In der FDP rollt die Austrittswelle, über der CDU tobt ein Shitstorm, und die Parteichefs Annegret Kramp-Karrenbauer und Christian Lindner sind in ihrer Autorität massiv, vielleicht sogar irreversibel beschädigt.

Wahl-Beben in Thüringen: Rechtsradikale führen die Staatsparteien vor - Ein Kommentar

Denn es ist auch ihr Führungsversagen, dass aus dem Unvermögen von Landespolitikern in Erfurt am Ende eine weltweit beachtete Affäre werden konnte, in der Rechtsradikale die Staatsparteien CDU und FDP vorführten. Niemand (außer dem schleswig-holsteinischen CDU-Ministerpräsidenten Daniel Günther) kann von beiden Parteien ernsthaft verlangen, sich zum Mehrheitsbeschaffer für die von den Bürgern abgewählten Ex-Kommunisten um Bodo Ramelow zu degradieren; aber stattdessen den Rechtsextremen um Björn Höcke verschwörerisch die Hand zu reichen, war, bei aller Verzweiflung, ein unverzeihlicher Anfängerfehler

Kein deutscher, auch kein ostdeutscher Politiker sollte je vergessen, welch heftige Erschütterungen das auch 75 Jahre nach Kriegsende noch immer in dem Staat auslöst, der einst Hitler und den Holocaust hervorgebracht hat.

Wahl-Beben in Thüringen: Der Machtanspruch des aggressiven Eiferers Björn Höcke

Die „bürgerliche Politik“, die CDU und FDP in Thüringen so oft beschwören, lässt sich nicht verwirklichen, indem man sich dem Machtanspruch eines aggressiven Eiferers wie Höcke unterwirft. Doch darauf zu warten, dass die immer radikaler auftretende Ost-AfD irgendwann koalitionsfähig wird, ist vermutlich ein ebenso frustrierendes Unterfangen. Die einzige Chance von CDU und CSU besteht darin, selbst zu einer unverwechselbar bürgerlichen Politik zurückzukehren, die auf die Bürger wieder anziehend wirkt. Doch auch dahin ist es nach Angela Merkel ein langer und mühsamer Weg. 

Nach dem Eklat in Thüringen stellten führende Bundespolitiker schnell klar, dass sie eine Zusammenarbeit mit der AfD prinzipiell ausschließen. Eine Umfrage förderte nun zu Tage, dass die Wähler der FDP das überraschenderweise anders sehen.

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zieht drastische Konsequenzen aus der desaströsen Ministerpräsidentenwahl in Thüringen. Sie nimmt radikal Abschied von möglichen Höhenpunkten ihrer politischen Karriere. Besonders auffällig: Die Reaktion von Erzrivale Friedrich Merz.

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