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Die thüringische Finanzministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Birgit Diezel am Freitag während einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei in Erfurt.

Nach dem Unfall von Ministerpräsident Althaus

Thüringer CDU in Not

Erfurt - Der Unfall von Dieter Althaus ist für die Thüringer CDU ein Schock. Als Ministerpräsident und Parteichef hatte er bisher fast alle Machtfäden fest in der Hand. Erst vor sechs Wochen war er auf dem Landesparteitag mit 100 Prozent wiedergewählt worden.

Der Ausfall von Dieter Althaus kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt – denn 2009 ist Superwahljahr mit Europa- und Kommunalwahlen im Juni, Landtagswahl im August und Bundestagswahl im September. Die CDU hofft nun, dass ihr Zugpferd rechtzeitig wieder in Tritt kommt.

Die Geschäfte übernimmt vorerst Finanzministerin Birgit Diezel (CDU). „Die Landesregierung ist handlungsfähig“, sagte sie zum Antritt ihres vorläufigen Amtes am Freitag. Dabei ließ sie keinen Zweifel, dass sie auf Althaus’ schnelle Genesung setzt: „Ich baue auf seine Fitness – wir alle bauen darauf.“

Auf seine gute Fitness hatte auch Althaus selbst im Wahlkampf gebaut. Vor fünf Jahren kam er mit der CDU auf 43 Prozent der Wählerstimmen. Das reichte in dem Drei-Parteien-Parlament für eine knappe absolute Mehrheit. Nach aktuellen Umfragen ist dieses Ergebnis jedoch in weite Ferne gerückt. Die CDU wird zwischen 30 und 35 Prozent gesehen und damit nur noch knapp vor der Links-Partei.

Den Wahlkampf wollte Althaus – nach dem Vorbild von Christian Wulff aus Niedersachsen – ganz auf sich zuschneiden. Immer wieder setzte er sich als Landesvater in Szene. Zuletzt engagierte er zwei Bands, mit denen er zusammen eine Thüringen-Hymne einspielte. Als langjähriges Kirchenchor-Mitglied sang er dabei mit einem achtjährigen Jungen die Zeile: „Das ist Thüringen! So sind wir! Wir stehen fest zusammen – Hand in Hand.“

Ohne ihre Führungsfigur müsste sich die Thüringer CDU neu formieren. Keiner kann sagen, was passiert, sollte Althaus für den Wahlkampf ausfallen. Wird dann sein Team für ihn kämpfen – oder muss ein neuer Spitzenkandidat gefunden werden? Einen Kronprinzen hat Althaus angesichts seiner jungen Jahre nicht aufgebaut. Sein politischer Ziehsohn Mike Mohring, der im Mai zum Fraktionsvorsitzenden aufgestiegen ist, gilt mit seinen 37 Jahren als zu unerfahren.

Aus der Kabinettsriege sticht, nicht zuletzt wegen der jüngsten Umbildung, kein Kandidat heraus. Eine gute Ausgangsposition wird Sozialministerin Christine Lieberknecht zugeschrieben. Sie zählt zum Urgestein der Thüringer CDU und hat seit der Wiedervereinigung etliche Positionen im Kabinett, der Fraktion und als Landtagspräsidentin besetzt. Eine wichtige Rolle kommt auch Finanzministerin Diezel zu. Sie kann in den kommenden Wochen zeigen, ob sie der Führungsposition gewachsen ist. Vorläufig will sie die Staatskanzlei jedoch aus ihrem Ministerium heraus leiten.

Angela Merkel reagierte „tief betroffen und geschockt“ auf den Unfall. Die Bundeskanzlerin stehe in Kontakt mit Frau Althaus, sagte ein Regierungssprecher, und lasse sich regelmäßig unterrichten. Merkel wünsche Althaus, mit dem sie eine vertrauensvolle Beziehung verbinde, alles Gute.

„Ich bin erschüttert“, sagte die Präsidentin des Thüringer Landtags, Dagmar Schipanski. „Unsere Gedanken sind bei der Familie des Ministerpräsidenten.“

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