Wiesn-Ticker: Fahrgeschäft wegen Störung außer Betrieb - und es ist ausgerechnet dieses

Wiesn-Ticker: Fahrgeschäft wegen Störung außer Betrieb - und es ist ausgerechnet dieses
+
„Das geht nicht“: Hubert Aiwanger verzichtet gerne auf Werhahn-Hilfe.

Nach Trennung von Stephan Werhahn

Aiwanger: „Tiefer Griff in die Schmutzkiste“

  • schließen

München  - Mit einem Knall trennen sich die Freien Wähler und ihr Bundestags-Spitzenkandidat Stephan Werhahn. Er wechselt zurück zur CDU und hinterlässt den Freien einen leeren Stuhl und einen Haufen Vorwürfe. Was nun?

Hubert Aiwanger (42) , Landes- und Bundeschef, weint Werhahn nicht hinterher.

Pauli, Henkel, nun Werhahn – Personalberater wäre wohl nicht Ihr Traumjob, Herr Aiwanger?

(lacht) Ich sag mal so: Pauli ist gegen meinen Willen zu uns gekommen. Henkel war nicht Mitglied bei uns, hat uns aber eine Zeit lang begleitet und wir hatten mehrere gemeinsame Pressekonferenzen. Werhahn hätte Spitzenkandidat werden sollen, ihn hat aber die letzten Wochen der Mut verlassen. Er hat die Nerven verloren, weil er keinen schnellen Erfolg mehr sah.

„Der macht keinen Blödsinn“, sagten Sie bei seiner Vorstellung. Na?

Werhahn war die letzten Wochen nicht mehr der selbe wie anfangs, als ich ihn kennenlernete. Er erschien mir durchaus so, als wollte er mit uns die Bundespolitik erneuern. Schade dass er das nicht durchgehalten hat, wir stehen ja erst am Anfang unserer Arbeit.

Jetzt wird’s schmutzig. „Frauengeschichten“ wirft er Ihnen vor, das verunsichere die Partei.

Ich kann darüber nur den Kopf schütteln. Wie tief er in die Schmutzkiste greifen will und wer ein Interesse daran hat, das muss Werhahn selbst wissen. Er bezieht sich wohl auf die frühere Geschäftsführerin, die Zusammenarbeit mit ihr endete vor mehr als einem Jahr. Hier gab es am Ende viel Ärger, auch juristisch. Wenn er von "Frauengeschichten“ spricht sollte er erstmal nachdenken.

Trotzdem fällt auf: Neben Hubert Aiwanger hält keiner lang durch. Sind Sie zu raumgreifend in der FW-Spitze?

Nein. Aber dass ich weder Pauli noch Werhahn freie Hand lassen durfte, ist doch offensichtlich. Er hat zuletzt darauf gedrängt, dass die Freien Wähler kurzfristig doch nicht zur Bundestagswahl antreten sollten, sondern eine andere Konstellation unterstützen – diese AFD da. Das geht nicht.

Das sind doch auch Euro-Skeptiker.

Wir sind Rettungsschirmgegner, aber keine Eurogegner. Inhaltlich passt das nicht. Dort sammeln sich Marktradikale, Neoliberale, abgesprungene FDPler, welche beispielsweise die erneuerbaren Energien ablehnen und längere Atomkraftlaufzeiten wollen. Sie sind auch beim Euro zu radikal. Ein Austritt Deutschlands aus dem Euro wie von denen verlangt ist politischer Unsinn.

Klingt moderater als früher von Ihnen...

Nein, ich habe nie was anderes gesagt, man muss mir nur zuhören. Der Euro, wenn er funktioniert, ist ok. Wenn er nicht funktioniert, müssen wir einzelnen schwachen Ländern mit einer Parallelwährung helfen, wieder wettbewerbsfähig zu werden. Ich habe Werhahn gesagt, wir müssen unserer Linie treu bleiben, er hat es nicht verstehen wollen. Am Ende hätte er sich jedem an die Brust geworfen, über den er noch kurz vorher geschimpft hat. Und den Rat, die Freien Wähler sollten nicht zur Bundestagswahl antreten, hat er uns gegeben, als er wohl schon mit der CDU verhandelte. In wessen Namen hat er da gesprochen?

Mal ehrlich – ist die Bundestags-Wahl für Sie nicht wirklich schon abgehakt?

Nein! Ein halbes Jahr davor? Das Projekt Bundestag erfordert einen langen Atem und den bringen wir mit.

Kein Spitzenkandidat, angeblich kaum Geld...

Wir bekommen heuer über 900 000 Euro Mittel aus der Parteienfinanzierung vom Bund. In diesen Wochen fließt ordentlich Geld aus der Bundeskasse der Freien Wähler in die Landeskassen. Wir können zusätzlich aus der Bundeskasse kurzfristig jeden Direktkandidaten in den Ländern mit 500 Euro für den Wahlkampf unterstützen, darüber hinaus helfen wir mit Plakaten und Material. Wir bauen gerade unsere Bundesgeschäftsstelle aus. Ich kenne die Bundespartei vom ersten Tag an und bin glücklich darüber, dass wir heute so gut dastehen.

Einen Spitzenkandidaten brauchen Sie nicht?

Nicht zwangsläufig. Ich hätte mit Werhahn viele Termine gemeinsam gemacht, jetzt mach ichs eben als Bundesvorsitzender alleine mit den Spitzenkandidaten der Länder für die Bundestagswahl.

Wer wird das in Bayern sein? Doch Sie selbst?

Nein. Ich persönlich kandidiere 2013 für den Landtag. In Bayern haben wir viele gute, auch junge Leute für den Bundestag. Wir wollen gezielt ein Signal für die Jugend setzen, möglicherweise die jüngste Liste aller Parteien für den Bundestag anbieten. Die Liste und der Listenanführer für die Bundestagswahl in Bayern wird am 13. April gewählt.

Wie stark nervt Sie die interne Kritik aus Berlin und dem Saarland?

Ich wundere mich, wie reißerisch darüber berichtet wird. Da heißt es, große Teile aus dem Landesverband Berlin seien zur AFD übergelaufen. Es waren sieben Mitglieder – von 40. Das ist ein inhaltlicher Reinigungsprozess. Im Saarland hat die Landesvereinigung weniger als 90 Mitglieder, von denen die Mehrheit auf die Abwahl des dortigen Landesvorsitzenden Herrn Richter dringt, der vollmundig und ohne eigenen Rückhalt meinen Rücktritt fordert. Trotzdem steht in den Zeitungen, "Saarland rebelliert gegen Aiwanger". Zum Vergleich: Mein Ortsverband in Rottenburg hat 160 Mitglieder. Insgesamt finden Sie keine 20 von 6000 Mitgliedern bundesweit, die jetzt als meine großen Kritiker dargestellt werden.

Mit welchen Themen wollen Sie aus dem Schmutzeleien-Tief rauskommen?

Bildungspolitik bleibt ein Brennpunkt. Wir diskutieren die Wahlfreiheit beim Gymasium. Auch viele Lehrer sind mit G8 und Flexijahr unzufrieden. Lasst doch G8 und G9 parallel, wie es auch Hessen macht. Ein wichtiges Thema für uns ist auch die Wasserversorgung. Wir wollen eine Unterschriftensammlung gegen die Privatisierung starten. Jede Kommune muss freie Hand haben, wie sie die Wasserversorgung organisiert. Außerdem begleiten wir die Großprojekte weiter kritisch: Gegen die Donaustaufstufe, und zwar unwiderruflich, und gegen die 3. Startbahn. Und gegen die zweite Münchner S-Bahn-Röhre, wenn sie unkalkulierbare Risiken für Bayern bringt. Da landen wir sonst in München wie bei Stuttgart 21.

Interview: Christian Deutschländer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Parlamentswahl in Neuseeland: Konservativer Premierminister wiedergewählt
Neuseelands konservativer Premierminister English entscheidet die Parlamentswahl klar für sich. Trotzdem kann er sich nicht ganz sicher sein, im Amt zu bleiben. Viel …
Parlamentswahl in Neuseeland: Konservativer Premierminister wiedergewählt
Atombombe oder Erdbeben? Erneut Schwingungen nahe Testgelände in Nordkorea
In der Nähe eines Atomwaffentestgeländes in Nordkorea hat die Erde gebebt. Hat der Machthaber Kim Jong-Un eine neue Atombombe gezündet? Südkoreanische Experten sagen …
Atombombe oder Erdbeben? Erneut Schwingungen nahe Testgelände in Nordkorea
Iran testet inmitten politischer Spannungen neue Mittelstreckenrakete
Nach jüngsten Auseinandersetzungen über das Iran-Atomabkommen hat der Iran nun ein eindeutiges Zeichen in Richtung der USA gesetzt - und den erfolgreichen Start einer …
Iran testet inmitten politischer Spannungen neue Mittelstreckenrakete
Kritik an Mays Brexit-Rede
Die Kritik an der Brexit-Rede von Theresa May nimmt zu. Besonders bitter für die Premierministerin: Nach ihrem Auftritt stufte eine US-Ratingagentur die Kreditwürdigkeit …
Kritik an Mays Brexit-Rede

Kommentare