+
Krankenkassenkarten (Symbolbild).

„Nur noch eine Frage der Zeit“

TK-Vorstand sagt Ende der Privaten Krankenkassen voraus

  • schließen

Die Techniker Krankenkasse (TK) hält die Tage der Privaten Krankenversicherung (PKV) für gezählt.

München – Das Ende der PKV in der Vollversorgung sei „nur noch eine Frage der Zeit“, sagte Vorstandsmitglied Karen Walkenhorst im Gespräch mit unserer Zeitung. Selbst innerhalb der PKV-Branche scheine man gerade zu bemerken, „dass ihr Modell kein Zukunftsgeschäft ist“, sagte Walkenhorst weiter. Anfang des Jahres hatte sich der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, bereits ähnlich geäußert.

Karen Walkenhorst verantwortet bei der Techniker Krankenkasse die Unternehmensbereiche Mitgliedschaft und Beiträge, Markt und Kunde sowie Personal. Sie ist seit mehr als 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig – arbeitete unter anderem für den Verband der Ersatzkassen (vdek), und das Bundesgesundheitsministerium.

PKV-Verbandsdirektor widerspricht vehement

Der Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung, Volker Leienbach, widersprach vehement. „Vom nahenden Ende der PKV zu sprechen, ist abwegig“, sagte er auf Anfrage. Die Privaten seien gut auf die demographischen Herausforderungen vorbereitet. „Ich blicke zuversichtlich in die Zukunft. Wir haben 250 Milliarden Euro an Rücklagen, das sind neun Jahresausgaben.“ 

Können Versicherte bald per Smartphone auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen -  Lesen Sie hier das ganze Interview mit TK-Vorstandsmitglied Karen Walkenhorst

Die Rücklagen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) reichten hingegen nur für die Ausgaben von sechs Wochen, betonte Leienbach. Trotz Niedrigzins-Umfeld habe man 2017 eine Nettoverzinsung von 3,5 Prozent erwirtschaftet. Und in den letzten zehn Jahren seien die PKV-Beiträge weniger stark gestiegen als die GKV-Beiträge. Deshalb seien Walkenhorsts Äußerungen nur „entweder durch Unkenntnis oder durch Angst vor dem Wettbewerb“ zu erklären.

Lesen Sie auch: Bei Krebs: Einfrieren von Ei- und Samenzellen soll von Kassen übernommen werden

Dem PKV-Verband gehören nach eigenen Angaben 48 Unternehmen an, bei denen mehr als 34 Millionen Versicherungen bestehen. Dazu zählen auch über 25 Millionen private Zusatzversicherungen. Knapp 9 Millionen Menschen sind komplett privat krankenversichert. Die Zahl nimmt seit 2012 ab. Mehr als 70 Millionen Menschen sind in Deutschland gesetzlich versichert. Die Techniker Krankenkasse hat rund zehn Millionen Versicherte.

Sebastian Horsch

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

AfD wählt in Magdeburg 40 Kandidaten für Europawahl
Magdeburg (dpa) - Die AfD setzt am Vormittag ihre Europawahlversammlung in Magdeburg fort. Die Delegierten wollen insgesamt 40 Kandidaten für die Wahl zum Europäischen …
AfD wählt in Magdeburg 40 Kandidaten für Europawahl
Verkehrskollaps in Frankreich befürchtet
Paris (dpa) - Wegen landesweiter Proteste gegen höhere Spritpreise wächst in Frankreich die Sorge vor einem Verkehrskollaps. Die Bewegung "Gilets Jaunes" (gemeint: …
Verkehrskollaps in Frankreich befürchtet
Kampf um die Merkel-Nachfolge: Spahn will mit Thema Obergrenze punkten
Der Kampf um die Nachfolge von Angela Merkel tobt. In Lübeck stellten sich die drei möglichen Kandidaten Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz den Parteimitgliedern. Alle …
Kampf um die Merkel-Nachfolge: Spahn will mit Thema Obergrenze punkten
Ministerium will Geflüchtete mit Plakaten zur Rückkehr bewegen - und erntet Empörung
Es gibt sie unter anderem auf Russisch und Arabisch: Auf Plakaten verspricht das Innenministerium Flüchtlingen einen Bonus - wenn sie bis Ende des Jahres ausreisen. Das …
Ministerium will Geflüchtete mit Plakaten zur Rückkehr bewegen - und erntet Empörung

Kommentare