22-Jähriger stirbt nach Entlassung

Tod des US-Studenten Warmbier: Übt Trump Vergeltung an Nordkorea?

Folgt auf den Tod des jungen US-Studenten Otto Warmbier eine politische Reaktion des Präsidenten? Donald Trump hat in einem Statement sein Beileid bekundet - und Nordkorea erneut kritisiert.

Washington - US-Präsident Donald Trump hat Nordkorea nach dem Tod des US-Studenten Otto Warmbier scharf kritisiert. Die Regierung in Pjöngjang sei ein "brutales Regime", sagte Trump während einer Veranstaltung im Weißen Haus am Montagabend. Es seien "schlimme Dinge" passiert, aber immerhin sei es gelungen, Warmbier noch "nach Hause zu seinen Eltern" zu holen. Der Familie übermittelte Trump in einem Schreiben sein "tiefes Beileid".

Folgt eine politische Reaktion auf den Tod Warmbiers?

Nun wartet vor allem die amerikanische Öffentlichkeit auf eine politische Reaktion des Präsidenten. Im schwelenden Konflikt zwischen den USA und Nordkorea könnte der tragische Tod des jungen Mannes zur Eskalation führen, befürchten einige Beobachter. Ein militärischer Schlag scheint allerdings unwahrscheinlich, Trump setzt in seinem Statement eher auf Mitgefühl denn auf die sonst für ihn übliche polternde Rhetorik. Denn: Derzeit befinden sich noch drei weitere US-Bürger in nordkoreanischer Gefangenschaft.

Der US-Präsident soll Außenminister Rex Tillerson persönlich damit betraut haben, die Freilassung des 22-Jährigen möglich zu machen. Tillerson hatte mit Hilfe Schwedens (die USA unterhalten keine diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea) mit Pjöngjang verhandelt. Zudem soll laut Süddeutscher Zeitung der Ex-Basketball-Star Dennis Rodman nach Nordkorea gereist sein, um dort mit Kim Jong-un zu sprechen, der als Fan des Sportlers gilt. Der tatsächliche Strippenzieher vor Ort war aber der Sonderbeauftragte des US-Außenministeriums, Joseph Yun, der mit einem medizinischen Team nach Pjöngjang gekommen ist, nachdem in einem Gespräch mit dem nordkoreanischen UN-Botschafter der schlechte Gesundheitszustand Warmbiers bekannt geworden war. Yun beantragte die Entlassung aus humanitären Gründen.

Otto Warmbier: Familie gibt Tod des Sohnes bekannt

Die Familie des Studenten hatte am Montagabend mitgeteilt, dass der 22-Jährige in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Cincinnati im Bundesstaat Ohio gestorben sei. Nach Angaben der Ärzte hatte der 22-Jährige schwere Verletzungen im Gehirn erlitten.

Der Student, der Nordkorea mit einer Reisegruppe besucht hatte, war im März 2016 wegen Diebstahls eines Agitprop-Posters und "Verbrechen gegen den Staat" zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Ungefähr seitdem soll er laut von seinen Eltern erhaltenen Informationen im Koma liegen. Angeblich erlitt er eine Nahrungsmittelvergiftung und erhielt danach Schlafmittel, woraufhin er nicht mehr aufwachte. Vergangene Woche wurde Warmbier aus "humanitären Gründen" freigelassen und in die USA ausgeflogen. Dort wurde er umgehend in die Klinik in Cincinnati gebracht.

Warmbiers Reiseagentur stoppt Nordkorea-Reisen für US-Bürger

Nach dem Tod des US-Studenten Otto Warmbier nimmt die von ihm genutzte Reiseagentur Nordkorea-Besuche für US-Touristen aus dem Programm. Das Risiko sei "zu groß geworden", teilte das in China ansässige Unternehmen Young Pioneer Tours am Dienstag auf seiner Facebook-Seite mit. "Wir werden für US-Bürger keine Reisen mehr nach Nordkorea organisieren." Die Reiseagentur mit Sitz im chinesischen Xian war 2008 von einem britischen Auswanderer gegründet worden. Als einer der wenigen Anbieter organisierte sie Tauch- und Radtouren in Nordkorea. Young Pioneer Tours warb damit, abenteuerlustige Touristen an Orte zu bringen, "von denen deine Mutter dich fernhalten will", darunter Nordkorea und der Iran. Das abgeschottete kommunistische Land bewarb die Agentur als "einen der sichersten Orte der Welt". Im Zusammenhang mit dem Fall des 22-jährigen US-Studenten geriet Young Pioneer Tours in die Kritik.

kb/afp

Rubriklistenbild: © dpa

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