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Eine Frau weint im Oktober 1988 vor einem CSU-Infokasten mit einem Foto mit Trauerrand des gestorbenen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Franz Josef Strauße.

Viele unveröffentlichte Bilder

Als Franz Josef Strauß starb: So weinte Bayern

München - Vor 25 Jahren, am 3. Oktober 1988, starb CSU-Legende Franz Josef Strauß. In vielen Bilder, darunter viele bis heute unveröffentlichte, zeigen wir Ihnen, wie Bayern um ihn trauerte.

Ein Mann blickt dem CSU-Chef Horst Seehofer tagtäglich über die Schulter: Franz Josef Strauß. Er habe zwei Strauß-Büsten in seinen Arbeitszimmern in der Münchner Staatskanzlei und der CSU-Landesleitung, sagte Seehofer Anfang September bei einer wahlkampfbedingten Gedenkveranstaltung. „Ich habe mich oft bei schwierigen Situationen gefragt: Was hätte Franz Josef Strauß getan?“

In dieser Woche werden Seehofer und seine Partei erneut des CSU-Patriarchen gedenken. Der Todestag jährt sich am Donnerstag zum 25. Mal. Es gibt zwei Gedenkveranstaltungen und zwei Gottesdienste. Seehofer wird am Donnerstag einen Kranz in der Strauß-Gruft in Rott am Inn niederlegen, wo Strauß am 8. Oktober 1988 beigesetzt wurde.

Vor 25 Jahren: Trauer um Franz Josef Strauß

Vor 25 Jahren: Bayern weint um Franz Josef Strauß

Kein anderer Spitzenpolitiker wurde von seinen Anhängern so verehrt, von seinen Gegnern wegen seiner vielen Affären so verabscheut. Zu den Verehrern zählt Seehofer, der oft anklingen lässt, dass er gerne wäre wie Strauß. Der CSU-Chef nannte die Trauerfeierlichkeiten im Oktober 1988 kürzlich das „Beeindruckendste überhaupt, was ich in meinem gesamten politischen Leben erlebt habe“.

Die zahlreichen Skandale der Strauß-Ära von der „Spiegel“- bis zur Flick-Affäre spielen im offiziellen Gedenken keine Rolle. Nur im Hintergrund räumen manche in der CSU ein, dass kein heutiger Politiker sich eine vergleichbare Skandalserie leisten könnte. Erhalten geblieben ist der CSU der Ruf als Filzpartei, den Seehofer so gerne los wäre.

Strauß ist in der CSU nach wie vor der Maßstab historischer Größe. Wann immer Seehofer in den vergangenen Jahren ins fernere Ausland reiste, wurde er auf Strauß angesprochen. Das war in China so, das war in Russland so und auch in Israel, wo Strauß' Einsatz für die Verbesserung der deutsch-israelischen Beziehungen nicht vergessen ist: „In gewisser Hinsicht war Franz Josef Strauß ein unmöglicher Mann. Er war mit Mao Tsetung und mit mir befreundet. Eine seltsame Kombination“, erinnerte sich Präsident Schimon Peres im Herbst 2012.

In Bayern legte Strauß die Grundlage für den heutigen Wohlstand - mit einer Politik, die heute wahrscheinlich nicht mehr mehrheitsfähig wäre: Strauß brachte die Atomindustrie nach Bayern. Strauß siedelte Luftfahrt- und Rüstungsindustrie an und spielte eine maßgebliche Rolle bei der Gründung des Airbus-Konzerns. Und Strauß setzte den Bau des Münchner Flughafens durch, der in den 80er Jahren auf großen Widerstand der Umweltschützer stieß.

Alle Ministerpräsidenten von Bayern im Überblick

Alle Ministerpräsidenten von Bayern im Überblick

Diejenigen in der CSU, die Strauß persönlich im Kabinett erlebten, haben heute noch Respekt: „Man musste gut vorbereitet sein“, sagt der frühere bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel. „Dann war er der aufmerksamste Zuhörer.“ Doch Goppel glaubt auch, dass Strauß in der heutigen Zeit weniger bewundert würde. „Die Zeit ist sehr viel schnelllebiger geworden“, sagt Goppel. „Und in dieser ganz schnellen Zeit bekommt man die Versammlung von politischen Anhängern nicht mehr so hin.“

Strauß verdankte die Bewunderung seiner Anhänger unter anderem der Tatsache, dass er gelegentlich unpopuläre Entscheidungen gegen den Zeitgeist traf und nach Kräften polarisierte. Manche seiner Sätze würden heute in der CSU peinlich betretenes Schweigen auslösen: „Ich will lieber ein kalter Krieger sein als ein warmer Bruder“, oder auch: „Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher.“

Der heutige CSU-Chef verehrt zwar Strauß, praktiziert aber in Sachen Politikstil das Gegenteil: Wo Strauß politischen Streit kultivierte und anheizte, tritt Seehofer als überparteilicher Landesvater auf. „Die Leute wollen das nicht mehr“, sagte Strauß' Erbe kürzlich über die aufgeregten politischen Kämpfe der 70er und 80er Jahre. Unpopuläre Entscheidungen trifft Seehofer auch nicht, weil er die Umsetzung des Volkswillens zum Maßstab seiner Politik erklärt hat. Insofern kann Seehofer zumindest im Grundsatz seine Fragen an den toten FJS selbst beantworten: Strauß hätte in vielen Situationen wahrscheinlich anders entschieden.

Von Carsten Hoefer

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