+
Unter schwerer Bewachung und in Handschellen werden zehn der elf Angeklagten im Schlepperprozess im Gericht in Kecskemet vorgeführt.

Insgesamt 71 Todesopfer

Tote Flüchtlinge im Kühllaster: Staatsanwaltschaft fordert lebenslänglich

Im Prozess um den Tod von 71 Flüchtlingen in einem Kühllastwagen hat der Anklagevertreter für die vier mutmaßlich Verantwortlichen lebenslängliche Zuchthausstrafen gefordert.

Kecskemet - „Die Angeklagten konnten die Folgen ihres Tuns absehen, haben sich aber damit abgefunden und Gleichgültigkeit an den Tag gelegt“, sagte Staatsanwalt Gabor Schmidt am Donnerstag im Gericht von Kecskemet (Südungarn) in seinem Schlussplädoyer. Damit sei der Tatbestand des mehrfachen Mordes unter besonders grausamen Umständen erfüllt.

25 weitere Schlepperfahrten verhandelt

Der abgestellte Lkw mit den Leichen der Flüchtlinge war am 27. August 2015 auf einer Autobahn in Österreich gefunden worden. Das Fahrzeug war von Südungarn abgefahren; die Flüchtlinge im Laderaum waren nach spätestens drei Stunden qualvoll erstickt.

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen begann vor knapp einem Jahr in Kecskemet. In dem komplexen Verfahren werden 25 weitere Schlepperfahrten nach Deutschland und Österreich verhandelt. Insgesamt sind 14 Männer aus Bulgarien, Afghanistan und dem Libanon angeklagt.

Urteil am 14. Juni möglich

Drei der Angeklagten - der Fahrer des Todes-Lkw, ein Begleitfahrer und der mutmaßliche afghanische Bandenchef - sollen dem Antrag des Staatsanwalts zufolge für lebenslänglich ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung ins Gefängnis. Der vierte Angeklagte, der als Stellvertreter des Bandenchefs auftrat, soll dem Strafantrag zufolge frühestens nach 20 Jahren auf freien Fuß kommen können. Für die anderen Bandenmitglieder forderte der Staatsanwalt mehrjährige Zuchthausstrafen.

Der Richter Janos Jadi äußerte die Hoffnung, am 14. Juni die Urteile sprechen zu können.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach Anschlag: Teheran bestellt europäische Diplomaten ein
Nach einem Anschlag auf eine Militärparade im Iran macht Teheran die USA und Nachbarstaaten verantwortlich. Auch europäische Diplomaten werden ins Außenamt einbestellt.
Nach Anschlag: Teheran bestellt europäische Diplomaten ein
Mutmaßliches Kavanaugh-Opfer will vor US-Senat aussagen
Der Wunschkandidat von Donald Trump für den Obersten Gerichtshof der USA hat mit schweren Anschuldigungen zu kämpfen. Nun wird es in dem Fall eine mit Spannung erwartete …
Mutmaßliches Kavanaugh-Opfer will vor US-Senat aussagen
Papst-Besuch in Litauen: Gedenken an Holocaust-Opfer
Vilnius (dpa) - Papst Franziskus besucht auf seiner Baltikum-Reise am Sonntag in Litauen das ehemalige jüdische Ghetto und gedenkt der Opfer des Holocaustes.
Papst-Besuch in Litauen: Gedenken an Holocaust-Opfer
Koalitions-Streit: Seehofer will Maaßen nicht entlassen
Es steht Spitz auf Knopf für die Koalition. Gelingt den Chefs von CDU, CSU und SPD, den Streit um Verfassungsschutzchef Maaßen zu beenden?
Koalitions-Streit: Seehofer will Maaßen nicht entlassen

Kommentare