1. Startseite
  2. Politik

Transnistrien-Explosionen: Moldau wechselt ins Anti-Putin Lager und unterstützt die Ukraine

Erstellt:

Von: Bedrettin Bölükbasi

Kommentare

Die Ukraine erhält nun auch Hilfe von Moldau. Nach Explosionen in Transnistrien und Aussagen Russlands schließt sich das Land dem Anti-Putin Lager an.

München/Tiraspol - Am 25. und 26. April erschütterten mehrere Explosionen die pro-russische De-facto Republik Transnistrien in Moldau, direkt an der Grenze zur Ukraine. Dabei wurden das Ministerium für Staatssicherheit in Tiraspol, der Hauptstadt der abtrünnigen Region, sowie zwei Radiotürme aus sowjetischen Zeiten ins Visier genommen. Vor dem Ministerium wurden Raketenwerfer entdeckt, die bei dem Angriff genutzt wurden.

Die Entwicklung kommt inmitten des eskalierten Ukraine-Konflikts. In Russland und im pro-russischen Gebiet wurde die Ukraine für die Angriffe verantwortlich gemacht. Plötzlich sprachen russische Offiziere von einer Unterdrückung der russischsprachigen Bevölkerung in Moldau. Ein stellvertretender Außenminister deutete sogar einen militärischen Eingriff in Moldau an, falls dies nötig sein solle. Die Ukraine selbst sieht eine weitere russische Operation „unter falscher Flagge“, um eine neue Front im Ukraine-Krieg aufzumachen. Nun fürchten einige eine mögliche Ausweitung des Krieges in der Ukraine nach Transnistrien.

Nach den russischen Äußerungen zur Lage in Moldau will das Land Maßnahmen ergreifen und aktiv werden. Der Berater des ukrainischen Innenministeriums, Anton Geraschenko, bestätigte die Entscheidung von Moldau, wie Kyiv Independent berichtete. Die Regierung in Chisinau fährt jetzt einen härteren Kurs gegen Kreml-Chef Wladimir Putins Russland. Dabei geht es nicht um eine direkte Konfrontation, sondern vielmehr um eine Unterstützung der Ukraine, die eine maßgebliche Änderung der bisherigen moldauischen Haltung darstellt.

Transnistrien-Explosionen: Video zu Angriffen aufgetaucht - besorgniserregende Aussagen Moskaus

Mit dem Angriff auf das Ministerium für Staatssicherheit in Tiraspol am 25. April richteten sich alle Augen,neben dem Ukraine-Krieg, auf das abtrünnige Gebiet Transnistrien. Denn spätestens nach den Vorwürfen der stark pro-russischen Regierung ist der Vorfall nicht ohne Bezug zur Ukraine zu betrachten. „Die Spuren dieser Angriffe führen in die Ukraine“, sagte etwa der Präsident der De-facto-Republik, Wadim Nikolajewitsch Krasnoselski, und fügte hinzu: „Ich nehme an, diejenigen, die diese Angriffe durchgeführt haben, wollen Transnistrien am Ukraine-Krieg beteiligen.“ Mittlerweile sind Aufnahmen zum Angriff in Tiraspol aufgetaucht.

Dazu bestätigte der russische Generalmajor Rustam Minnekaev gegenüber der russischen Agentur Tass, man wolle das Donbass-Gebiet sowie den Süden der Ukraine vollständig kontrollieren und somit einen Zugang zu Transnistrien schaffen. Gleichzeitig behauptete er, die russischsprachige Bevölkerung in Moldau werde „unterdrückt“ - ein Argument, das von Russland als Rechtfertigung für die Ukraine-Invasion aufgegriffen wurde. Der stellvertretende russische Außenminister Andrej Rudenko stellte sogar einen militärischen Eingriff in Moldau zur Aussicht. Dies wolle man aber verhindern, so Rudenko. Im abtrünnigen Transnistrien befinden sich bereits russische Soldaten, Stützpunkte und Waffenlager.

Ukraine-Krieg: Moldau-Wende nach Transnistrien-Explosionen - Chisinau schließt sich Sanktionen an

In Moldau sorgten die Äußerungen aus Moskau für Alarm. In der richtungsweisenden Parlamentswahl im Juli des letzten Jahres stimmte die Bevölkerung klar für den pro-europäischen Kurs der Partei „Aktion und Solidarität“ von Präsidentin Maia Sandu. Pro-russische Fraktionen hingegen mussten bei der Wahl eine bittere Niederlage einstecken. Für Wladimir Putin hieß die Wahl in Moldau laut Experten ein allmählicher Verlust des russischen Einflusses in der Nachbarschaft.

Trotz der eindeutigen politischen Richtung wollte sich Moldau anfangs nicht den EU-Sanktionen gegen Russland anschließen. Dies würde zur Destabilisierung führen und die Versorgung der eigenen Bevölkerung gefährden, begründete Sandu die Entscheidung Anfang April gegenüber der moldauischen Ausgabe des Senders Radio Free Europe. Man wolle neutral bleiben, hieß es. Die Explosionen in Transnistrien und Russlands Aussagen, die einen möglichen Militäreingriff befürchten lassen, führten jedoch offenbar zu einem Umdenken in Moldau.

Ukraine-Krieg: Moldau nimmt an Sanktionen teil und schickt Personal zur Minenentfernung in Kiew

In einer großen Wende innerhalb nur eines Monats enthüllte Präsidentin Sandu nach Beratungen im unverzüglich einberufenen Sicherheitsrat nun die Absicht ihres Landes, sich den Sanktionen gegen Russland anschließen zu wollen. Das moldauische Bankensystem werde an den finanziellen Sanktionen der EU-Länder gegen Moskau teilnehmen, betonte sie im moldauischen Nachrichtensender JurnalTV.

Zudem soll sich qualifiziertes Personal für die Entfernung von russischen Minen auf den Weg in die Ukraine machen und vor allem in Siedlungen um die Hauptstadt Kiew aktiv werden. „Wir versuchen der Ukraine zu helfen und Verkehrsadern bereitzustellen“, erklärte Sandu. Über diese Verkehrsadern werde die Ukraine etwa mit Treibstoff versorgt. Man habe der Ukraine auch humanitäre Hilfe angeboten. Ihren ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj bezeichnete Sandu als „tapfer“ und „Weltklasse“. (bb)

Auch interessant

Kommentare