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Die JU hatte sich nach dem CSU-Bundestagswahlfiasko als erster Parteiverband offen gegen Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer gestellt. Foto: Daniel Karmann

Söder lobt Rückgrat

Treffen der Jungen Union: Forderung nach personellem Neuanfang

Erlangen - Nach der Forderung der bayerischen Jungen Union nach einem personellen Neuanfang in der CSU hat Bayerns Finanzminister Markus Söder dem Parteinachwuchs Respekt gezollt.

"Es gibt immer mal wieder in der Geschichte der Union Landesversammlungen, an denen wird man nicht vorbeigehen können. Die haben eine Wirkung", sagte Söder bei dem JU-Treffen in Erlangen mit Blick auf die Medienberichte des Tages. "Ich weiß, sowas fällt nicht leicht, und das muss man auch in Ruhe machen. Aber ich möchte euch wirklich sagen: Ich habe großen Respekt davor, was ihr für Verantwortung zeigt, welchen Mut ihr habt, was ihr euch traut", sagte Söder. "Das ist eine Landesversammlung, und es ist eine Junge Union, die zeigt Rückgrat in der Partei. Meinen Respekt davor, toll gemacht."

Die JU hatte sich nach dem CSU-Bundestagswahlfiasko als erster Parteiverband offen gegen Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer gestellt und einen Rückzug des 68-Jährigen spätestens im kommenden Jahr gefordert: Ein Antrag, in dem mit Blick auf die Landtagswahl im Herbst 2018 ein "personeller Neuanfang" gefordert wird, wurde auf der Landesversammlung mit großer Mehrheit angenommen.

Söder, der als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Seehofer gilt, mindestens im Ministerpräsidentenamt, sprach am Samstagabend kurz beim Delegiertenabend der JU. Heute will er dort eine längere Rede halten.

CSU-Chef Horst Seehofer hat seinen Kritikern vorgeworfen, mit Rücktrittsforderungen gegen ihn während der laufenden Jamaika-Koalitionssondierung Schaden anzurichten. "Obwohl im Parteivorstand einstimmig beschlossen wurde, dass eine Personaldiskussion während der Gespräche in Berlin nicht erfolgen soll, erlebe ich seit der Bundestagswahl ein ununterbrochenes Trommelfeuer gegen meine Person aus der eigenen Partei", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Bild am Sonntag". "Das ist ohne Frage schädlich." Und: Nach den Sondierungsgesprächen wird es von mir eine klare und deutliche Reaktion geben."

Erst einmal lasse er sich von den Angriffen aber in keiner Weise beeinflussen. Er kämpfe "wie ein Löwe in Berlin", sagte Seehofer. "Die Verhandlungen sind politische Schwerstarbeit. Wir müssen jetzt das Tempo erhöhen. Die Menschen in Deutschland erwarten zurecht endlich Resultate aus den Verhandlungen und die Bildung einer stabilen Regierung."

Unterstützung bekam Seehofer von Parteivize Manfred Weber: "In der Art und Weise, wie es die letzten Wochen gelaufen ist, wurde bereits Schaden verursacht", sagte er dem Blatt. "Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, dass der Anstand gewahrt bleiben muss. Gerade ein Ministerpräsident ist eine Respektsperson."

dpa

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