Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet steht nach dem zweiten TV Triell mit der Schauspielerin Uschi Glas, dem Musiker Leslie Mandoki und Bernhard Vogel (CDU), dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und später von Thüringen, zusammen.
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Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet steht nach dem zweiten TV Triell mit der Schauspielerin Uschi Glas, dem Musiker Leslie Mandoki und Bernhard Vogel (CDU), dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und später von Thüringen, zusammen.

„Ihr hört doch immer alles“ 

Wie die Politprominenz das Triell vor Ort verfolgte und was Sie im TV nicht sahen

Das TV-Triell sahen Millionen Zuschauer. Aber auch direkt vor Ort, hinter dem Studiogebäude in Berlin, verfolgten Politiker, Journalisten und Parteifreunde live die Sendung. 

Berlin - Wer da gemeinsam tratschte, Witze riss und sogar Plane schmiedete, wäre ebenfalls eine Sendung wert gewesen. Doch der Austausch hinter den Kulissen wird selten nach Außen kommuniziert - obwohl er einen nicht unerheblichen Anteil an politischen Entwicklungen hat. Oft entstehen hier neue Zielrichtungen und Kooperationen, tasten Abgeordnete mögliche Gemeinsamkeiten, aber auch Rivalitäten ab.  

Zum Triell hatte das Studio hinter der Aufnahmehalle ein weißes Außenzelt von der Größe eines Fußballplatzes aufgebaut: draußen laden Food-Trucks und Partyschirme, drinnen Sponsorenständchen mit Alkohol und Stehtische zum Verweilen ein. Corona-mäßig ist vorgesorgt: Es gilt die 3G-Regel, vor dem Zelt gibt es eine eigene Test-Station, zudem besteht - zumindest drinnen - Maskenpflicht.

Für Laschet ist sein Kompetenz-Team angereist und Uschi Glas

Eine Stunde vor dem Duell trudelt Polit-Prominenz ein: die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer (SPD), der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kevin Kühnert, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken, der ehemalige Grünen-Parteichef Cem Özdemir.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), die Bildungsministerin Schleswig-Holsteins Karin Prien (CDU), der Ministerpräsident von Hessen Volker Bouffier (CDU), der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen Bernhard Vogel (CDU), die stellvertretende Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Ricarda Lang, Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner, die ehemalige Grünen-Fraktionsvorsitzende und Bundesministerin für Landwirtschaft Renate Künast und weitere Abgeordnete aus Ländervertretungen.

Ein Großteil der Kandidaten aus Armin Laschets Kompetenz-Team ist vor Ort - Friedrich Merz ist nicht dabei - darunter aber Terror-Experte Peter R. Neumann, der ein lachendes Gruppenbild mit dem Handy wählt, das er bei Twitter reinstellt und scherzhaft darüber nachdenkt, welchen Kommentar er dazu stellt: „Are you ready?“, „Seid ihr bereit?“, „Bereit, wenn ihr es seid!“ Am Ende wird es: „Hallo Zukunft !! Wir sind bereit…“

Auch Prominente sind angereist: Schauspielerin Uschi Glas, in schwarz gekleidet, und Model und Schauspielerin Victoria Jancke, im Hosenanzug, sitzen im Lager der CDU. Auch der Musikproduzent Leslie Mandoki („Dschingis Khan“) lässt sich dort nieder. Schauspielerin und Regisseurin Karoline Herfurth lässt sich nach dem Triell gemeinsam mit Annalena Baerbock fotografieren.

Hinter den Kulissen laden Wein- und Bierstände und Food-Trucks zum Verweilen ein

Die Atmosphäre erinnert an ein Sportfest: die Luft ist leicht aufgeladen, die anderen politischen Lager sind deutlich erkennbar - schon allein, weil viele sich in der Kleidung den jeweiligen Parteifarben angenähert haben. Malu Dreyer erscheint in einem roten Dress, mit dem sie auch später am Abend in der Sendung von Anne Will auftritt. Auch Saskia Esken trägt leuchtend Rot. Bei der CDU wurden schwarze Jacketts gewählt, die Damen der Grünen tragen „ihre“ Farbe in vielen Schattierungen.

Als das Triell beginnt, nehmen die meisten ihre Plätze ein. Im Zelt positionieren sich die Grünen auf den Stuhlreihen rechts, die SPD links. Die CDU-Gäste wählen die Plätze vor dem Großbildschirm im Freien vor dem Zelt. Zunächst schauen alle gespannt auf die Bildschirme, beklatschen ihren jeweiligen Kandidaten, jubeln oder lachen empört, wenn ihnen eine Aussage missfällt. Das Handy zieht fast jeder der Anwesenden irgendwann am Abend mal heraus. Manche sind während der Live-Übertragung allerdings fast durchgängig mit dem kleinen technischen Gerät beschäftigt, vor allem Saskia Esken scheint auch während des Triells sehr vertieft.

Im SPD-Lager macht sich gute Laune breit, als Olaf Scholz auf die Maybrit-Illner-Frage: „Wenn man Olaf Scholz wählt, bekommt man dann Saskia Esken als Ministerin?“ antwortet „Man bekommt dann Olaf Scholz als Bundeskanzler“. Doch als das Thema Wirecard aufkommt, werden die Gesichter schnell wieder ernst. Kevin Kühnert hebt die Augenbrauen. Malu Dreyer wirkt leicht bedrückt. Schallendes, parteiübergreifendes Gelächter bricht aus, als Annalena Baerbock den Hintergrund-Krach während der Übertragung kommentiert: „Ups, da fällt schon das Studio zusammen!“

Bei den Grünen sorgen Baerbocks Aussagen zu der Partei „Die Linke“ und ihre Abgrenzung zur AfD vehement für Applaus. Bei den Anhängern der CDU freut sich der Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski, über Laschets Aussage Richtung Scholz: „Wir scheitern an den Bürokratien in ihrer Partei“ und macht eine Boxbewegung in Richtung CDU-Wahlkampfleiterin Tanit Koch: „Wir können ihm jetzt das Handtuch umhängen.“ – kratzt sich aber kurz darauf nachdenklich am Kopf als sein Chef beim Thema „Sozialer Wohnungsbau“ ins Strudeln kommt.

Olaf Scholz lässt sich nach dem Duell mit Currywurst und Bierglas fotografieren

Engagierten Applaus gibt es bei der CDU bei Laschets klarer Kante gegen Rechts. Während bei den Grünen gut ankommt, als Baerbock kritisiert, dass in den Schulen mehrfach die Wochen getestet, dies aber in den Betrieben bislang nicht praktiziert werde.

Kurz vor Triell-Ende kommt Unruhe auf, Kamerateams und Fotografen bringen sich in Position. Die Kommentatoren positionieren sich davor, halten die Mikrofone bereit. Als erster erscheint kurz nach 22 Uhr Olaf Scholz. Er hat seine Krawatte abgelegt, seine Maske ebenfalls. Er steuert den Food-Truck an und bestellt sich eine Currywurst, holt sich dann noch ein Bier und lässt sich damit ablichten. Ein Fotograf kommentiert lakonisch: „Jetzt macht er den Schröder!“

Als nächstes erscheint Annalena Baerbock. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger trägt sie vorbildlich eine OP-Maske, lässt sich auf halben Weg mit Schauspielerin Herfurth fotografieren, die pünktlich zum Foto-Call eingetrudelt ist und steuert das Zelt an. Dort genehmigt sich die Spitzenkandidaten ein Glas Weißwein.

Cem Özdemir grübelt über Koalitionsfragen

Als letzter, um 22.30 Uhr, erscheint dann Armin Laschet. Auch er lässt sich mit Bierchen in der Hand neben Uschi Glas zunächst draußen fotografieren, steuert dann Baerbock im Zelt an, es kommt zu lächelnden Aufnahmen der beiden.

Währenddessen redet Scholz draußen unterm Schirm mit Nikolaus Blome und Cem Özdemir über mögliche Koalitionen und reißt einen Politikerwitz über die CDU. Ein Fragender tritt an Scholz heran, fordert ihn höflich auf: „Jetzt sagen Sie doch mal bitte ‚off the Record‘ wie sie es mit den Linken halten werden“. Scholz schmunzelt das weg: „Das geht doch gar nicht! Ihr hört doch immer alles!“

Als Olaf Scholz und Blome sich verabschieden, bleibt Özdemir zurück und kommt ins Grübeln. Er schließt nicht aus, dass nach der Wahl eine Koalition auch noch scheitern könnte. Frei nach dem Fußballzitat würde es dann lauten: Nach dem Triell ist vor dem Triell!

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