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Triell: Als Baerbock über ihr Gehalt spricht, liest ihr Laschet die Leviten - „Nicht immer nur an sich denken“

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Von: Cindy Boden

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Armin Laschet (CDU) diskutiert mit Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) beim dritten TV-Triell.
Armin Laschet (CDU) diskutiert mit Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) beim dritten TV-Triell. © Willi Weber/Prosieben/Seven.One/dpa

Baerbock und Laschet streiten beim Triell auf Sat.1 über Steuererhöhungen. Dass seine Konkurrenz sich dabei selbst als Beispiel anführt, will der CDU-Chef so nicht stehenlassen.

Berlin - Vor allem im ersten Drittel des TV-Triells bei Sat.1, ProSieben und Kabeleins bemerkten Zuschauer viel Einigkeit zwischen SPD und Grünen: Die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz und Annalena Baerbock stimmten sich beim Mindestlohn von zwölf Euro zu, der Finanzminister verstand die Grünen-Haltung beim Kindergeld und auch bei der Entlastung von Ehepaaren gemeinsame Pläne. Wer oft in Konflikt mit Rot und Grün stand: CDU-Chef Armin Laschet, natürlich.

„Sie fallen ja zurück in die 90er-Jahre“, konterte Baerbock etwa scharf, nachdem Laschet erklärte, er wolle keinen pauschalen Mindestlohn im Parlament beschließen, vorbei an den Tarifparteien. Ein paar Minuten später holte Laschet dann zum Gegenschlag aus, als es um Familien und Entlastung ging.

TV-Triell bei Sat.1 und ProSieben: „Wählt mich, dann habt ihr am Ende weniger in der Tasche“

Die Szene beginnt mit einer Frage von Moderatorin Linda Zervakis: Es klinge ein bisschen wie bei Robin Hood: den Reichen nehmen und den Armen geben. „Es ist erstaunlich, weil viele Grüne-Wähler ja sehr gut verdienen. Sagen Sie denen: ‚Wählt mich, dann habt ihr am Ende weniger in der Tasche?‘“

Das lässt Annalena Baerbock natürlich nicht so stehen: „Ich sage, mit Grün gibt es wirklich einen Aufbruch in der sozialen Gerechtigkeit.“ Da stünden Familien, Frauen und Alleinerziehende im Mittelpunkt. 16 Jahre lang hat die Union regiert, 12 Jahre davon hat die SPD mitregiert - „und die Schere zwischen Arm und Reich ist immer weiter auseinandergegangen“, hält Baerbock fest. Sie wolle Kinder aus der Armut holen. „Das bedeutet, wir müssen eine Kindergrundsicherung einführen und die muss bezahlt werden.“ Entsprechend müssten im „obersten Bereich ein bisschen mehr Steuern gezahlt werden“.

„Ich bin ja Abgeordnete, ich habe zwei kleine Kinder“: Baerbock vs. Laschet beim TV-Triell vor der Bundestagswahl

Dann greift Baerbock im Hinblick auf Entlastung von Familien ihre eigene Biografie auf: „Ich bin ja Abgeordnete, ich habe zwei kleine Kinder, ich brauche jetzt keinen größeren Kinderfreibetrag für meine Kinder.“ Baerbock spricht Laschet an: „Wenn Sie über Freibeträge reden, steuerlich, dann entlasten Sie damit Spitzenverdiener.“ Nicken von Olaf Scholz. Die, die ein geringes Einkommen hätten, wie die alleinerziehende Mutter aus einem Einspieler, „die zahlt überhaupt gar nicht so viele Steuern, dass sie entlastet werden kann“.

Laschet ist an der Reihe und fasst den aus seiner Sicht „fundamentalen Unterschied“ vor der Bundestagswahl zusammen: „Sie glauben, mit Steuererhöhungen nehmen Sie mehr Geld ein. Wir haben vor der Pandemie die gegenteilige Erfahrung gemacht: Weil die Wirtschaft gewachsen ist, weil wir viele Menschen in Beschäftigung hatten, hat der Staat am Ende mehr eingenommen.“ Um dann die besagte Spitze anzubringen: „Zweitens bringen Sie jetzt netterweise immer Ihre persönlichen Verhältnisse.“ Scholz als Bundesminister verdiene viel Geld - was dieser vorher selbst schon ansprach -, Baerbock als Abgeordnete verdiene viel Geld. „Sie als Ministerpräsident“, grätscht Baerbock rein.

Video: Scholz und Baerbock gegen Laschet - SPD in Umfrage vorn

„Ich habe die Beispiele nicht gebracht“: Laschet lenkt beim Triell von Abgeordneten zu Bäckermeistern

Doch das wehrt Laschet ab: „Ich habe die Beispiele nicht gebracht. Es geht nicht um uns. Man muss nicht immer nur an sich denken. Sondern es geht um einen Bäckermeister, dessen Einkommen sein Betrieb ist“, erklärt Laschet. Er zählt weitere auf: Der Installateur, der mittelständische Betrieb, die nicht Aktiengesellschaft ist, zahle Einkommenssteuer. Die Gruppe, die jetzt Arbeitsplätze schaffen solle, die in der Pandemie viele Beschäftigte gehalten haben, Familienunternehmen: „Ausgerechnet die jetzt zu bestrafen, mit Erbschaftssteuer, Vermögensteuer, Einkommenssteuer“ sei das falsche Signal.

Doch an dieser Stelle greift Baerbock wieder ein und sagt: „Können Sie mal bitte bei den Fakten bleiben? Das stimmt nicht, was Sie da sagen.“ Laschet bleibt hartnäckig, das falsche Signal bekomme man auch nicht mit dem Beispiel „Ich als Angeordneter will mehr zahlen“ aus der Welt. Er wolle Armut von Familien bekämpfen, indem er etwas tue, damit Menschen in Arbeit kämen. („Kanzler Olaf Scholz“? Was nach der Bundestagswahl kommt, erfahren Sie in unserem Politik-Newsletter.)

Finales Triell vor der Bundestagswahl: Scholz siegt laut Umfrage gegen Laschet und Baerbock

Es ist eine von mehreren Situationen im TV-Triell, in denen Baerbock Laschet attackierte. Doch auch Olaf Scholz teilte aus. Der SPD-Politiker ging am Ende laut einer Forsa-Umfrage als Sieger aus der Debatte hervor. Weitere spannende Szenen und Inhalte können Sie in unserem Ticker noch einmal nachlesen. (cibo)

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