Triell-Moderatorin Linda Zervakis und das Micky-Maus-Heft
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Triell-Moderatorin Linda Zervakis und das Micky-Maus-Heft

„Nicht so viel Comic-Hefte gelesen“

TV-Triell: Zervakis setzt Laschet plötzlich mit einem „Micky Maus“-Heft unter Druck - CDU-Chef kontert

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Der Union wird oft vorgeworfen, nicht mit Nachdruck für Klimaschutz zu kämpfen. Linda Zervakis versucht über ein Comic eine Antwort auf das „Warum“ zu erhalten.

Berlin - Ein bisschen Schmunzeln zwischen vielen Sachfragen: Auch die „Micky Maus“ hatten beim TV-Triell von Sat.1 und ProSieben einen kurzen Auftritt.

„Ich hab Ihnen etwas Schönes mitgebracht“, sagt Moderation Linda Zervakis nach gut 35 Minuten und hält bereits ein „Micky Maus“-Heft in der Hand. Von 1993, erklärt sie. „Das hat 3 Mark 90 gekostet. Meine Eltern hatten früher einen Kiosk, deswegen hab ich mich daran erinnert.“ Schnell wird auch klar, warum die Comicfigur von Walt Disney an dieser Stelle eine Rolle spielt: „Es geht um die Regenwälder und im erweiterten Sinne: Die Abholzung der Regenwälder ist schädlich fürs Klima“, erklärt Zervakis.

Damit will sie Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet in die Mangel nehmen. „Das heißt, vor über 30 Jahren hat sich die „Micky Maus“ schon mit dem Klimawandel beschäftigt. Herr Laschet, in der CDU wird anscheinend nicht so viel Comic-Hefte gelesen. Warum hat man das Gefühl, dass dieses Thema ein bisschen verschlafen wurde und warum sollen wir Ihnen jetzt glauben, dass Sie dieses Thema wirklich angehen?“, will sie wissen.

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TV-Triell: Zervakis bringt Micky-Maus-Heft zum Klimawandel mit - Laschet reagiert mit Klaus Töpfer

„Also, als Ihr Micky-Maus-Heft erschienen ist 1993, hat zuvor ein CDU-Umweltminister, Klaus Töpfer, den Rio-Prozess angestoßen, indem wir gesagt haben: Die weltweite Veränderung des Klimas ist eine Bedrohung, die wir global beantworten müssen“, sagt Laschet mit Blick auf die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992. „Die Wahrheit ist aber auch, dass Herr Töpfer belächelt wurde in der CDU“, entgegnet Zervakis. „Er war der Umweltminister der Regierung Helmut Kohl und hat das Klima-Thema vorangebracht wie kein Anderer und hat vor allem klargemacht, dass es eine globale Aufgabe ist“, erklärt Laschet wiederum. „Dass wir in Deutschland unseren Teil leisten müssen, aber dass wir es nur global lösen können“, so der CDU-Chef weiter. „Das fängt mit dem ‚Micky Maus‘-Heft an, wo der Regenwald beschrieben wird.“

Laschet erklärt die aktuelle Debatte mit dem Verweis auf den Energiemix. Der Kernenergie wurde ein Enddatum gesetzt, obwohl sie weniger CO2-Ausstoß habe als Kohle. „Eigentlich hätte man die Kohlekraftwerke, die wir jetzt beginnen zu schließen, schon vor 20 Jahren schließen müssen. Das ist Vergangenheit, ist nicht mehr zu ändern. Das heißt aber, dass wir jetzt alles gleichzeitig machen müssen. Ende der Steinkohle, Ende der Braunkohle begonnen, nächstes Jahr Ende der Kernenergie und trotzdem Industrieland bleiben.“ Wie das funktionieren könne? Laschet greift noch einmal eines seiner Hauptanliegen auf. „Das geht durch den Ausbau der regenerativen Energien. Das geht aus meiner Sicht auch nur in einem europäischen Strommarkt.“ Rund um Steuererhöhungen und Entlastungen las Laschet seinen Konkurrenten kurz vorher bereits die Leviten.

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Im Anschluss an die Szene betont Annalena Baerbock (Grüne) wie von ihr bekannt, dass sie mehr für den Klimaschutz tun wolle, die Bundestagswahl eine „Richtungswahl“ sei. Sie zählt einige Maßnahmen auf: Ausbau der Wind- und Solarkraft verdreifachen, zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft nutzen, Solaranlage auf jedes neue Dach, ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos neu zulassen, in der Landwirtschaft umbauen und den Kohleausstieg vorziehen.

Olaf Scholz (SPD) möchte im ersten Jahr der neuen Regierung die Stromausbauziele für 2045 festlegen, um ein höheres Tempo zu bekommen. Stahlunternehmen, Chemieindustrie, Automobilbau und andere würden in klimaneutrale Alternativen investieren, „weil sie von uns die Garantie bekommen, dass wir die Strommengen zur Verfügung stellen, die sie brauchen“. Strom müsse außerdem billiger werden. Was die großen Parteien sonst noch zum Klima fordern, können Sie hier bei Merkur.de nachlesen. (cibo)

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