Zuständig für die Fragen an die Kanzlerkandidaten: Pinar Atalay und Peter Kloeppel.
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Zuständig für die Fragen an die Kanzlerkandidaten: Pinar Atalay und Peter Kloeppel.

„Es hackt doch wohl“

RTL vergisst zwei Themen völlig: Moderatoren bitten im Anschluss um Verzeihung

  • Lena Bammert
    VonLena Bammert
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Baerbock, Laschet und Scholz debattierten im TV-Triell über viele Themen. Zwei wurden allerdings ausgelassen - zum Unmut von Politikern und Zuschauern.

Berlin - Am Ende hat die Zeit dann doch nicht gereicht. Die Moderatoren Pinar Atalay und Peter Kloeppel befragten die Kanzlerkandidaten fast zwei Stunden lang. Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz äußerten sich im TV-Triell zu einer Vielzahl von Themen: Deutschlands Rolle in der Welt, vor allem mit Blick auf die Situation in Afghanistan, Pläne für Steuer- und Klimapolitik, Innere Sicherheit mit Fokus auf Gewalt gegen Frauen, Corona-Bekämpfung - zum Schluss wurde auch noch über mögliche Koalitionen diskutiert. Zwei wichtige Themen fielen beim ersten TV-Wettkampf der Bundestagswahl 2021 aber völlig raus.

TV-Triell: Reaktionen auf Debatte zwischen Baerbock, Laschet und Scholz - Digitalisierung fehlt

In einem im Vorfeld getätigten Interview mit rtl.de äußerte sich Moderator Peter Kloeppel zuvor noch zu der dann doch immer sehr begrenzten Redezeit der drei Kandidaten: „Wir werden das auch steuern, indem wir uns auf die Themen konzentrieren, die die Menschen im Land besonders interessieren.“ Im Nachhinein stellten dann jedoch so einige fest: Die Setzung der Themenschwerpunkte hätte besser laufen können. So wurden die Komplexe Renten und Digitalisierung in der Debatte ausgespart - das führte denn auch zu deutlicher Kritik von mehreren Seiten. Christian Miele, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Start-ups hätte sich mehr Fokus auf Zukunftsfragen gewünscht: „Von Digitalisierung, Start-ups und modernem Wirtschaften wurde kaum gesprochen“, äußerte sich Miele gegenüber dem Handelsblatt.

Auch auf Twitter äußerten mehrere Nutzer und Nutzerinnen ihren Unmut über das fehlende Thema der Digitalisierung. „Es wurde nicht über Digitalisierung gesprochen. Es hackt doch wohl“, so die Journalistin und Kolumnistin Nicole Diekmann. Die stellvertretende Leiterin des Haupstadtbüros der Wirtschafts Woche Sonja Álvarez hielt das fehlende Thema ebenfalls für eine verpasste Chance: „Die Gesundheitsämter faxen, das RKI muss Daten händisch übertragen, KI gilt als Bedrohung und nicht als Chance - so viele mögliche Fragen zur Digitalisierung. Schade, dass sie im Triell nicht gestellt, von den Kandidaten nicht untergebracht worden sind.“ Carla Hustedt, Leiterin des Bereichs „Digitalisierte Gesellschaft“ der Stiftung Mercator rief die Twitternutzer- und nutzerinnen dazu auf, mehr auf das Thema aufmerksam und es vor allem begreifbar zu machen: „Es tut gut, sich mit euch hier darüber aufzuregen, dass Digitalisierung im Triell keine Rolle gespielt hat.“

TV-Triell: Renten-Thema kommt zu kurz - „größte Enttäuschung“

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, reagierte ebenfalls erstmal enttäuscht. Der Düsseldorfer Rheinischen Post sagte er: „Das Triell bot eine Debatte an den wirklichen Problemen der Menschen vorbei.“ Johannes Vogel, der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP schrieb auf Twitter: „Keine Minute zu Lösungen bei Demographie & Rente im ganzen Triell, nicht eine? Obwohl die nächste Legislatur die letzte ist, bevor die Babyboomer in Rente gehen? Wir müssen in Deutschland wirklich anfangen uns rechtzeitig um die langfristigen & absehbaren Megatrends zu kümmern!“ Zwar äußerte sich SPD-Kanzlerkandidat Scholz im sozialpolitischen Teil der Debatte kurz zu seinen Renten-Positionen - eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre schließe er aus, ebenso wie eine Absenkung der Renten - vertieft wurde das Thema daraufhin jedoch nicht.

Daniel D. Eckert, Finanzredakteur bei Die Welt, sah den Fehler dafür auch bei Pinar Atalay und Peter Kloeppel: „Die größte Enttäuschung beim Triell gestern war, dass die Moderatoren die Kandidaten beim Thema Rente so billig davonkommen ließen. Als ob mit dem Spruch „Keine Anhebung des Renteneintrittsalters und keine Absenkung der Renten“ die eigentliche Frage beantwortet wäre. Wer zahlt?“

RTL Moderatoren Atalay und Kloeppel: „haben wir nicht alle noch fragen können“

Im Anschluss an das TV-Triell resümierten die beiden Moderatoren nochmals ihren Auftritt, demnach hätten sie sich ebenfalls gerne noch mehr Zeit gewünscht: „Für uns war es einfach ganz wichtig, dass sich die Zuschauer und Zuschauerinnen ein Bild machen können von den Dreien. „Was wir gemerkt haben, wir hatten sehr viele Fragen noch vorbereitet, die haben wir nicht alle noch fragen können“, so Atalay in der an das Triell anschließenden RTL-Talkrunde. Das sei das Los einer Moderatorin und eines Moderators. Trotzdem sei aus ihrer Sicht „alles gut gelaufen“, so Kloeppel. Die Termine für die nächsten TV-Trielle stehen schon fest, laut Umfragen tut dies auch schon der Gewinner des ersten Triells. (leb)

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