Olaf Scholz, SPD-Kanzlerkandidat, beim einem Spiel in der Schulklasse
+
Olaf Scholz, SPD-Kanzlerkandidat, beim einem Spiel in der Schulklasse

„Mögen Sie Söder noch?“

Lustiges Triell bei Schülern: Scholz „rastet aus“, Baerbock singt - Laschet ruft fix Spahn an

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
    schließen

Die Kanzlerkandidaten treten derzeit beinah jeden Abend im TV auf. Nun mussten sie sich vor Kindern im Klassenzimmer beweisen - und schnauften das ein oder andere Mal.

Berlin - Kinder können grausam sein. Diesen Ausspruch hört man immer wieder. Umso spannender, dass sich die drei Kanzlerkandidaten vor der Bundestagswahl Schülern im Klassenzimmer gestellt haben. Diese löcherten die Politiker bei der Sat.1-Sendung „Kannste Kanzleramt“ mit einer Vielzahl an Fragen. Privates, Berufliches, Anekdoten aus dem früheren Leben und ein paar knifflige Aufgaben waren dabei. Immer wieder mussten die prominenten Besucher tief durchatmen.

Annalena Baerbock vor Bundestagswahl im Klassenzimmer: „Hatten Sie ein schlechtes Gewissen beim Abschreiben?“

Jeder der Kandidaten kam rund eine Stunde zu Besuch. Und die Schüler waren gut vorbereitet. Von Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock wollten sie etwa wissen, warum sie sich für ein Tempolimit ausspricht und was eigentlich Klimaneutralität ist. Doch das reichte noch nicht: „Hatten Sie ein schlechtes Gewissen beim Abschreiben?“, will jemand in Anspielung auf die Plagiatsvorwürfe zu Baerbocks Buch wissen. „Erwischt“, könnte man sich als Zuschauer denken, doch Baerbock erklärte in ein paar Sätzen ihr Vorgehen. Dass sie sich über die Zeit viele Notizen gemacht, viel gelesen habe. An manchen Stelle habe sie dann vergessen kenntlichzumachen, woher die Informationen kommen. „Das war nicht richtig“, gestand sie auch vor den Kindern ihren Fehler ein.

Richtig Stimmung kam auf, als Baerbock mit den Schülern singen soll. „Ich kann gar nicht singen“, lachte Baerbock und fügte spaßig hinzu: „Wenn ich jetzt singen soll, verliere ich ganz bestimmt die Bundestagswahl.“ Doch die Schüler blieben hartnäckig. „We will rock you“ wird am Ende angestimmt, alle klatschten mit den Händen und hauten im Rhythmus auf den Tisch.

(Linksrutsch oder Ampel - was nach dem Wahltag kommt, erfahren Sie in unserem Politik-Newsletter.)

Laschet stellt sich Fragen der Schüler: „Mögen Sie Markus Söder jetzt noch?“

Auch Unions-Kandidat Armin Laschet stattete den Schülern einen Besuch ab. Ein bisschen ins Nachdenken kam er bei einer Frage nach seinen Freunden in der Politik. „Ich habe viele Freunde außerhalb der Politik“, stellte er lieber erst einmal klar. „Bei den echten Freunden weißt du, die sind auch noch da, wenn du nicht mehr Politiker bist. Kann ja auch sein, dass du mal verlierst.“ Aber zurück zur Frage: „In der Politik ist das so eine Sache. Da kämpft natürlich auch jeder, dass er sich mit seinen Ideen durchsetzt. Aber es gibt auch da eine Menge, auf die ich mich sehr verlassen kann.“ Konkrete Namen nannte er keine. Später hakte eine Schülerin aber noch einmal zu dem Streit mit CSU-Chef Markus Söder um die Kanzlerkandidatur nach. „Mögen Sie ihn jetzt noch?“ „Ja“, entgegnete Laschet. Sie telefonierten „ab und an“. Auch nach so harten Tagen müsse man gut zusammenarbeiten können.

Schüler wollen mehr zum Lacher von Laschet im Flutgebiet wissen

Rausrücken damit, worüber Laschet damals im Flutgebiet lachete, wollte er auch vor den Kindern nicht. Er wiederholte stattdessen: „Das war blöde.“ Er habe kein Wort von Steinmeiers Rede hören können, „und dann hat da irgendeiner eine blöde Bemerkung gemacht und da sind dann diese Bilder entstanden. Das war blöde, es tut mir auch leid. Aber es lohnt sich nicht, das zu vertiefen. So wichtig war es nicht.“

Am Ende hatten die Schüler noch einen großen Wunsch: Laschet soll Kanzlerin Angela Merkel anrufen. Laschet erklärte aber: „Ich rufe die nie an. Ich schreib immer: ‚Passt es jetzt?‘“ Dann kämen meist Zeiträume zurück. „So einfach anrufen kann man Bundeskanzler nicht.“ Also sollte ein anderer Minister angerufen werden. Laschet zückte sein Handy, kurze Zeit später war Gesundheitsminister (und Tandem-Partner) Jens Spahn (CDU) dran. Kurzer Plausch per Lautsprecher über Corona, dann schienen alle zufrieden.

Olaf Scholz zeigt Kindern wütendes Gesicht beim Thema Kinderrechte

SPD-Kandidat Olaf Scholz war als Letzter in der Sendung dran. „Wovor haben Sie am meisten Angst?“, wurde er gefragt. „Ich habe Sorge, dass es in der Welt nicht friedlich zugeht, dass irgendwo Krieg herrscht. Das finde ich, ist das Schlimmste. Und deshalb muss man auch für Frieden sorgen, wenn man Kanzler ist.“ Ein anderes Extrem, das die Kinder wissen wollten: „Was ist das Peinlichste, das Ihnen passiert ist?“ Die Antwort blieb nüchtern: „Oh, da gibt es viele Dinge und ich erinnere mich lieber nicht dran.“ Vereinzeltes Lachen im Zimmer.

Beim Entscheide-dich-Spiel vergaß Scholz immer mal wieder eine Regel. Er sollte nämlich auf die Ja-oder-Nein-Fragen die entsprechende Seite einer Kelle hochhalten. Auf einer Seite des Utensils fand sich ein Emoji mit Sonnenbrille, das für „Cool bleiben“ stehen sollte, auf der anderen Seite ein wütendes Gesicht für „Ich raste aus“. Erwartungsgemäß nutzte Scholz diese zweite Seite kaum. Doch beim Thema fehlende Kinderrechte im Grundgesetz „rastete er aus“ und zeigt das rote Gesicht. „Weil das wäre ganz einfach, wenige Zeilen, und das würde ich mir vorstellen, dass das schnell anders wird“, erklärte der SPD-Politiker.

SPD-Kanzlerkandidat soll Blockflöte spielen: „Oh wei!“

An einer Stelle wurde Scholz noch mit einer Blockflöte überrascht. „Ohwei!“, stieß er aus, als er sie entgegennahm. Er sollte ein Lied spielen. Doch so richtig könne er das nicht mehr. Er habe so eine Flöte vor fast 50 Jahren das letzte Mal benutzt. Scholz ließ sich dennoch breitschlagen: Er blies ein paar Töne und bewegte die Finger, während sich der Mundwinkel mancher Kinder etwas verzogen. Applaus gibt es trotzdem. (cibo)

Auch interessant

Kommentare