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Die AfD feiert sich: Parteichef Bernd Lucke mit Beatrix von Storch, der umstrittenen Berliner AfD-Politikerin.

AfD sieht sich als "Volkspartei"

Triumph der Rechtspopulisten

München/Berlin - In fast ganz Europa feiern europa-kritische Parteien. In Frankreich und Dänemark werden die Rechtspopulisten sogar die stärksten Kräfte. In Deutschland sieht sich die AfD schon als „Volkspartei“ – und will mit rechten Schmuddelkindern anderswo nichts zu tun haben.

Die erste Prognose ist kaum über die Bildschirme geflimmert, da erklimmt Bernd Lucke die Bühne bei der Berliner Wahlparty der AfD – seiner AfD. Bernd Lucke, der Wirtschaftsprofessor aus Hamburg, ist das Gesicht der Alternative für Deutschland. Ein stets lächelndes Gesicht, das nur dann gefriert, wenn man seine Partei mit den Rechtspopulisten anderer europäischer Länder in Verbindung bringt. Doch an diesem Sonntagabend strahlt Lucke von einem Ohr zum anderen. „AfD, AfD“, skandieren seine Anhänger. „Es ist Frühling in Europa“, ruft er ihnen zu. „Manche Blumen blühen auf, und andere verwelken. Die AfD ist bei dieser Wahl aufgeblüht als eine neue Partei – als eine neue Volkspartei.“ Lucke lächelt.

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In München zeigt sich derweil das andere Gesicht dieser Partei. Das, von dem Bernd Lucke stets behauptet, es gäbe es nicht. Es ist das Gesicht von Ulrike Hornig. Die 57-Jährige ist zur Münchner AfD-Wahlparty in den Weyprechthof ganz weit im Norden der Landeshauptstadt gekommen. Hier am Harthof wechseln sich die Wahlplakate von AfD, Republikanern und NPD ab am Straßenrand.

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„Ich bin nicht links oder rechts“, sagt Ulrike Hornig. „Ich bin ein Bürger mit gesundem, kritischen Menschenverstand.“ Sie trägt ein T-Shirt mit dem Logo der AfD und dem Slogan „Mutbürger“. Doch das, was Ulrike Hornig noch sagt, klingt sehr nach rechtem Gedankengut. Sie wettert über die Gegend rund um den Hauptbahnhof in München. „Das ist ein Armutszeugnis für die Stadt, überall nur Ausländer und Penner“, sagt sie. „Ich schäme mich da als Deutsche.“ Es gebe einen „Ausverkauf von Deutschland“ und „einfach zu wenig Nationalstolz“, findet Hornig. Für die AfD engagiere sie sich seit Sommer letzten Jahres, damals habe sie ein Plakat der Partei gesehen. „Ich weiß nicht mehr genau, was drauf stand, aber irgendwas mit mehr deutsch.“ Sie fühlt sich gut aufgehoben in dieser Partei, sagt sie. „Wir sind einfach enttäuscht von Deutschland. Der Deutsche ist zu gutmütig, zu duckmäuserisch.“ Das soll sich nach dieser Wahl nun ändern.

Zur Wahrheit gehört, dass es auch in München viele AfD-Anhänger gibt, die mit rechtsextremen, ausländerfeindlichen Positionen nichts zu tun haben wollen. Viele sind enttäuschte Wähler der Unionsparteien oder der FDP. Der Jubel über deren Verluste ist im Weyprechthof fast lauter als der über das Wahlergebnis der eigenen Partei. Bayerns AfD-Chef André Wächter, blaues Hemd, rote Krawatte, freut sich über das „Wahnsinnsergebnis“. Im Freistaat schneidet die AfD mit fast acht Prozent sogar noch besser ab als bundesweit, in einigen bayerischen Landkreisen wird das Ergebnis sogar zweistellig. „Die CSU hat unser Parteiprogramm abgeschrieben“, sagt Wächter. „Das haben die Leute gemerkt und lieber das Original gewählt.“

Man werde nun in Europa auf die Suche nach „Gleichgesinnten“ gehen, allerdings sei ein Zusammenschluss mit dem französischen Front National, der holländischen PVV von Geert Wilders und der britischen Ukip ausgeschlossen, sagt Wächter. Auch Lucke betont in Berlin: „Wir werden nur mit denjenigen politischen Parteien zusammenarbeiten, die eine ähnliche Grundhaltung haben, kritisch gegenüber der gemeinsamen Währung, konstruktiv gegenüber der EU.“ Er deutet eine Vereinbarung mit den britischen Konservativen an. „Wir sind keine rechtspopulistische Partei“, sagt er immer wieder.

Mögliche Koalitionspartner gäbe es viele für die AfD im neuen Europaparlament. In einigen Ländern wurden die Europaskeptiker und Rechtspopulisten sogar zu den stärksten nationalen Kräften gewählt. In Frankreich erhielt der rechtsextreme Front National (FN) um Marine Le Pen mit knapp 25 Prozent erstmals die meisten Stimmen. Bei der vorangegangenen Wahl 2009 war der FN nur auf 6,3 Prozent gekommen. Die konservative Oppositionspartei UMP wurde mit 21 Prozent (2009: 27,8 Prozent) zweitstärkste Kraft.

Auch die rechtspopulistische Dänische Volkspartei („Dansk Folkeparti“) erhielt in ihrem Land die meisten Stimmen. Nach einer Prognose am Sonntagabend bekam die Partei 23,1 Prozent.

Aus Großbritannien gibt es zwar noch keine konkreten Zahlen, doch auch dort zeichnen sich starke Zugewinne für die europaskeptische Ukip ab. Zumindest konnte sie bei den parallel stattfindenden Kommunalwahlen zulegen. Herbe Verluste erlitten demnach unter anderem die Konservativen von Premierminister David Cameron.

In Österreich konnte die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) enorme Stimmengewinne verbuchen. Gegenüber dem Urnengang von 2009 legte die FPÖ einer Hochrechnung zufolge mehr als sieben Punkte zu und landete bei rund 20 Prozent. Das bedeutete den dritten Platz hinter der konservativen Volkspartei (VP) und der sozialdemokratischen SPÖ. Das starke Abschneiden der FPÖ dürfte auch daran liegen, dass der unabhängige Kandidat Hans-Peter Martin nicht mehr zur Wahl stand – für ihn hatten 2009 zahlreiche Protestwähler gestimmt, die nun zur FPÖ zurückkehrten. Insgesamt sei das Lager der Euroskeptiker und Protestwähler daher eher kleiner geworden, sagt Politikexperte Thomas Hofer.

Die rechtspopulistische Partei Wahre Finnen bekam 12,8 Prozent der Stimmen. Die europaskeptisch eingestellte finnische Partei landete damit aber zumindest hinter der konservativen Nationalen Koalitionspartei.

Nur ein Rechter verlor bei dieser Wahl: Geert Wilders aus den Niederlanden. Seine anti-europäische Partei für die Freiheit (PVV) hatte schon am Donnerstag eine überraschend deutliche Schlappe erlitten und landete der Prognose zufolge mit 12,2 Prozent nur auf Platz vier, das waren knapp fünf Prozentpunkte weniger als 2009.  

Philipp Vetter und Carina Lechner, mit dpa

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