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Sean Spicer bei einer der täglichen Presserunden im Weißen Haus

Wieder Abhör-Vorwürfe

Auch ohne Beweise: Spicer wirft Obama „sehr, sehr schlimme Dinge“ vor

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Washington - Gerade erst hatte Donald Trump eingestanden: Es gibt keine Beweise für seine Abhörvorwürfe gegen Barack Obama. Trump-Sprecher Spicer bekräftigt die Vorhaltungen trotzdem.

Zwei Wochen ist es her, da musste Donald Trump einen Gang gehen, den viele Politiker als Demütigung empfunden hätten - wenn er sie nicht sogar ihr Amt gekostet hätte. In einem Fernsehinterview gestand US-Präsident ein: Er hatte seinem Vorgänger Barack Obama auf Twitter Abhör-Vorwürfe gemacht, ohne über irgendwelche Beweise für die brisanten Behauptungen zu verfügen.

Perfekt war die Schmach ohnehin, als der Geheimdienstausschuss des US-Kongresses zu ebenjenem Ergebnis gekommen war - Trump sei nicht, wie behauptet, im Wahlkampf abgehört worden. „Wenn Sie Trumps Tweets wörtlich nehmen, dann war der Präsident eindeutig im Unrecht“, erklärte selbst der republikanische Vorsitzende des Ausschusses, Devin Nunes.

Und Donald Trump? Der scheint alles andere als geschockt, oder auch nur kleinlaut. Der Präsident hat nun, nach gut zwei Wochen Schonfrist, seinen Sprecher Sean Spicer die Vorwürfe gegen Obama erneuern lassen, wie unter anderem die New York Times und Vanity Fair berichten.

Spicer wirft Obama „sehr, sehr schlimme Dinge“ vor

Es gebe neue Hinweise, dass die Regierung Obama eine „politisch motivierte“ Überwachung des Trump-Wahlkampfes durchgeführt habe, erklärte Spicer am Freitag in der täglichen Presserunde des Weißen Hauses. Mitglieder der Obama-Administration hätten „sehr, sehr schlimme Dinge“ getan, betonte er - offenbar in Anspielung auf die geleakte Russland-Affäre um Trump.

Beweise habe er nach wie vor nicht, bekannte Spicer. Dennoch gab sich der Sprecher selbstsicher. „Ich denke, die Substanz dessen, was einzelne Personen nun nach und nach an die Öffentlichkeit geben, weist genau in Richtung dessen, über was der Präsident an besagtem Tag sprach.“

Verbindungen zu Russland: Spicer verweist auf Clinton

Spicer spielte damit nach eigenen Angaben auf ein TV-Interview der früheren Regierungs-Mitarbeiterin und Verteidigungs-Expertin Evelyn Farkas an. Farkas hatte dem Sender MSNBC erklärt, sie habe versucht, darauf hinzuwirken, Informationen über die Russland-Verbindungen von Trump-Mitarbeitern einzuholen, bevor eine Trump-Administration Informationen unterdrücken könne. Die Geheimdienste hätten über passende Verbindungen nach Russland verfügt, sagte Farkas - bereits vor einiger Zeit hatte die New York Times berichtet, die USA hätten russische Offizielle überwacht.

Über tatsächliche Spionage-Maßnahmen gegen Trump hatte Farkas allerdings nichts gesagt. Wichtiger noch: Zum Zeitpunkt der heißen Wahlkampfphase war sie nicht mehr für die Regierung tätig. Farkas schied im Jahr 2015 aus dem Dienst aus - rund ein Jahr vor den vermeintlichen Abhöraktionen.

Spicer nahm ungeachtet dessen auch Trumps Wahlkampf-Kontrahentin Hillary Clinton ins Visier. „Wenn Sie mal eine klare Verbindung zu Russland sehen wollen, bei ihr gibt es eine“, sagte er. Clinton habe Wladimir Putin „ein Fünftel des Urans unseres Landes verkauft“, behauptete Spicer.

fn

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