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Lisa Vranica mit einem Trump-Pappkameraden.

Donald Trumps Anhänger

Die „Trumpettes“ feiern weiter - trotz der Proteste

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Washington/Harrisburg – Die Wähler des neuen US-Präsidenten stehen treu zu ihrem umstrittenen Idol. Trumps Anhänger jubeln: Endlich werden Gesetze angewendet.

Wenn es Menschen gibt, die Donald Trump am 8. November 2016 zum Sieg verhalfen, dann sind es Menschen wie Lisa Vranicar. Die 52-jährige Mittelständlerin betreibt zwei Eislauf-Stadien in der Stadt Harrisburg in Pennsylvania – jenem Bundesstaat, der überraschend 20 Wahlmänner zum Gesamterfolg des Republikaners beisteuerte. Im Oktober vergangenen Jahres schickte Lisa Vranicar ein halbes Dutzend Freiwillige auf die tägliche Werbetour für Trump. An der Weste trug sie einen Ansteckbutton mit dem Schriftzug „Women for Trump“ – und im Herzen jede Menge Optimismus. Ihre kleine Frauengruppe nennt sie die „Trumpettes“ – und wagt heute, zwei Wochen nach der Amtseinführung ihres Idols, eine kühne Prognose: „Donald Trump wird der am meisten geliebte Präsident der amerikanischen Geschichte werden.“ Es ist eine Feststellung, an der die Unternehmerin aus dem „Rostgürtel“ der USA, jenen vom Wirtschaftsaufschwung vergessenen Bundesstaaten, auch angesichts der Massenproteste und den für viele Beobachter chaotisch wirkenden Anfangstagen im Weißen Haus festhält.

Die Mauer zur Abschottung gegen Mexiko? „Wir müssen kontrollieren, wer zu uns ins Land kommt.“ Der temporäre Einreisestopp? „Wir müssen uns schützen. Amerika muss an erster Stelle kommen. Mit Religion hat dies nichts zu tun.“ Und die Demonstrationen gegen Trump? „Es wird Zeit, dass die Bürger endlich den demokratischen Prozess akzeptieren.“ Angreifbares sieht sie beim Novizen im Weißen Haus nicht. Im Gegenteil: „Endlich werden unsere Gesetze auch angewendet.“ In Treue fest zum neuen Präsidenten – und keine Kritik gelten lassen. Dieser Wesenszug scheint so gut wie alle Fans des New Yorker Milliardärs zu verbinden, der das Land so polarisiert wie Lyndon B. Johnson zu Zeiten des umstrittenen Vietnam-Kriegs. Fehler sehen seine Fans nicht – stattdessen Trumps Anti-Terror-Politik und sein „Jobs, Jobs, Jobs“-Mantra.

Auch Elizabeth Ochoa, Besitzerin einer Werbeagentur im Bundesstaat Texas mit lateinamerikanischen Wurzeln, steht vorbehaltlos hinter dem Mann, den sie gewählt hat und der doch so vehement auf ein starkes Grenzbollwerk drängt. „Jeder, der zu uns will, muss auf Herz und Nieren geprüft werden,“ sagt sie. Denn: „Die Sicherheit der Bürger muss stets an erster Stelle stehen.“ Trump habe vom ersten Tag an Führungsstärke bewiesen – sei es im Gespräch mit anderen Regierungschefs oder mit Unternehmern im eigenen Land. Der Unternehmer David Rodriguez stimmt zu: „Trump liegt ganz auf einer Linie mit meinem christlichen Glauben. Ich denke nicht, dass die kriminelle Hillary eine gute Wahl gewesen wäre.“ Lediglich die Einreisedekrete hätte Trump, so glaubt Rodriguez, etwas besser erklären sollen.

Dulcie Dee, eine Bankangestellte aus dem New Yorker Stadtteil Queens und typische Vertreterin der arbeitenden Mittelklasse in den USA, kam einst von den Philippinen ins Land. Nun fordert die Trump-Anhängerin scharfe Kontrollen für alle Immigranten – und sieht den temporären Einreisestopp als gerechtfertigt an. Die sieben betroffenen Länder seien schließlich auch auf der Risiko-Liste des Außenministeriums, und US-Banken und andere Unternehmen seien angehalten, in diesen Nationen keine Geschäfte zu tätigen. Die Proteste der Liberalen seien „nichts anderes als Sabotageversuche, um jede Aktion Trumps schlecht zu machen.“ Die 66-jährige Friseurin Krystyna Crouch sieht das genauso – und versteht auch, warum Trump vor allem Twitter benutzt. „Die führenden Medien in den USA betreiben keinen neutralen Journalismus mehr.“

Damit liegt sie auf einer Linie mit „Trumpette“-Gründerin Lisa Vranica in Pennsylvania, die Ehrlichkeit in der Berichterstattung fordert. Alle zwei Monate gibt sie nun ein Dinner für ihre „Trumpettes“ – und lädt dazu auch Bürger ein, die sich der Stimme enthalten oder für Hillary Clinton votiert haben. „Wir müssen zusammenkommen als Nation“, sagt sie. Was sie nicht sagt: In vier Jahren wird wieder ein Präsident gewählt. Und dafür kann nach Meinung vieler Menschen nicht früh genug geworben werden. 

Von unserem Korrespondenten in den USA

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