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Jean-Marie Le Pen bleibt trotz seines Rauswurfs aus dem Front National Ehrenvorsitzender.

Gericht hat entschieden

Trotz Rauswurf: Jean-Marie Le Pen behält Ehrenvorsitz im Front National

Nanterre - Die rechtsextreme Front National will weniger radikal rüberkommen - doch sie wird ihren polternden Gründervater Jean-Marie Le Pen nicht los. Vor Gericht kann er einen Teilerfolg in der Familienfehde mit seiner Tochter und politischer Erbin Marine verbuchen.

Der französische Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen bleibt trotz seines Rauswurfs aus der Front National (FN) Ehrenvorsitzender der Partei. Ein Gericht im Pariser Vorort Nanterre bestätigte am Donnerstag zwar den Ausschluss, gegen den der jahrzehntelange FN-Chef sich erbittert gewehrt hatte. Dies hat laut Urteil jedoch keine Auswirkungen auf den Ehrenvorsitz. Der 88-Jährige dürfe damit in den Führungsgremien der Partei mit am Tisch sitzen.

Die inzwischen von seiner Tochter Marine Le Pen geführte Partei hatte ihren Gründer im vergangenen Jahr nach monatelangem Krach ausgeschlossen. Jean-Marie Le Pen hatte die Gaskammern der Nazis erneut als „Detail der Geschichte“ verharmlost.

Sein Anwalt Frédéric Joachim sagte dem Sender BFMTV, das Urteil sei ein Sieg für seinen Mandanten. „Es hat keine Bedeutung, dass er ausgeschlossen wurde.“ Le Pen hatte Anfang Oktober gesagt, er sehe sich als Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit. Die Partei muss dem 88-Jährigen zudem 15 000 Euro Schadenersatz zahlen, sie kann aber in Berufung gehen. Die FN äußerte sich zunächst nicht.

Marine Le Pen bemüht sich seit Jahren, der Rechtsaußen-Partei mit einer gemäßigteren Wortwahl ein bürgerliches Image zu verschaffen. Umfragen sagen ihr gute Chancen voraus, bei der Präsidentschaftswahl 2017 in die Stichwahl zu kommen. Erst am Mittwoch eröffnete sie ihr Wahlkampf-Hauptquartier - es liegt in der gleichen Straße wie der Élyséepalast, keine zwei Kilometer vom Pariser Machtzentrum entfernt.

Schon im vergangenen Jahr hatte Jean-Marie Le Pen mehrfach vor Gericht Erfolge gegen die FN erzielt, so war die zunächst verhängte Suspendierung seiner Mitgliedschaft wieder kassiert worden. Im August 2015 schloss das Exekutivbüro der Partei ihn dann aus.

Le Pen hatte die Front National seit ihrer Gründung 1972 bis 2011 geführt und von einer Splittergruppe zu einer wichtigen politischen Stimme geformt. Wegen der über Jahrzehnte mehrfach wiederholten Bemerkung über die Gaskammern und anderer Ausfälle war er immer wieder verurteilt worden.

dpa/ afp

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