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Von vorübergehender Schwäche lies sich Seehofer nicht beeindrucken und zog den Termin durch.

Stippvisite beim Ministerpräsidenten

Trotz Schwächeanfalls: Seehofer stellt sich den Fragen der Bürger

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München - Beim Tag der offenen Tür in der Staatskanzlei, im Landtag und im Verfassungsgerichtshof konnten Besucher hinter die Kulissen des Staates schauen.

So viele Besucher auf einmal hatte die Bayerische Staatskanzlei vermutlich schon lange nicht mehr. Zahlreiche neugierige Bayern drängten sich am Samstag durch die weiten Gänge des Regierungsgebäudes am Münchner Hofgarten, beugten sich über Stände und informierten sich über aktuelle Themen wie die 2. Stammstrecke und Barrierefreiheit in Bayern. Anlass war der 70. Geburtstag der Bayerischen Verfassung.

Die Bürgersprechstunde mit Ministerpräsident Horst Seehofer wurde von einem Zwischenfall überschattet. Im großen Kuppelsaal erlitt der Regierungschef nach einer halben Stunde einen Schwächeanfall. Seine Kollegen fingen den kreidebleichen Seehofer gerade noch auf, als dieser nach hinten sackte. Kurz darauf stand Seehofer wieder am Rednerpult und knickte erneut ein. Nach kurzer Pause setzte er die Bürgersprechstunde im Sitzen fort und erntete dafür eher besorgten als euphorischen Applaus. Unterbrechen wollte Seehofer den Termin nicht. „Wie lange ich hier stehe, entscheide ich noch immer selbst“, sagte er.

Der Stress der vergangenen Tage und die schlechte Luft im Kuppelsaal schienen ihm zugesetzt zu haben. Dennoch beantwortete Seehofer weiterhin die Fragen der Bürger. Nach der Alternativlosigkeit Angela Merkels („Man muss auch sagen, dass Frau Merkel in den letzten elf Jahren eine Menge für Deutschland geleistet hat. Aber kein Mensch kann sich als alternativlos einschätzen.“), der 2. Stammstrecke („Das wird kein zweites Stuttgart 21“) und ob er kein Kruzifix im Arbeitszimmer habe („Es ist doch alles da!“).

Seehofer über Flüchtlingsfrage: „Darf sich nicht wiederholen“

Von einem Bürger auf die Rentenpolitik angesprochen, antwortete er: „Was wir vereinbart haben, macht Sinn.“ Kritisch sehe er den jüngsten Vorschlag von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), den Rentenversicherungsbeitrag auf maximal 25 Prozent zu erhöhen. „Das kann nicht die Politik für die junge Generation sein“, so Seehofer. Schließlich erklärte der 67-Jährige: „Weil ich das Rentenalter auch überschritten habe, ist mir an der sicheren Rente gelegen.“

In Sachen Flüchtlingspolitik blieb Seehofer streng: „Das Jahr darf sich nicht wiederholen.“ Die Abschiebung von nicht schutzbedürftigen Menschen sei „sehr wohl mit Christlichkeit und Humanität vereinbar“. Schutzbedürftige könnten Asyl in Deutschland suchen, aber: „Wir können nicht die ganze Welt in Deutschland aufnehmen“, so Seehofer. Vom Publikum erntete er dafür Applaus.

„Es geht ihm gut“, erklärte später ein Sprecher der Staatskanzlei. Der Ministerpräsident sei etwas erkältet gewesen. Gestern gönnte er sich eine Verschnaufpause. Erst im Januar hatte der CSU-Chef in Wildbad Kreuth vor den CSU-Landtagsabgeordneten einen Schwächeanfall gehabt. Im Sommer hatte er bei den Bayreuther Festspielen über gesundheitliche Probleme geklagt und zur Sicherheit eine Nacht im Krankenhaus verbracht.

Am Vormittag hatte Marcel Huber als Leiter der Staatskanzlei die Besucher begrüßt: „Ich freue mich darüber, dass die Bürger interessiert, wie der bayerische Staat funktioniert.“ Den ganzen Tag über standen Minister Rede und Antwort, darunter Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Innenminister Joachim Herrmann und Europaministerin Beate Merk. Ausnahmsweise durften die Besucher die Arbeitsräume der Staatskanzlei besuchen. Der Rundgang führte sie in Hubers Arbeitszimmer, vorbei an der Zirbelstube und dem großen Empfangszimmer. Durchs holzvertäfelte Arbeitszimmer des Ministerpräsidenten gelangten die Gäste in den großen Ministersaal, wo Kabinettssitzungen stattfinden.

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