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Horst Seehofer zieht von München nach Berlin.

Innenminister in der neuen GroKo

Politik-Experte: Die CSU entsorgt Seehofer in Berlin - das ist der wahre Grund 

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Das Amt des Ministerpräsidenten hat er verloren und dennoch darf Horst Seehofer nach Berlin um ein Bundesministerium zu übernehmen. Das sind die Gründe.

München - Ein wenig seltsam erscheint es dem interessierten Beobachter ja schon, warum Horst Seehofer, nachdem er das Vertrauen seiner Partei als bayerischer Ministerpräsident verloren hat, in die Bundesregierung als Minister eintreten darf. Der 68-Jährige soll in der kommenden Legislaturperiode als Innenminister nach Berlin gehen und im Kabinett Merkel IV Bundespolitik machen. 

Doch wieso bestellt die CSU gerade den Mann nach Berlin, dem sie nach den jüngsten Wahlergebnissen nicht mal auf der Landesebene das Vertrauen geben, um bei der anstehenden Landtagswahl als Spitzenkandidat - und damit in Bayern ja ziemlich sicher als Ministerpräsident der nächsten Regierung - voranzugehen.

Politikwissenschaftler sieht Seehofer als logische Entscheidung

Der Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann erklärte im Interview mit dem Stern, warum gerade Seehofer dieses wichtige Ministerium in Berlin übernehmen darf. Der Experte sieht es dabei vor allem als logischen Schritt. Seehofer gibt zwar das Amt des Ministerpräsidenten ab, bleibt in der CSU jedoch Parteivorsitzender und hat somit das ersten Zugriff auf einen möglichen Ministerposten. 

Bereits in den Wochen vor den Koalitionsverhandlungen wurde deswegen auch darüber spekuliert, dass Seehofer sich mit einem Ministerposten in der neuen Bundesregierung dafür entschädigen will, dass er als bayerischer Landesvater wohl von Markus Söder abgelöst wird. 

Ministerposten als „Entsorgungsentscheidung“

Von Alemann sieht den Entschluss der CSU darüber hinaus auch vor allem als „Entsorgungsentscheidung“. Der 68-jährige Seehofer sei ja bereits am Ende seiner Karriere angekommen und wird auf seine „alten Tage“ noch mit einem weiteren Ausflug in die bundesweite Politik entlohnt. 

Ein weiteres und vielleicht sogar das Hauptargument der CSU für die Entsendung des amtierenden Ministerpräsidenten ins weit entfernte Berlin, ist die anstehende Landtagswahl in Bayern. Denn seit jeher stellen die Christsozialen das Abschneiden auf Landesebene über die Ergebnisse bei den Bundestagswahlen. 

Bayern geht vor: Die CSU rüstet sich für die Landtagswahlen

Und so liegt der Fokus der CSU bei ihren Personalentscheidungen auch momentan wohl eher auf den Wahlen im Oktober, als auf der Regierungsbildung. Darum positioniert die Partei Seehofer, der bei vielen Bayern immer noch große Sympathie-Werte hat, in einem Amt, von dem aus er weiter Einfluss auf das politische Geschehen nehmen kann, während sie mit Markus Söder die geforderte parteiliche Kurswende auf Landesebene einleiten können.

Ein „neues“ Gesicht im Amt des Ministerpräsidenten und ein Bekanntes in Berlin - dass ja im neu gebildeten Ministerium auch mit dem Ressort Heimat betraut wird - ist also der Plan der CSU um bei den kommenden Landtagswahlen die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag zu verteidigen. 

fd

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