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Angela Merkel und Donald Trump bei ihrem ersten Treffen im Weißen Haus. 

Vorbereitung des Präsidenten „die eines Viertklässlers“

Insider-Bericht mit pikanten Details zu Merkel-Trump-Treffen

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Berlin/Washington - Das Treffen von Angela Merkel mit US-Präsident Donald Trump stand im medialen Scheinwerferlicht. Auch abseits der Kamera gab es angeblich große Differenzen, wie ein Bericht nun enthüllt. 

Am Ende des Tages, als die deutsche Regierungschefin wohl schon wieder auf der Heimreise im Flugzeug saß, blieb von dem unter den Augen der Weltöffentlichkeit mit einiger Spannung erwarteten Treffen zwischen Angela Merkel und Donald Trump vor allem eines übrig - wenn auch nicht politischer Natur. Es war die Art und Weise, wie die Kanzlerin dreinblickte, als der US-amerikanische Präsident über seine Gemeinsamkeiten mit Merkel in der nicht nachgewiesenen Abhör-Affäre durch das Weiße Haus philosophierte, die einen tiefen Einblick in die angeschlagenen Beziehungen der beiden Länder zuließ. 

Gemeinsam mit dem ausbleibenden Händedruck (trotz explizitem Wunsch der Fotografen) und einer im Allgemeinen eher frostigen Atmosphäre verdeutlichte die spontane Reaktion Merkels das Bild zweier Staatschefs, deren politische Differenzen - für die Öffentlichkeit deutlich spürbar - größer kaum sein könnten. 

Bericht: Trump ohne Kenntnisse über TTIP und Russlands Rolle in der Ukraine

Laut der NY Times herrschte jedoch nicht nur vor den Kameras ein recht eisiges, misstrauisches Miteinander - auch hinter verschlossenen Türen soll der US-amerikanische Präsident mit seinem Verhalten für Kopfschütteln bei der deutschen Delegation gesorgt haben. Roger Cohen - Autor des Insider-Berichts - beruft sich dabei auf einen ranghohen europäischen Diplomaten, der Trumps Vorbereitung auf das Treffen mit der „eines Viertklässlers“ verglichen habe. So habe der amerikanische Regierungschef weder etwas über das transatlantische Freihandelsabkommen noch über die Aggressionen Russlands in der Ostukraine gewusst oder zur Diskussion beitragen können. 

Stattdessen sei es Trump angeblich vor allem um eins gegangen: Geld. Schon zu Beginn des Gesprächs soll er darauf aufmerksam gemacht haben, dass Deutschland der USA hunderte Milliarden Dollar schulde - Verbindlichkeiten, die durch das starke NATO-Engagement der USA entstanden sein sollen. Kam die Unterhaltung auf andere Themenkomplexe zu sprechen, habe der US-Präsident „ständig abrupt das Thema wechseln wollen“. Von dieser Haltung waren laut Roger Cohen auch Gespräche über die Europäische Union betroffen. "Er hat einen seiner trotzigsten und ignorantesten Auftritte hingelegt“, so der NY-Times-Journalist. 

Ivanka Trump besser informiert als ihr Vater?

Das habe zur Folge gehabt, dass die Delegierten Trumps Tochter Ivanka, die laut NY Times von Merkel persönlich eingeladen worden war und nächsten Monat zum G20-Gipfel nach Berlin kommt, als fachlich besser informiert eingestuft hätten. "Trump war so zerstreut, dass die deutschen Delegierten zu dem Schluss kamen, dass Trumps Tocher Ivanka, die eigentlich keinen formalen Grund hatte, anwesend zu sein, die besser vorbereitete und nützlichere war“, schreibt Cohen.

Die Beziehungen zwischen den USA und der Bundesrepublik sind seit Trumps Präsidentenwahl abgekühlt. Vor allem Trumps mittlerweile gescheitertes Einreiseverbot für Muslime aus sieben Nationen, seine umstrittene Klimapolitik und der angekündigte Protektionismus - sprich die Belegung von zum Beispiel deutscher Exportware mit Strafzöllen - haben Sorgen und Kritik in Reihen der Bundesregierung ausgelöst. Zuletzt gratulierte Trump Merkel jedoch zum Erfolg ihrer Partei bei den Landtagswahlen im Saarland - ein ungewöhnlicher Schritt für einen amerikanischen Präsidenten. 

lpr

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